Hörte man nach dem 0:2 in Serbien auf die Stimmen der österreichischen Protagonisten, durfte man den Eindruck haben, ein anderes Spiel gesehen zu haben. Vor allem Österreichs Teamchef Ralf Rangnick war fast nicht wiederzuerkennen. Ausgerechnet der Deutsche, der dem Land Siegermentalität einimpfen wollte, immer von ganz großen Dingen träumte, an die man glauben müsse, flüchtete sich nach Schlusspfiff wiederholt in in Österreich nur allzu bekannte Ausreden. „Wir haben das Spiel über 56 Minuten im Stile einer Heimmannschaft gespielt. Wir hatten gefühlt 80 Prozent Ballbesitz und hatten zwei Großchancen. Romano Schmid muss das Tor machen. Konrad Laimer war fünf Zentimeter Abseits“, sagte der 66-Jährige und legte noch einen drauf. „Das Ergebnis ist nach dem Spielverlauf absurd und fühlt sich auch so an. So ein Tor darfst du einfach nicht kriegen.“
Der Kommentar zum Spiel
Dürfen vielleicht nicht, aber man hat es bekommen. Ein Rückpass von Nicolas Seiwald sprang Alexander Schlager über den Fuß, ging von dort auf die Stange und den Abstauber versenkte Nemanja Maksimovic eiskalt. Den Fehler sah Rangnick schon im „ersten Anspiel auf Nici. Den hätte Alex besser nicht gespielt. Genau für solche langen Bälle haben wir kopfballstarke Spieler auf dem Feld. Dann wäre es gar nicht zu dieser Situation gekommen.“
Schlager, der ansonsten einige gute Aktionen hatte, bat um Entschuldigung. „Es tut mir leid. Wenn wir das spielerisch lösen, sagt jeder ,wow‘. So ist es in die Hose gegangen“, analysierte der Salzburg-Torhüter, der dann das ergänzte, was viele ebenso sagten. „Wir werden den Weg weitergehen mit der Art und Weise von Fußball.“ Denn auch Florian Grilltisch sah Österreich „über beide Spiele als ganz klar bessere Mannschaft. Im Großen und Ganzen war mehr gut als schlecht. Was wir uns ankreiden müssen, dass wir zu wenig Tore geschossen haben.“ Einen Weckruf will der Legionär von Real Valladolid nach den zuletzt häufig auftretenden Entscheidungspartien, in denen man nichts Zählbares herausholen konnte, nicht sehen. „Grundlegend waren die Partien gut. Im letzten Drittel müssen wir zwingender und effizienter werden. Dann geht das in die richtige Richtung.“
Die Sache mit der Effizienz nahm Marko Arnautovic auch auf seine Kappe. „Ich habe da eine große Schuld daran, dass wir nicht in Liga A aufgestiegen sind. In Wien hätte ich die Tore machen müssen. Aber manchmal gehen alle Bälle rein, manchmal keiner. Diese zwei Spiele haben perfekt gezeigt, dass der Ball nicht reinwollte“, sagte der 35-Jährige Legionär von Inter Mailand. Angesprochen auf die Tatsache, dass Österreich in Entscheidungsspielen nicht abliefert, winkte Österreichs Rekordteamspieler ab. „Wir haben eine sehr gute Mannschaft und haben das schon bei der Euro bewiesen. Ich weiß, dass wir eine große Zukunft haben.“
Eine große Zukunft sieht Rangnick auch, wenn die personelle Situation entspannter ist. „Uns haben neun potenzielle Startelfspieler gefehlt.“ Gegen die Weltranglisten-Nummer 32 Serbien, das ebenso Stammspieler vorgeben musste, reichte die Qualität nicht. Zum Glück warten in der WM-Qualifikation mit Rumänien (38), Bosnien (74), Zypern (130) und San Marino (210) auf dem Papier einfachere Nationen, gegen die es dann hoffentlich keine Ausreden mehr geben darf.