Irgendwie erinnert die Geschichte an Michael Raffl. Nach zwei Partien im Farmteam wurde der Villacher von den Philadelphia Flyers aus Adirondack Phantoms (AHL) abgezogen und aufgrund von Verletzungen in die höchste Spielklasse beordert. Zuvor hatte der Stürmer in zwei Partien dort drei Scorerpunkte erzielt. Ebenfalls nach zwei AHL-Spielen erhielt in dieser Saison auch Marco Kasper den sehnsüchtig erwarteten Anruf. „Eigentlich hätten wir an besagtem Tag ein Match gehabt, hatte mich auch darauf vorbereitet. Nach dem Frühstück meldete sich der Trainer, ich möge mich bitte bei Steve Yzerman (General Manager der Detroit Red Wings, Anm.) melden“, erzählt der 20-jährige Stürmer.

Kasper solle sofort nach Detroit kommen und bei den nächsten zwei Auswärtspartien in Nashville und bei den New York Islanders dabei sein. Die Argumentationsgrundlage lieferte der Klagenfurter, ähnlich wie Raffl damals, schon zuvor. Eine makellose Vorbereitung (Yzerman sprach bereits im Spätsommer hinsichtlich Kasper von einem NHL-Spieler) samt starker Auftritte in den Preseason-Spielen der Red Wings.

Drei Stunden nach dem Gespräch stand Kasper bereits in Detroit auf dem Eis. „Es war richtig cool. Wir sind unmittelbar danach nach Nashville geflogen, und siegten am Abend.“ Gleich in diesem ersten Spiel gelang dem Center ein Scorerpunkt. Standesgemäß musste der Einstand in Form einer Rookie-Party gefeiert werden. Die insgesamt drei NHL-Neulinge mussten für das ganze Team das Abendessen berappen – und kredenzt wurde natürlich nur das Feinste vom Feinen. „Später erfolgte noch ein Karaoke-Auftritt“, erzählt Kasper schmunzelnd. „Es war teuer, aber schon ein Erlebnis. Da muss man durch, so etwas gehört dazu.“

Dabei blieb es nicht. Es folgten weitere Partien gegen New Jersey Devils, Buffalo Sabres, Edmonton Oilers und zuletzt Winnipeg Jets. Mit über 15 Minuten Eiszeit im Schnitt. Aus Kasper spricht der Respekt: „Man spielt gegen Jack Hughes oder Connor McDavid – das ist etwas Besonderes. Gleichzeitig darf ich mit einem Patrick Kane in einer Linie spielen. Als Kind wächst man mit ihnen auf, sieht diese Namen in den Scorerlisten und dann ist man zusammen in einer Mannschaft. Das ist richtig cool.“ Hinsichtlich Spielweise ortet er einen großen Unterschied zur AHL: „Dort sind die Verteidiger größer. In der NHL besitzen die Spieler natürlich mehr Qualität. Einige bekommen Geld bezahlt, nur um Bullys zu gewinnen.“

Und auch Kasper fühlt sich im Gegensatz zu den ersten NHL-Auftritten im Vorjahr angekommen, orientiert sich besser, wirkt sicherer am Puck und selbstbewusster in Zweikämpfen. „Ich trau mich mehr, versuche mich immer richtig zu positionieren“, so der Stürmer. Viel Feedback von den Trainern zu seiner Performance gäbe es allerdings nicht. „Ich gebe mein Bestes im Training und in den Spielen. Und schaue, was der nächste Tag bringt.“ Das erinnert auch an Raffls Herangehensweise, der nie wieder AHL-Eis sah. Oder wie es der Villacher immer betont hatte: „Wenn niemand etwas sagt, wird‘s passen.“