Um eine Mannschaft richtig einzuschwören, braucht es auch andere, nicht sportliche Methoden. Jene, die abseits des Eises für eine gewisse Lockerheit sorgen. So begingen die Österreicher und auch die Kanadier, die heute in der ausverkauften Wiener Arena ihre Schläger kreuzen werden, jeweils einen Teamabend in der Bundeshauptstadt Österreichs Mannen trafen sich gemütlich im Schweizerhaus, die Herren von jenseits des großen Teichs trieben es ein wenig bunter und checkten - wie schon im Vorjahr - im Club „Volksgarten“ ein.

Für Kanada, mit 15 NHL-Spielern und einigen jungen Cracks, die sich aktuell in Europa ihre Sporen verdienen, als Sparringspartner für die Stars, startet unmittelbar vor der WM in Stockholm erst mit der Vorbereitung, während jene Österreichs heute in Wien endet. Die Kanadier reisen von der Bundeshauptstadt noch weiter nach Budapest, wo A-Gruppen-Aufsteiger Ungarn wartet. „Für uns wird das jedenfalls ein echt besonderes Spiel. Ich bin eine komplett ausverkaufte Halle aus Linz zwar gewöhnt“, sagt Team-Rückkehrer Brian Lebler lachend, „aber es ist schon ganz speziell, wenn einen die Leute hier anfeuern und zur WM verabschieden. Und das bei so einem Gegner, wo wir uns auf viel Tempo einstellen müssen. Das sind Tests, die wir vor einer WM brauchen.“

Der Linzer Torjäger hängte sein Teamdress eigentlich vor drei Jahren an den Nagel, jetzt ist der in Klagenfurt geborene Österreicher, der auch einen kanadischen Pass hat, wieder da. „Ich wurde im Zuge eines Ligaspiels von Roger Bader gefragt und auch einige Jungs, wie etwa Dominic Zwerger, haben mich angesprochen, ob ich nicht wiederkommen möchte. Und dann kannst du halt echt schwer Nein sagen“, sagt Lebler zwinkernd. In der Vorbereitung fühlte er sich auch an der Seite von Schweiz-Legionär Zwerger pudelwohl, „wenngleich echt noch Luft nach oben ist. Wir hatten so viele Ups und Downs. Mal spielen wir über mehrere Minuten richtig gut, dann machen wir wieder blöde Fehler. Das gehört alles dazu, aber das müssen wir jetzt auch rasch abstellen“, weiß der Routinier, der mit 36 Jahren in seine fünfte A-WM geht.

SALZBURG,AUSTRIA,12.APR.25 - ICE HOCKEY - ICE Hockey League, EC Red Bull Salzburg, championship celebration. Image shows Atte Tolvanen (EC RBS) with the MVP trophy.
Photo: GEPA pictures/ David Geieregger
Tolvanen führte Salzburg zum Titel und jetzt Österreich zur WM © GEPA pictures

Seine erste wiederum ist es für den gebürtigen Finnen und Neo-Österreicher Atte Tolvanen. „Wahnsinn, echt ein schönes Gefühl“, so der Salzburger Meisterkeeper. „Wir haben schon richtig viel Spaß in der Truppe, ich wurde super aufgenommen und sehe echt viel Qualität“, so Tolvanen weiter. Heute wird die neue Nummer eins des ÖEHV sein zweites Länderspiel bestreiten, „auf das ich mich echt freue, zumal so ein starker Gegner kommt und die Halle voll sein wird.“ Tolvanen wird im Laufe der WM sogar Papa werden und wohl zur Geburt kurz von Stockholm nach Helsinki abreisen.

Wer springt noch auf den Zug nach Schweden auf?

Wer überhaupt nach Stockholm mitkommt, ist noch nicht geklärt. Aktuell sind 15 Stürmer und zehn Verteidiger dabei, drei Feldspieler müssen noch gestrichen werden. In Frage kommen dafür die Stürmer Niki Kraus, Nico Feldner, Leon Wallner und die Verteidiger Luis Lindner und Patrick Söllinger. Alle fünf spielen heute nicht, zwei des Quintetts dürfen mit. Am wahrscheinlichsten gilt, dass zwei Offensiv- und ein Defensivspieler gestrichen werden. Aber: Heuer dürfen erstmals bei Verletzungen zwei Spieler während des Turniers nachgenannt werden, „auf Abruf“ werden also auch die Gestrichenen bleiben.