Das Schweizer Eishockey gilt weiterhin en vogue. Wer etwas auf sich hält, versucht im Laufe seiner Karriere ein paar harte Fränkli einzustreifen. Vor allem in puncto Lebensqualität schwärmen europäische Spitzenkräfte von Destinationen wie Genf, Lausanne, Bern, Lugano oder Zürich. Und wer es zudem steuerschonend mag, findet etwa mit Zug eine Oase. Wer im Eishockey etwas auf sich hält, kommt an der Schweiz nicht vorbei. Und das Eishockey selbst hat im Laufe der vergangenen 20 Jahre ohnehin eine eigene, wohl einzigartige Erfolgsgeschichte hingelegt. Mit Millionen an TV-Einnahmen für die Klubs, nagelneuen, vielfach ausverkauften Arenen, hochqualitativen Imports (meist Ex-NHL-Cracks) sowie großer Identifikation der Bevölkerung aufgrund von hauptsächlich heimischen Akteuren. Und nicht zu vergessen die jüngste Silbermedaille bei der WM in Prag 2024, die insgesamt dritte seit 2013.

Der KAC kommt in dieser Champions Hockey League-Spielzeit in den Genuss, gleich drei eidgenössischen Klubs zu begegnen. Und auf die Fans könnte damit ein spektakuläres Eishockey warten. Genève-Servette (9. Oktober), ZSC Lions (16. Oktober) und zum Auftakt Fribourg-Gottéron. Die Drachen gelten in der Schweiz wohl zu den großen Aufsteigern der letzten Jahre. Mit dem zweiten Platz nach dem Grunddurchgang sicherten sie sich das Ticket für Europa, im Semifinale setzte sich der Villacher Michael Raffl mit Lausanne allerdings durch. Der sportliche Erfolg bescherte Fribourg-Gottéron einen Besucherrekord, jedes der 33 Heimspiele der BCF-Arena (eröffnet 2020, 9075 Zuschauer, WM-Spielort 2026) war ausverkauft. So wurde ein Rekordumsatz von 22,6 Millionen Franken generiert (24,2 Mio. Euro), bei einem Gewinn von 1,1 Millionen Franken. Die Gastronomie bescherte 9,5 Millionen Franken Umsatz und 1,7 Millionen Franken Gewinn. So konnten etwa die Kosten für den Nachwuchs sowie ein Covid-Darlehen vollständig und vorzeitig zurückbezahlt werden. Summen, von denen man in Österreich nur träumen darf.

Trainer für 2025 steht bereits fest

Doch weil der Traum vom Meistertitel abermals unter Trainer und Eishockey-Ikone Christian Dubé geplatzt war, musste der gebürtige Kanadier seinen Platz räumen. Co Patrick Emond hat im Mai übernommen. „Die Erwartungshaltung ist enorm“, erzählt Tagesanzeiger-Reporter Simon Graf. Ein Witz kursiere. „Worin liegt der Unterschied zwischen einem Fribourg-Spieler und einem Schreiner? Ein Schreiner kann Meister werden“, erzählt Graf schmunzelnd. Seit dem Gründungsjahr 1937 jagt man vergebens diesem Traum nach. Emond ist jedoch nur eine Übergangslösung. Es steht bereits fest, dass ab 2025/26 der Schwede Roger Rönnberg (derzeit Frölunda/SHL) den Trainerposten übernimmt. In der Schweiz ticken die Uhren bei Personalentscheidungen eben anders, es wird Professionalität gelebt. „Sie werden ihre Taktik nicht geändert haben“, meint Ex-Schweizer und KAC-Stürmer Raphael Herburger, der konstatiert, dass die Drachen über hohe technische Fähigkeiten verfügen und ein kompaktes, defensives Eishockey zeigen werden. „Sie sind überall zu fünft auf dem Eis, es ist schwer durchzukommen. Und haben offensiv brandgefährliche Stürmer.“

Etwa mit dem Schweden-Duo Marcus Sörensen/Lucas Wallmark, die zusammen insgesamt 130 Scorerpunkte gesammelt hatten. Dazu gesellt sich Torjäger Chris DiDomenico. Herburger: „Sie haben bekannte Schweizer Spieler in ihren Reihen wie Goalie-Star Reto Berra, Raphael Diaz oder Urgestein Julien Sprunger. Dazu richtig gute, aber eher unbekanntere Gesichter wie Yannick Rathgeb, Killian Mottet oder Nati-Stürmer Christoph Bertschy.“ Im Gegensatz zu anderen Schweizer Destinationen setzt Fribourg auf Routine und Erfahrung (Altersschnitt: 27,93 Jahre). Auf den KAC wartet in jedem Fall eine harte Nuss. Das Rotjacken-Rezept, die ohne Jan Muršak auskommen müssen (Johannes Bischofberger fraglich)? „Wir müssen uns von der Strafbank fernhalten, müssen schnell und geradlinig spielen, sie von unserem Tor fernhalten“, stellt Herburger fest. Und natürlich gilt es gleichzeitig, sich von der individuellen Eleganz, von eidgenössischen Attraktionen nicht zu sehr ablenken zu lassen.