Sky-Experte Andreas Herzog konnte es fast nicht glauben, als er vor den Sturm-Anhängern analysierte, diese aber nicht und nicht aufhörten, ihre Mannschaft zu feiern: „Ich meine, ja, Sturm hat gewonnen, aber sie sind doch ausgeschieden und nicht in der Champions League, oder?“, fragte er. Klar – Sturm muss mit der Europa League vorliebnehmen, das war nach dem 0:5 im Hinspiel in Norwegen aber nicht sonderlich überraschend. Und: Mit dem 2:1-Sieg schafften es die Grazer, sich mit Anstand von der größten Bühne zu verabschieden. „Wir haben den Sieg vielleicht ein bisschen mehr gewollt als Bodö, deshalb war das 2:1 auch verdient“, analysierte Sturm-Trainer Jürgen Säumel danach und ergänzte: „Aber ebenso verdient ist Bodö aufgestiegen.“

ABD0130_20250826 - KLAGENFURT - ÖSTERREICH: Trainer Jürgen Säumel (Sturm Graz) während der Champions League Begegnung/Play-Off/Rückspiel zwischen SK Sturm Graz und FK Bodö Glimt am Dienstag, 26. August 2025, im Wörthersee Stadion in Klagenfurt. - FOTO: APA/ERWIN SCHERIAU
Sturm-Trainer Jürgen Säumel © APA/Erwin Scheriau

Kurzfassung: Auch wenn er und seine Mannschaft natürlich „enttäuscht“ darüber seien, dass es nichts mit der Meisterliga geworden ist, sei klar: „Diese zwei Spiele gegen Bodö haben uns gezeigt, dass wir in der Europa League ganz gut aufgehoben sind.“ Wie wahr. Zumal unklar ist, welche Spieler Sturm nach Max Johnston, der in Klagenfurt schon nicht mehr im Kader war, den Verein noch verlassen werden. „Ich habe mich zu hundert Prozent auf das Rückspiel fokussiert, mich damit nicht beschäftigt. Meine Aufgabe ist es, junge Spieler zu entwickeln. Ob noch wer kommt, das ist Aufgabe der sportlichen Leitung – darauf habe ich keinen Einfluss.“ Und Säumel umschiffte auch zweimal elegant die Frage, ob er denn schon wisse, was noch folge: „Ich weiß aus meiner eigenen Zeit, aus meiner Zeit aus Italien, dass sich in den letzten Tagen des Transferfensters noch einmal wirklich viel tun kann.“ Und dann offenbarte Säumel auch, warum die Fans ihr Team so lange vor der Tribüne anfeuerten. „Es ging da schon ums Derby am Samstag. Darauf haben uns die Fans eingeschworen. Und wir wissen, wie wichtig dieses Spiel gegen den Stadtrivalen für uns, für den ganzen Verein, die Fans und die Stadt ist.“

Was Säumel wohl selbst noch nicht weiß, ist, welches Gesicht seine Mannschaft haben wird. Seine Wechsel gegen Ende könnten aber schon ein Fingerzeig sein. „Es war ein guter Moment und Zeitpunkt, um den Spielern ein Zeichen zu geben. Vor allem denen, die im Training auch immer zeigen, dass sie spielen wollen. Natürlich hätte es sich ‚Hierli‘ (Stefan Hierländer, Anm.) auch verdient, weil er immer und jeden Tag alles gibt. Aber der Weg von Sturm, das ist die Entwicklung. Und heute war ein guter Moment dafür, die Jungen zu bringen.“ Die enttäuschten Säumel diesmal auch nicht: „Man hat gesehen, dass sie hungrig sind, dass sie tatsächlich Perspektivspieler sind. Und es ist toll, mit ihnen zu arbeiten.“ Auf die Diskussion, ob es genug Österreicher gebe, die die Klasse für Sturm haben, wollte Säumel nur bedingt einsteigen: „Ich denke schon, dass wir gerade bei Sturm gute Arbeit leisten. Wir Trainer entwickeln die Spieler, führen sie an die Kampfmannschaft heran, der Rest liegt dann an ihnen.“ Und: Die Mannschaft, die am Ende am Platz stand, hat zumindest am Alter gemessen durchaus Perspektive.