Just in jenem Moment, als FPÖ-Chef Herbert Kickl die Hofburg nach dem Gespräch mit dem Bundespräsidenten verlässt, verkündet seine Partei man habe den Regierungsbildungsauftrag zurückgelegt. Die Verhandlungen seien „zu unserem Bedauern letztlich nicht von Erfolg gekrönt“ gewesen. Kickl selbst brauste im schwarzen Dienstwagen davon.
Die gescheiterte Regierungsbildung zwischen FPÖ und ÖVP unterbricht den steilen Aufstieg, den Kickl den Freiheitlichen seit seiner Übernahme als Obmann bescherte. Hatten viele Blaue bereits den Einzug des ersten freiheitlichen Bundeskanzlers ins Haus am Wiener Ballhausplatz gefeiert, macht sich nun erste Ernüchterung breit. „Das wäre schon eine historische Chance gewesen“, raunt ein Funktionär hinter vorgehaltener Hand. Die Schuld für die abgebrochenen Gespräche sieht man freilich weniger bei Kickl, als bei der ÖVP. Ob man sich in den Verhandlungen selbst ausreichend bewegt hat, lässt sich dennoch für viele nicht eindeutig beantworten.
Erfolg in den Ländern, kein Abschluss im Bund
Dabei zweifelte anfangs kaum jemand an Kickls Motivation zu regieren. Schließlich war er es, der im Wahlkampf das Ziel „Volkskanzler“ ausgegeben hatte. Auch von der Absage aller anderen Parteien, ihn zu einem solchen zu machen, ließ er sich nicht beirren. Doch im Gegensatz zu fünf geschmiedeten Koalitionen und einem Landeshauptmann-Sessel in den Bundesländern gelang Kickl auf Bundesebene kein Abschluss.
Ob ihm nun Ungemach aus den eigenen Reihen droht, ist fraglich. Die Partei befindet sich in einer Zwickmühle, wie ein anderer Funktionär erklärt. „Wir können und werden nicht einen Parteichef austauschen, der uns den ersten Platz erst ermöglicht hat“, bekräftigt er. Gleichzeitig sei es aber schwierig, wenn dieser sich, auch mit einem (aus FPÖ-Sicht viel zu spät erteilten) Regierungsbildungsauftrag, weigere, eine Gesprächsbasis zu anderen Parteien aufzubauen.„In den Ländern können Blau und Schwarz ja auch miteinander reden.“
„Das war kein Erfolg“
Zudem tut sich aktuell niemand hervor, der Kickl den Chefsessel streitig machen könnte. Gewichtige Freiheitliche wie Oberösterreichs Parteichef Manfred Haimbuchner oder der Welser Bürgermeister Andreas Rabl wollen vorerst im Bundesland bleiben, Mario Kunasek hat den steirischen Landeshauptmann-Job frisch übernommen. Kickls engstem Vertrauten Reinhard Teufel werden keine Ambitionen auf den Chefsessel nachgesagt, den Generalsekretären Christian Hafenecker und Michael Schnedlitz trauen viele die große Bühne nicht zu. „Wir hätten zwar, im Gegensatz zu anderen Parteien, inzwischen viele Kandidatinnen und Kandidaten für die erste Reihe“, erklärt der FPÖ-Mann im Hintergrund. „Aber den Herbert stürzen, das würde niemand machen.“
Tatsächlich genießt Kickl absolute Geschlossenheit in den eigenen Reihen. Obwohl er die Partei in Grundsatzentscheidungen kaum einbindet und einen überschaubaren Kreis an Vertrauten hat, regte sich bisher kein Widerstand. Dass sich das ändert, glaubt auch nach den gescheiterten Verhandlungen kaum jemand. Aber: „Erfolg ist bekanntlich der beste Kitt für die Geschlossenheit“, erklärt der Funktionär. „Und diese Regierungsbildung war nun einmal kein Erfolg.“
Kickl: „Dazu war ich nicht bereit“
Kickl legte am Abend seine Gründe für den Abbruch der Gespräche dar. Man habe „ehrlich verhandelt und ehrlich miteinander gerungen“. Und wäre es ihm nur um das Kanzleramt gegangen, hätte er nun die Chance dazu gehabt. Aber damit wäre der Bruch freiheitlicher Wahlversprechen einhergegangen, versichert er. „Und dazu war ich nicht bereit.“ Und er verspricht: „Heute ist nicht aller Tage, ich komm‘ wieder, keine Frage.“