Lange hat Tim Oermann Geduld beweisen müssen, bevor er in seinem 72. Profispiel und in seinem fünften für den SK Sturm über sein erstes Tor jubeln durfte. „Ich bin jetzt nicht der geborene Torschütze, aber auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“, sagte der Abwehrspieler, der eigentlich in der Zentrale zuhause ist. Im Champions-League-Play-off-Rückspiel gegen Bodö/Glimt wurde der Deutsche aber anstelle des verletzten Arjan Malic, der nach dem Spiel mit dick einbandagiertem Knie Richtung Teambus gehumpelt ist („Ich weiß noch nicht, was es ist“), als Rechtsverteidiger eingewechselt. Nur etwa zehn Minuten später erzielte Oermann dank eines abgefälschten Schusses den Siegtreffer zum 2:1, der in der Gesamtaddition (2:6) jedoch rein kosmetischer Natur war. „Wir sind glücklich über den Sieg und die Reaktion, die wir gezeigt haben, im Endeffekt überwiegt aber schon die Enttäuschung, dass wir es nicht geschafft haben auf zwei Spiele gesehen“, sagte der Leihspieler von Bayer Leverkusen.

Der 21-Jährige zeigte nach seiner Einwechslung, dass er auch auf der rechten Abwehrseite eine Alternative ist, diese Position hat er auch bereits bei seinem Heimatklub Bochum und in Deutschlands U21-Team in einigen Partien bekleidet. Gut möglich, dass Oermann nach dem Abgang von Max Johnston zu Derby County und der ausstehenden Diagnose Malics in näherer Zukunft öfters als Rechtsverteidiger zu sehen ist. In der Champions League wird das jedoch nicht der Fall sein – trotz des versöhnlichen Sieges im Rückspiel: „Es ging nicht darum, dass wir irgendwem irgendwas zeigen müssen, sondern darum, dass wir es uns selbst beweisen, dass wir uns nicht abschlachten lassen wollen“, sagte Oermann. „Deshalb kann man auch trotzdem etwas Positives aus diesen Begegnungen mitnehmen. Die Enttäuschung bei den Fans ist natürlich groß, sie hatten auch den Traum, noch einmal Champions League zu erleben.“

Tim Oermann: „Sturm ist familiär und ambitioniert – das passt zu mir“

So geht es für die Grazer nun aber nicht in der Königsklasse in Klagenfurt sondern in der Europa League in Graz weiter. Am Freitag erfahren die Blackys ihre Gegner für die Ligaphase. „Mit ein paar Tagen Abstand steigt auf jeden Fall auch die Vorfreude auf die Europa League. Es geht darum, immer einmal wieder Nadelstiche zu setzen und zu zeigen, dass wir auch auf internationalem Boden bestehen können.“ Spätestens mit seinem Treffer ist Oermann, den Mitte August kurzzeitig eine Prellung außer Gefecht gesetzt hatte, endgültig in Graz angekommen. „Ich fühle mich sehr wohl hier“, sagte der Bochumer. „Ich bin ja ein Junge aus dem Ruhrpott, da ist es jetzt nicht ganz so schön, auch wenn ich es extrem mag, dort zu wohnen. Graz ist eine sehr schöne Stadt, im Verein ist es auch sehr familiär aber trotzdem sehr ambitioniert – das passt zu mir. Ich wurde sehr gut aufgenommen und kann mich auch mit dem Fußball sehr gut identifizieren.“

Diese Art von Fußball wollen die Schwarz-Weißen nach der Rehabilitation gegen Glimt auch am Samstag zeigen, wenn das erste Saison-Derby gegen den GAK ansteht. „Ich kenne die Duelle im Pott, aber ein Stadtderby ist auch noch mal ein bisschen spezieller. Ich bin sehr gespannt auf die Stimmung“, sagte Oermann, der lachend meinte: „Man bekommt mit, dass die beiden Vereine nicht die besten Freunde sind. Wir haben auch von den Fans noch einen Push bekommen, das hat uns gezeigt, wie wichtig ihnen das Spiel ist.“