Kapfenberg erlebte vergangene Saison gewissermaßen eine Fußball-Renaissance. Der Einstieg eines Investors samt Installierung eines neuen Geschäftsführers und eines neuen Trainers erwies sich als goldrichtig. Die „Falken“ beendeten die Saison auf Rang drei - und schnupperten Morgenluft. Denn dass der (intern unumstrittene und alternativlose) Weg des Setzens auf die eigene Jugend samt attraktiver, aber riskanter Spielweise so schnell Erfolg haben würde, damit war nicht zu rechnen. „Wir haben selbst gesagt, dass wir eine sorgenfreie Saison spielen wollen. Oben mitzuspielen, das wäre für nächste Saison angedacht gewesen. Und mit ein bisschen Glück hätten wir schon diese Saison ganz vorne mitspielen können. Vorhersehbar war das sicher nicht“, sagt KSV-Geschäftsführer Robert Schäfer.
Rein sportlich ist die Bilanz also trotz einer Schwächephase („Da hatten wir zwölf kranke Spieler zugleich, die wochenlang mit der Genesung gekämpft haben“) mehr als zufriedenstellend ausgefallen. Mitverantwortlich dafür war zweifellos, dass man just in der schwierigen Phase mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Trainer Ismael Atalan ein Zeichen setzte. „Man sollte nicht vergessen, dass er einige Aufträge hatte. Junge Spieler zu entwickeln, noch jüngere einzusetzen und der Mannschaft einen Charakter zu geben. Einen Spielstil, den wir auch noch adaptiert haben, als sich die Gegner darauf eingestellt haben.“ Die Mannschaft nahm den Input an - und Kapfenberg fand nicht nur aus dem Zwischentief, sondern tatsächlich zurück auf den Weg, der den „KSV 1919“ auszeichnet.
Mitverantwortlich, sagt Schäfer: „Ich habe wirklich im Fußball noch nie eine Truppe mit einem derartigen Zusammenhalt gesehen. Dazu haben wir ein Trainerteam, das es schafft, jedem zu zeigen, hier sein Potenzial entwickeln zu können.“ Sprich: Das Team wächst zusammen, die Akademie-Spieler sehen hier die Chance auf tatsächliche Einsätze und Spielminuten. Auch wenn eine logische Folge des eigenen Erfolgs ein gestiegenes Interesse an den Spielern ist. „Wir haben den besten Scorer, den besten Vorlagengeber, den torgefährlichsten Verteidiger. Wir sehen auch, dass das Interesse aus dem Ausland an uns steigt. Von Belgien bis Italien“, sagt Schäfer. Und hofft doch darauf, dass sich der eine oder andere zum Verbleib entschließt. Warum? „Weil ich das Gefühl habe, dass sie sehen, dass sie in ihrer Entwicklung noch nicht fertig sind.“ Und ein „großer“ Transfer könnte die Lust, nach Kapfenberg zu kommen, sogar steigern. „Aber die Akademie ist voll, so groß ist aktuell der Andrang.“ Der Sogeffekt („Aktuell haben wir 14 Spieler aus der eigenen Akademie, das ist wohl einzigartig in Europa“) hält an.
Einer aber, U21-Teamspieler David Haindl, wird kaum zu halten sein. Doch könnte sich rund um ihn ein besonderer Schachzug entspinnen, eine Kooperation mit einem Großklub entstehen. So oder so: Das langfristige Ziel soll nicht aus den Augen verloren werden. Und das heißt: Aufstieg in die Bundesliga. „Wir sind hier im Mürztal das einzig verbliebene Profiteam, das das schaffen kann“, sagte der Geschäftsführer. Und kommt damit auf die Seite der Saison, die noch bessere Entwicklung vertragen hätte können. Der Rückhalt in der Region. „Der Plan ist und war ja schon, dass sich der Fußball hier einmal selbst trägt. Aber dafür und auch für die Bundesliga muss aus der Region jetzt etwas kommen.“
Hoffen auf Resonanz aus der Region
Was kommen muss? „Man muss sich hier bekennen. Wir führen viele Gespräche, zunächst war da Skepsis, jetzt am Ende der Saison ist man positiv überrascht. Und langsam erkennen die Unternehmen, dass wir auch was bieten, nicht nur auf dem Fußballplatz.“ Was Schäfer meint? Seinen Zugang, den Fußball zu digitalisieren. Die „Falken“ haben es mit ihrer Social-Media-Reichweite auf Rang acht der österreichischen Fußball-Klubs geschafft, „da können wir auch etwas bieten, die Reichweite ist da. Und die Region hat genug Unternehmen mit 1000, ja 4000 Mitarbeiterinnen, denen man auch was Gutes tun kann, indem man zusammenarbeitet.“ Bisher sei die Resonanz verhalten gewesen, aber „jetzt käme der Zeitpunkt, um sich zu engagieren. Die Unternehmen müssen nur verstehen, dass sie ihr Investment hier monetarisieren können.“
Ein weiterer Punkt ist in der Steiermark kein unbekannter: Die Infrastruktur. Auch das Stadion in Kapfenberg kam in die Jahre, braucht Adaptierungen. „Die Schwimm- und Eishalle wurde renoviert, jetzt sind an sich wir dran“, sagt Schäfer und stellt klar: „Wir reden hier von einer ganz anderen Dimension als woanders. Nur für den Fußball gäbe es einen Bedarf von drei, vielleicht vier Millionen Euro, mit allen anderen Änderungen - das Stadion hier ist ja ein wahrer Treffpunkt - käme man auf vielleicht sieben, acht Millionen.“
Die 2. Liga ist besser als ihr Ruf
Bleibt die in Österreich oftmals ungeliebte 2. Liga, von manchen schon zum Friedhof gemacht. „Aber rein fußballerisch ist die Qualität wieder gestiegen, auch wenn man die Liga international nicht so am Schirm hat. Vielleicht können auch wir da mit unserem Netzwerk helfen“, sagt Schäfer und erklärt: „Sie ist eine Plattform, um sich zu präsentieren. Woran es fehlt, ist die Außendarstellung.“ Daran, diese zu verbessern, arbeitet man auch in Kapfenberg. In der abgelaufenen Saison erfolgreich.