Eine „Rooftop-Bar“ muss es schon sein, wenn „Sky“ zur Präsentation des neuen Fußball-Jahres ruft. Diesmal war es die Aurora-Bar am Dach des Hotel Andaz in Wien nahe des Hauptbahnhofs und mit nahezu atemberaubender Aussicht auf die Bundeshauptstadt, in der das „Startsignal“ in die neue Fußball-Saison, die hierzulande schon Freitag mit dem Schlager LASK gegen Sturm beginnt, gegeben wurde. Ein Jahr, in dem der Pay-TV-Sender abermals alle 195 Spiele der heimischen Liga live übertragen wird. Eines, das aber auch mit dem Hauch der Ungewissheit behaftet ist. Denn: Nach wie vor ist die Zukunft ungeklärt. Stand jetzt treibt die Bundesliga ihr Projekt voran, die Bundesliga künftig selbst produzieren und eventuell mit einem eigenen Ligakanal auch selbst vermarkten zu wollen.
Aktuell aber ist nach wie vor Sky sozusagen Kapitän des TV-Schiffs. Davor mussten aber fast wie auf dem Feld einige Transfers vorgenommen werden: So wird der auf die Rapid-Trainerbank gewechselte Peter Stöger gewissermaßen durch Peter Pacult ersetzt, der auch in den Podcasts des Senders zum Gesprächspartner werden wird. International erhielt das Team, das die Europacupwoche wie gehabt begleitet, durch Jan-Åge Fjörtoft sozusagen Zuwachs mit Österreich-Bezug. Und nach der Erfolgs-Doku über den SK Sturm auf dem Weg zum ersten Titel wird in dieser Spielzeit der SK Rapid Gegenstand einer neuen Doku sein. In aller Kürze: Auch wenn sich die TV-Landschaft ändert und vor allem internationale neue Player auf dem Markt sind, bleibt für die kommende Saison Sky der Sender der österreichischen Bundesliga, die Europacup-Rechte für Österreich hat man – mit Ausnahme eines Mittwoch-Spiels und der Finalphase, die bei Canal+ liegen – noch für zwei Jahre.
Sky und der Wunsch, zu bleiben
Aber natürlich drehte sich auch auf dem Dach in Wien alles um die Frage der Zukunft. „Das Wichtigste aber ist: Wir haben ja noch ein Jahr die Rechte und wir haben noch zwei Jahre die Champions League, die Europa League und die Conference League“, beeilt sich Uwe König da anzumerken und schiebt nach: „Daher werden wir es so angehen wie wir es immer angehen: Professionell, leidenschaftlich und mit großer Freude.“ Man wolle aber, und das betont der Deutsche ebenso eindringlich, unbedingt auch weiterhin Partner der Liga bleiben.
Die – und natürlich die Ligavereine – mussten nach der abgelaufenen Ausschreibung aber die bittere Pille schlucken, dass der lange Zeit für selbstverständlich angesehene Höhenflug der TV-Einnahmen ein Ende erreicht hat. Der langjährige Partner Sky war der einzige Sender, der ein ernstzunehmendes Angebot abgab, die erhoffte Konkurrenz, die den Preis treibt, blieb in Österreich aus. DAZN bot gar nicht, Canal+ dem Vernehmen nach kein wirklich ernstzunehmendes Angebot. Die Liga entschied daraufhin, künftig selbst als Produzent aufzutreten und die Spiele auch auf einem eigenen Kanal anbieten zu wollen.
Ein Plan, der sich wohl nur schwer umsetzen lässt, denn die Strukturen dafür in nur einem Jahr zu schaffen, wird nicht leicht. Und: Stimmt das, was man hört, dann ist die heimische Liga weniger Abo-Bringer als etwa der Fußball-Europacup. Sprich: Die Liga müsste also rund 200.000 Abos zu einem Monatspreis von knapp 20 Euro an den Mann bringen, um auf jenen Betrag zu kommen, den es bisher von Sky gab. Und das könnte sich als (zu) große Hürde erweisen.
Aber Sky weist ein ums andere Mal darauf hin, die Partnerschaft unbedingt verlängern zu wollen. König: „Die Bundesliga ist unser Kern- und Alltagsgeschäft. Eines, das man behalten wollen würde. „195 Spiele sind ja schon extrem viel, alle in hoher Qualität, mit Vor- und Nachlauf, mit guten Kommentatoren, mit einem guten Expertenteam, das für Kompetenz und viel Infotainment steht“, macht König Werbung in eigener Sache.
RTL steht vor der Sky-Übernahme in Deutschland
Dabei stehen auch bei Sky Änderungen an, die deutsche Mutter wechselt, vorbehaltlich der Zustimmung des Kartellamts, den Besitzer: RTL kauft Sky. Ob und wie der Wechsel auch Folgen auf Österreich hat? „Das kann noch keiner sagen.“ Dementsprechend will sich König auch auf die Gegenwart konzentrieren. Eine Arbeit, an der er Gefallen fand: „Ich habe ja davor in Deutschland auch für Bayern oder Dortmund viel gemacht. Aber manchmal ist es spannender, in einer kleineren Liga zu arbeiten, weil man da noch mehr bewegen kann.“
Was er sich neben den Dingen und Formaten, die umgesetzt werden, noch wünschen würde? „Wenn es nach mir geht, würde ich noch viel mehr verkabeln. Die Time-Outs mitnehmen, wie im Handball. Aber der Fußball sperrt sich da, für mich aus unverständlichen Gründen“, sagt er, der mit der Zeit seine Liebe zur österreichischen Liga entdeckt hat: „Aber Herzensklub habe ich keinen. Zu Sturm habe ich mit der Doku eine Sympathie entwickelt, ich denke, dass mir Rapid und die anderen auch sympathisch sind.“ Seine Hoffnung: „Eine spannende Meisterschaft, so wie die im Vorjahr.“ Und eine Saison, die für alle so gut wird, dass das letzte Jahr für Sky doch nicht das letzte bleiben wird.