ÖVP-ErmittlungenChefredakteure kritisieren mutmaßliche Gegengeschäfte

Der Verein der Chefredakteure übt heftige Kritik an den möglichen Vorgängen rund um Anzeigen-Gegengeschäfte und gekaufte, manipulierte Meinungsumfragen.

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Der Verein der Chefredakteure reagiert auf die Ermittlungen gegen die ÖVP.
Der Verein der Chefredakteure reagiert auf die Ermittlungen gegen die ÖVP. © GEORG HOCHMUTH
 

Die von der Wirtschafts- und Korruptionsanwaltschaft (WKStA) erhobenen Vorwürfe gegen Kanzler Sebastian Kurz, Teilen seines engsten Umfelds und der Mediengruppe Österreich rufen nun auch eine Reaktion der österreichischen Chefredakteurinnen und Chefredakteure hervor. Sie üben scharfe Kritik an dem von der WKStA beschriebenen mutmaßlichen System von gekauften Meinungsumfragen und Gegengeschäften für Anzeigen.

"Die in den Justizunterlagen beschriebenen Zustände sind unethisch, unmoralisch und verwerflich. Medienkonsumenten wurden dadurch getäuscht, der Ruf der Medienbranche beschädigt", erklärten Chefredakteurinnen und Chefredakteure in einer gemeinsamen Erklärung.

Keine Gegenleistung für Inserate

Die Chefredakteure räumten zudem mit der bis in höchste politische Kreise verbreiteten irrigen Annahme auf, wonach es für Inserate Gegenleistung in Form von redaktioneller Berichterstattung gebe. Auch wenn einzelne Gratistitel auf Basis dieses Konzepts ihre Geschäftsmodelle und Verlagsimperien aufgebaut haben sollten, gebe es in den allermeisten Medienhäusern rote Linien und eine strikte Trennung zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung.

"Unsere Journalistinnen und Journalisten leisten tagtäglich großartige Arbeit. Unsere Aufgabe ist es, die Herrschenden, Mächtigen und Regierenden kritisch zu begleiten und über Vorgänge, Verhältnisse und Zustände in Politik und Gesellschaft zu berichten. Dazu zählen Erfolge und vernünftige Lösungsansätze ebenso wie Fehler im System, Ungerechtigkeiten oder Korruption. Journalismus mit Respekt vor dem politischen Amt, aber kritischer Distanz. Wir leisten diese Aufgabe unabhängig von politischen oder werblichen Einflüssen. Wir halten Abstand und lassen uns nicht vereinnahmen. Und wir sind davon überzeugt, dass die liberale Demokratie solch unabhängige Medien braucht", heißt es in der Erklärung weiter.

Unabhängige Medien kein Instrument des Machterwerbs

Die Chefredakteurinnen und Chefredakteure erinnerten zugleich an ihr Statement nach der Ibiza-Affäre 2019: "Unabhängige Medien sind in einer liberalen Demokratie kein Instrument des Machterwerbs und Machterhalts einer Partei oder mächtiger Interessensgruppen, kein Instrument zur Manipulation der Leserinnen und Leser. Bei allen Mängeln, die man ihnen vorhalten kann, sind sie ein wichtiges Korrektiv der Politik. Wer die Grenze zwischen Journalismus und Politik missachtet, gefährdet die Grundlagen der Demokratie."

Dass durch die via Staatsanwaltschaft kolportierten Vorgänge Werbung in Medien unter Generalverdacht gerate und desavouiert werde, bedauern die Chefredakteure. "Anzeigenerlöse waren neben Abo-und Verkaufserlösen über Jahrzehnte eine wichtige Einnahmequelle von Medien und haben einen Beitrag zur wirtschaftlichen Basis und Unabhängigkeit geleistet, die für die redaktionelle Unabhängigkeit unabdingbar ist. Wir sind aber überzeugt, dass kritischer Journalismus ein attraktives Geschäftsmodell ist und bleibt."

Dem Verein gehören die Chefredakteurinnen und Chefredakteure von APA, "Der Standard", "Die Furche", "Die Presse", "Falter", "Kleine Zeitung", "Kurier", "News", "Niederösterreichische Nachrichten", "Oberösterreichische Nachrichten", "Oberösterreichisches Volksblatt", "profil", "Salzburger Nachrichten", "Tiroler Tageszeitung", "trend", "Vorarlberger Nachrichten" und "Wiener Zeitung" an.

Kommentare (23)
Lodengrün
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Ganz einfach erklärt

Kein Medium von Fellner. Und da liegt wohl der Hund begraben. Dieses Medium als manipuliert zu orten ist des Pudels Kern. Nicht feststellen, aussprechen meine Herrschaften.

SoundofThunder
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Mich wundert es sowieso dass sich die Menschen von Umfragen beeinflussen lassen

Auf so was kann das Volk eigentlich verzichten. Reine Geldverschwendung. Ist ja nur unser Geld was die für gefakte Umfragen ausgegeben haben 😏

RonaldMessics
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@SoundofThunder

Einen Stammwähler kann man kaum beeinflussen. Wechselwähler sehr wohl. Der Vorgang der Beeinflussung ist aber höchst kompliziert. Ohne zu wissen, welche Partei dir zur Wahl zur Verfügung steht, wird man kaum eine Wahl nach den eigenen Vorstellungen treffen können. Somit unterliegt man der Tatsache, dass man informiert werden muss.
Eine gute Möglichkeit für den Wechselwähler ist das Studium der Partei-Programme.

Balrog206
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Sehr

Gut diese Einsicht! 👍

Vielgut1000
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Warum ging es der SPÖ seit Jahrzehnten immer darum, dass der ORF Generaldirektor ein "Roter" sein muss.

Warum wehrte sich SPÖ-Wrabetz mit Händen und Füßen dagegen, als er abgelöst wurde? Mann kann ruhig annehmen, dass das ZiB1 und ZiB2-Personal ziemlich rot ist. Und natürlich können auch die Sprecher manipulieren in ihrer Moderation.

Lodengrün
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Ach @Vielgut

Grabe keine alten Sachen aus. Erstens ist das nicht JETZT das ich jemanden, 2. wurde das damals egal ob Rot oder Schwarz nicht mit der Impertinenz betrieben wie das KURZ handhabte. Ja, Strache war dagegen, wie fürchterlich auch das war, gegen IHN ein Waisenknabe.

Vielgut1000
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Jeder wußte ja, dass nach Mitterlehner Kurz kommt.

Und das die ÖVP mit Kurz besser abschneiden wird, war auch jeden klar. Man beachte einfach den Unterschied in der Performance von Mitterlehner und Kurz.
Warum man da etwas "kaufen" müßte, scheint nicht ganz nachvollziehbar zu sein.

Lodengrün
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Vieles wollen Sie @Vielgut

galt nicht verstehen. Und da packen Sie dann, und wenn s noch so abstrus und unmöglich aus, aus was Ihnen wie auch immer einfällt. Der Herr Kurz hat und daran besteht kein Zweifel, es gibt ja das Strategiepapier mit Sobotka, die Regierung geputscht. Vielleicht lässt sich daran auch rechtlich etwas finden. Es kann ja nicht so sein, dass ein Maturant mit unerlaubten Mitteln nach der Regierungskrone greift.

iMissionar
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Offenlegung

Möge die Kleine Zeitung offenlegen, welche Medienförderungen, Inserate und Kooperationen von der Öffentlichen Hand - Bund und Länder - in den letzten 7 Jahren lukriert wurden?

KleineZeitung
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Antwort @iMissionar

Dieser Artikel könnte für Sie interessant sein: https://www.kleinezeitung.at/kultur/medien/6044425/Gekaufte-Umfragen_Im-langen-Schatten-der-Inserate

augurium
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Interessant

ist, dass Österreich, Fellner nicht dabei ist. Auch der ORF nicht! Aus Erfahrung weiß man, dass es zumindest früher sehr wohl der Fall war, dass gegen ein Inserat eine "wohlwollender " Beitrag gebracht wurde. Aber damit haben die Chefredakteure natürlich nichts zu tun. Vor den Wahlen gibt es immer viele Inserate!

SoundofThunder
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🤔

Wo sind die Chefredakteure der Krone,OE24,Heute,Österreich und Zur Sache?

Klaus S.
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Ich glaube

Dass die von Ihnen hineinreklamierten CR nur weniger scheinheilig sind. Deshalb halten sie still.

jg4186
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Überhaupt keine Regierungs-Inserate mehr!

Schon seit langem gibt es die Forderung, jetzt erst recht und endlich: Es kann und darf keine Regierungs-Inserate geben! Schluss - Aus!
Die sollen gute Arbeit machen, das wäre Werbung genug. Aber keine bezahlten Inserate in Medien welcher Art auch immer - noch dazu ja auf unser aller Kosten!

DavidgegenGoliath
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Wie sieht es mit der unfassbaren Impfwerbung der Medien aus?

Alle Medien sind diesbezüglich gleichgeschaltet! Was läuft hier ab?

nicha20
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völlig korrekt!

Und mein Posting über Nebenwirkungen wurde prompt gelöscht bzw konnte ich es nicht mehr finden

GanzObjektivGesehen
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Scheinbar noch immer zu wenig!

Wie sollen wir die Informationen aufbereiten, damit sie diese verstehen können?

Hazel15
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Chefredakteurinnen und Chefredakteure von APA

Von den angeführten Zeitungen sind mindestens 90% ÖVP nah. Wer das ist kann sich jeder ein Bild davon machen. Da passt ein Berich des ZDF vor einiger Zeit gut dazu. Und zwar über die wohlwollende Berichterstattung in den österr. Medien zu gunsten von Kurz und ÖVP (Türkies) durch auffällige viele überdurchschnittlich bezahlte Inserate und Werbeeinschaltungen usw.. Wohlgemerkt ein Bericht im deutschen TV und jederzeit abrufbar.

stefstef
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Durchsuchungsanordnung

Besonders amüsant daran ist ja, wenn man persönlich namentlich in der Durchsuchungsanordnung erwähnt wird und dann kritisiert.

ichbindermeinung
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Kosten der Viruswerbekampagnen?

wie viele Millionen haben den Bürgern nur alleine die ganzen Viruswerbewarnkampagnen fürs Testen/Impfen/Abstandhalten seit 2020 bis dato in Ö in Summe gekostet ..........und wie viele Millionen haben jeweils die anderen 26 EU-Länder dafür im Vergleich ausgegeben.....

hfg
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Aber es sind noch lange

Nicht alle Medien die sich zumindest nach außen hin von diesen „Gegengeschäften“ distanzieren. Außerdem gibts noch unzählige Informations, Werbe und Gratisblätter die sich gerne „kaufen“ lassen. Abgesehen von Den sogenannten Sozialen Medien, welche ohnehin mehr Infos verbreiten und gelesen werden, wie die sogenannten seriösen Medien.

weinsteirer
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Man hält den bürger

Seitens der medien auch für deppert…..die frage ist immer wie man es angeht…..im zuge der gemeindereform gab es ein projekt in der kleinen „schüler machen zeitung“ in dem die fusionen in den himmel gelobt wurden…das projekt wurde von der landesregierung finanziert…oder hat man mir was falsches erzählt?

hfg
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Nicht wie man es angeht

sondern wie geschickt man es verschleiert. Bei den unglaublich vielen Firmenverschachtelungen ist es kaum überprüfbar. Ein Beispiel - es gilt natürlich auch hier die Unschuldsvermutung- was gehört bzw. beeinflusst der kath. Pressverein, Raiffeisen usw.