KAC gab SaisonausblickEin Pflicht-Termin zwischen Schmäh und Anspannung

Der KAC kämpft derzeit wie kein anderes ICE-Team mit Personalmangel. Die Auswirkungen sind noch nicht abschätzbar. Und dennoch hat sich an den eigenen Ansprüchen irgendwie nichts geändert.

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"Dago, wenn du mir hilfst, dann helfe ich auch dir", meinte KAC-Trainer Petri Matikainen zu seinem Routinier Thomas Koch grinsend. © (c) DerHandler/Wolfgang Handler
 

Die ersten Nebelschwaden wurden frühmorgens bereits in Klagenfurt gesichtet. Ein klares Indiz, dass die Eishockey-Saison vor der Türe steht. Und, wenn die traditionelle Pressekonferenz der Rotjacken im Gebäude der Kärntner Sparkasse abgehalten wird. Sie läutet die Phase des Saisonstarts so richtig ein. Die allgemeine Stimmung im großen Saal des dritten Stockes am Neuen Platz spiegelt auch das sportliche Abschneiden des KAC in der vorherigen Saison wider.

Sie wirkte wie 2019 gelöst und locker. Auch damals durfte Vorstandsdirektorin Gabriele Semmelrock-Werzer den Meister begrüßen. Ein starkes Band scheint zwischen den beiden Partnern zu bestehen. Seit nunmehr 50 Jahren sponsert die Bank den größten Klub des Landes. "Das zeugt von einer nachhaltigen Beziehung. Eishockey hat in Kärnten einen besonderen Stellenwert. Uns freut es sehr, den Sport unterstützen zu dürfen", sagte Semmelrock-Werzer. Und auch weiterhin bleibe die Kärntner Sparkasse bei den Rotjacken an Bord.

Der KAC genoss es so richtig, auf die Erfolge der letzten Saison zurückzublicken. "4,9 Legionäre pro Spiel wurden eingesetzt. Und Stichwort Konstanz: Es trat nie der Fall ein, dass wir zwei Spiele in Folge keinen Punkt geholt hatten", las Rotjacken-Sprecher Hannes Biedermann vor, als er das Wort an Trainer Petri Matikainen übergab: "Ah, also werde ich gleich unter Druck gesetzt", sagte der Finne schmunzelnd, der mit 179 Spielen bereits Rang vier in der Bestenliste der längstdienenden KAC-Trainer einnimmt (nach Herbert Pöck, Manny Viveiros und Lars Bergström).

"Zerrissene Vorbereitung"

Drei Saisonen, zwei Titel und keine verlorene Play-off-Serie lautet Matikainens stolze Bilanz. Unterschiedlich stuft er nicht nur die Charakteristik der beiden Meistersaison ein, sondern auch die bevorstehende. Mehr Spieler (insgesamt acht) als jede andere Mannschaft der Liga musste der KAC in die Nationalteams abstellen. "Es ist eine zerrissene Vorbereitung", attestiert Center Thomas Koch. Allerdings werde es Geduld brauchen, so der Klagenfurter. Matikainen ergänzt: "Unser Team ist noch immer gut. Auf uns wartet eine große Herausforderung. Alle jagen uns. Wir werden nicht alles gewinnen können, wir starten bei Null."

Derzeit können die Rotjacken weder taktische Details noch Spielzüge für Powerplay und Unterzahl einstudieren. Koch: "Und wenn die Teamspieler zurückkommen, werden auch sie etwas müde sein. Wir müssen eben langsam wachsen. Aber wir haben gelernt, wie wir durch solche Schlachten durchkommen." Matikainen wird nichts anderes übrig bleiben, als während der laufenden Meisterschaft am System zu feilen. "Dago, wenn du mir hilfst, dann helfe ich auch dir", meinte der KAC-Trainer zu seinem Routinier grinsend.

Etwas schmallippiger zeigte sich lediglich General Manager Oliver Pilloni darauf angesprochen, wie der Klub eine Zusammenarbeit mit Matikainen nach Vertragsende 2022 sieht. "Wir versuchen immer langfristig zu denken. Und diesbezüglich ist er sicher ein Thema." Der Finne bezog hingegen klar Stellung: "Manchmal ist die gemeinsame Straße eben zu Ende. Vielleicht nach diesem Jahr oder vielleicht später." Die Haltung Matikainens ist nicht überraschend. Sollte der Herbst unrund verlaufen, würde sich der Druck bis Weihnachten erhöhen - auch für einen amtierenden Meistertrainer.

Sorgenkind: Goalie-Position

Fakt ist hingegen: Überraschungen im Kader sollten ausbleiben. Zum ersten Mal seit 1986 hat der KAC im Sommer keinen neuen Spieler für die Kampfmannschaft geholt. Ein Nachrüsten in der Defensive wird zwar derzeit dementiert. Doch das kann und dürfte sich schnell ändern. Das größte Sorgenkind bildet bei Matikainen aktuell aber die Torhüter-Position. Dieses Wochenende entscheidet sich, ob Dänemark zu Olympia fährt. In diesem Fall, und Österreich wäre nicht qualifiziert, würde die Liga nicht pausieren, KAC-Keeper Sebastian Dahm rund drei Wochen fehlen.

Zwar sind Jakob Holzer und Florian Vorauer als Ersatz geplant. Doch ob diese die Verantwortung in der heißen Phase schultern auch können? Matikainen: "Sie bekommen heuer die Chance ihres Lebens. Sie müssen in das Profi-Geschäft hineinwachsen. Wir brauchen sie." Und 80 bis 90 Prozent der Spiele sei Dahm als Torhüter vorgesehen. Insofern sollte bei einer Olympia-Qualifikation Dänemarks Fall dieses Faktum ehest auf den Tisch kommen.

Vorerst aus dem Kader gestrichen wurden nach vergangenem Test-Wochenende in der Slowakei: Marcel Witting, Maximilian Preiml, Lorenz Lindner, Fabian Hochegger, David Maier und Niklas Würschl, die sich allesamt im KAC-Farmteam beweisen müssen. "Ich erwarte mir von den Jungen mehr Feuer in den Augen", ließ der Rotjacken-Coach wissen. Einzig Jung-Verteidiger Christoph Tialler blieb in der "Ersten", die im Donnerstag-Training mit insgesamt 13 Spielern auskommen musste (inklusive Goalies).

Übrigens: Meisterfeier des KAC wird es keine mehr geben. "Die Saison ist vorbei, das ist Geschichte", so Matikainen. Derzeit gibt es bezüglich Hallenkapazität keine Einschränkungen. Für den Zutritt bei den Champions Hockey League-Spielen kommende Woche gilt die 3G-Regel.

Nach dem offiziellen Teil des Termins entspannte sich die Stimmung schnell wieder. Matikainen und Koch blickten hinunter auf den Neuen Platz. Wo sie vor beinahe vier Monaten unter dem Lindwurm in einer Nach- und Nebelaktion, praktisch alleine den Meisterpokal gestemmt hatten. Ob ihnen das im Frühling 2022 neuerlich gelingt?

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