Sieben Scorer-Punkte (fünf Tore und zwei Assists) nach den ersten zehn Liga-Spielen – es läuft einfach für Christoph Baumgartner. In seinem dritten Jahr bei RB Leipzig erlebt der ÖFB-Teamspieler seine wahrscheinlich beste Phase beim deutschen Bundesligisten.

Als ein Schlüsselmoment lässt sich dabei der 29. August festmachen – jener Tag, an dem Xavi Simons den Verein in Richtung Tottenham verlassen hat. „Damit war klar, dass für mich die Tür sowieso geschlossen ist und ich mir keine großen Gedanken mehr machen brauche, was ich mache“, denkt der Niederösterreicher an den Abgang seines Positionsrivalen zurück. Solange nicht klar war, dass der Niederländer den Klub verlässt, machte sich auch Baumgartner Gedanken über seine Zukunft und ob es eher zäh weitergeht wie in den ersten beiden Jahren in Leipzig.

„Die Zeit, bis die Transferperiode vorbei war, war für mich persönlich lang und nicht ganz einfach“, gibt der 26-Jährige zu und erläutert, warum auch er den Markt sondiert hat: „Ich liebe den Fußball viel zu sehr, um über Jahre auf der Bank zu sitzen. Du willst auf dem Platz stehen und dieses Gefühl haben, in vollen Stadien zu spielen. Das ist eine Sucht, und wenn du die Sucht nicht befriedigst, ist es ganz einfach schwierig.“

Lob für die Kommunikation des Vereins

Die Kommunikation von Geschäftsführer Sport Marcel Schäfer und Trainer Ole Werner in seine Richtung sei jedoch überragend gewesen. Der im Sommer neu bestellte Coach habe  ihm von Anfang an gezeigt, dass er sehr viel von ihm hält, auch wenn er in den ersten zwei Pflichtspielen die Bank drücken musste: „Aber er hat mir das Gefühl gegeben, dass er einen Plan mit mir hat und ich ich geduldig bleiben muss, weil noch etwas passiert.“

Der Simons-Abgang passierte dann auch, seither ist Baumgartner nicht nur Stammspieler, sondern auch Leistungsträger. Ein Status, der natürlich auch das Standing verändert. Werner beförderte ihn in den Mannschaftsrat. Schäfer erklärte ihm schon zuvor, dass er auch in der Kabine eine andere Rolle sieht. Ab jenem Moment, in dem er es in die Startelf geschafft hat, lief es auch sportlich. „Dann merkst du natürlich, dass du eine andere Rolle im Team kriegst, dein Wort mehr Gewicht hat. Das geht halt nur, wenn du am Platz stehst und Leistung bringst. Sonst kannst du machen, was du willst und dich auf den Kopf stellen, das wird einfach nicht angenommen.“

Nicht der erste Bayern-Jäger

Nicht nur für Baumgartner persönlich läuft es, sondern für die ganze Mannschaft. Auch nach der Niederlage in Hoffenheim am Wochenende ist Leipzig Zweiter – und das trotz des 0:6-Debakels gegen Leader Bayern am ersten Spieltag. Der ÖFB-Legionär führt dies auf eine veränderte Hierarchie in der Mannschaft zurück, so ist etwa Landsmann Xaver Schlager neuer Vizekapitän. „Es sind auch Spieler weggefallen, die definitiv polarisiert haben“, meint Baumgartner. Einer davon war mutmaßlich Simons.

Der notwendige Spirit habe in der Vorsaison, als sogar die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb verpasst wurde, noch gefehlt: „Jetzt haben wir ein Teamgefüge, dass jeder für jeden am Platz in jeder Situation alles gibt.“ Zum Bayern-Jäger ruft Baumgartner die „Roten Bullen“ deswegen jedoch nicht aus: „Wenn wir unsere Leistung mit dem Vorteil, nur in einem Bewerb plus Pokal zu spielen, konstant bringen, sind wir sicher ein Anwärter auf den zweiten oder dritten Platz. Das große Ziel muss einfach sein, sich wieder für die Champions League zu qualifizieren.“