In den vergangenen Wochen waren es vor allem schlechte Nachrichten, die aus der Sozialversicherung nach außen drangen. Die ÖGK, Österreichs mit Abstand größte Krankenkasse, rechnet für 2025 mit einem Defizit von 900 Millionen Euro, der Aufruf an die Ärzteschaft, einen „Solidarbeitrag“ bei der Konsolidierung zu leisten, führte zum Streit mit der Ärztekammer.

Am Mittwoch zeigte sich der Dachverband der Sozialversicherungen dennoch betont zufrieden. Die beiden Vorsitzenden Claudia Neumayer-Stickler und Peter McDonald zogen Bilanz über den Ausbau der niedergelassenen Versorgung im Vorjahr. Neben der Eröffnung von 34 neuen Einzelordinationen hob man vor allem das Plus bei Primärversorgungseinheiten (PVE) hervor. 97 solcher Einrichtungen gab es 2024, 41 mehr als noch im Jahr davor. Sieben der neuen PVEs entstanden dabei in der Steiermark, neue Standorte gibt es etwa in Graz, Leibnitz und Mürzzuschlag. In Kärnten wurden im Vorjahr keine neuen PVEs eröffnet, allerdings verweist der Dachverband auf ein vergleichbares Pilotprojekt in Villach, wo gemeinsam mit der Kabeg eine Erstversorgungsambulanz eingeführt wurde.

Fortschritte bei Kinderpsychiatrie

Erfreut zeigte sich Neumayer-Stickler außerdem über zusätzliche Angebote für Kinder und Jugendliche. Acht der 41 neuen Primärversorgungseinheiten richten sich gezielt an Kinder, zusätzlich entstanden zwei neue Kinderarzt-Ordinationen sowie ein neues Kinderambulatorium. Auch im Mangelfach Kinder- und Jugendpsychiatrie konnten 2024 fünf neue Einzelordinationen für diesen Fachbereich unter Vertrag genommen werden. Auch bestehen erstmals Verträge mit fünf „Home-Treatment Teams“ im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie, die ihre Patientinnen und Patienten zuhause betreuen können.

Gleichzeitig stellte ÖGK-Obmann Peter McDonald Konsolidierungsmaßnahmen in Aussicht. Sparen will die Gesundheitskasse unter anderem im Verwaltungsbereich, so soll etwa „jede zweite Pensionierung nicht nachbesetzt werden“. Gespräche sollen auch mit Ärztinnen und Ärzten geführt werden, diese müssten sich darauf einstellen, dass bei kommenden Honorarverhandlungen „keine großen Sprünge“ zu erwarten seien. Thematisieren will McDonald auch, dass ein Drittel der Sozialversicherungsbeiträge in den Spitalsfonds der Bundesländer fließe. Hier wünsche er sich, dass sich die Länder im Gegenzug mit 50 Prozent am Ausbau des fachärztlichen Bereichs beteiligen. Vage blieb er bezüglich einer möglichen Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge, diese sei Sache des Parlaments. In ihrem Regierungsprogramm haben sich ÖVP, SPÖ und Neos jedenfalls darauf geeinigt, die Krankenversicherungsbeiträge von Pensionisten von 5,1 auf sechs Prozent zu erhöhen.