Nicht alles war schlecht, bei weitem aber auch nicht das Meiste gut. So könnte man die Saison des EC VSV zusammenfassen. Unter Tray Tuomie startete die Truppe fantastisch, dann kam es im November zum endgültigen Bruch mit der Führungsriege. Bis heute ist Stillschweigen über die genauen Gründe des Rauswurfs vereinbart, Tuomie weilte noch bis Jänner in Villach.

Pierre Allard hat in seiner ersten Saison als Profi-Headcoach „sehr viel gelernt“, wie er nach dem Ausscheiden im Viertelfinale gegen Graz sagte. Wo er zuerst durchmusste, war ein tiefes Tal, von 3. Dezember (4:1 gegen Bozen) bis 17. Jänner (3:2 n. V. gegen Fehervar) standen elf Niederlagen vier Siegen gegenüber, Villach rutschte als anfängliches Top-Sechs-Team sogar aus den Pre-Play-off-Plätzen. Das man am Ende wohl erreichen und gegen Linz überstehen sollte – weil das taktische Konzept endlich fruchtete. Was als Pluspunkt in der Saisonbilanz steht.

Ein weiterer Pluspunkt sind fünf Drittel sowie eine angebrochene erste Verlängerung in Graz in Spiel eins, in denen der Grunddurchgangssieger voll gefordert wurde. Ehe die Adler zerfielen, Spiel zwei noch 1:5 verloren, in Graz trotz „nur“ 1:3 eigentlich chancenlos waren und sich beim 2:6 im letzten Spiel völlig aufgaben. Auch weil mit dem höchst bemühten Joel Teasdale und den Mentalitätsmonstern Nick Hutchison und Felix Maxa echte Stützen ausfielen.

Stützen, von denen es künftig mehr braucht, denn die Charakterfrage darf durchaus gestellt werden – vor allem auf Legionärsebene: Denn was im Grunddurchgang vor allem in den letzten Jahren gut klappte, war im Play-off zu selten steigerbar. Es hat Gründe, wieso der VSV seit dem Halbfinaleinzug 2016 unter Greg Holst lediglich eine Play-off-Serie gewann, als man 2022 Ljubljana mühsam in sieben Spielen rauskegelte, dann an mental wesentlich stärkeren Ungarn aus Fehervar scheiterte und seither viermal im Viertelfinale deutlich verlor.

Auch das wird in die Beurteilung der VSV-Führungsriege mit einfließen. „Denn das Ziel ist es schon, besser zu werden, ein Top-Sechs-Team“, sagt auch Allard. Dafür benötigt es eine umso klügere Kaderplanung, zumal das große Geld nicht in Villach, sondern anderswo auf der Ligalandkarte daheim ist. Auf dem Prüfstand stehen alle, allen voran die Legionäre. Die Verträge von Nikita Scherbak, Guus van Nes und Brett Budgell laufen im Sturm aus. Vor allem der körperlos agierende, wenn auch technisch hoch talentierte Scherbak wird intern und extern kritisch gesehen. Budgell könnte allein ob des Preis-Leistungs-Verhältnisses interessant bleiben. Und ob die Option auf ein weiteres Jahr von Adam Helewka wirklich wirksam wird, hängt auch am Spieler. Der zeigte zuletzt nicht die große Lust, Villach auch in heißen Phasen sein volles Können zu bieten.

Es bleiben wohl nur zwei Stammverteidiger übrig

Defensiv wird es auf eine Frischzellenkur hinauslaufen. Mark Katic wird die Karriere beenden, wohl in Zagreb sesshaft werden, Alex Wall (35) und Thomas Vallant (30) gehen wohl auch. Dylan MacPherson, ein 27-jähriger Rechtsschütze, ist bereit für eine höhere Aufgabe in Europa. Bleiben also nur Philipp Lindner und Steven Strong übrig. Youngster Nico Uschan (18) liebäugelt ebenso mit einem Auslandswechsel wie Sturm-Diamant Paul Sintschnig (17). Im Tor ist eine einjährige Weiterverpflichtung von Rene Swette als Cannata-Backup noch nicht vom Tisch.

Wie geht es kurzfristig weiter? Agentengespräche fanden bereits nach dem letzten Saisonspiel bis in die Nacht statt, das Team hat noch ein Abschlussevent in Obertauern und Exit-Gespräche vor sich. Da wird wohl auf beiden Seiten noch einiges laut ausgesprochen, was im laufenden Betrieb noch ruhte.