Die Empörung nicht nur in blauen Kreisen war groß, als nach der Nationalratswahl im Herbst nicht Herbert Kickl, der Wahlsieger, von Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit der Regierungsbildung beauftragt wurde. Bundespräsident Van der Bellen entschied sich für den Zweitplatzierten, für ÖVP-Chef Karl Nehammer, mit der Begründung, niemand wolle mit dem FPÖ-Chef koalieren.
Nach dem Platzen der Dreierverhandlungen änderte sich alles. Zu Jahresbeginn wurde Kickl in der Hofburg eingeladen und erhielt, was ihm im Herbst noch verwehrt worden ist: den Auftrag zur Bildung einer Regierung. Nach rund sechs Wochen musste der FPÖ-Chef am Mittwoch unverrichteter Dinge die Hofburg aufsuchen, um dem Bundespräsidenten mitzuteilen, dass er mit dem Vorhaben Schiffbruch erlitten hatte.
Viktor Klima scheiterte im Jahr 2000
Kickl ist erst der dritte Spitzenpolitiker, der an einer Regierungsbildung gescheitert ist. Legendär ist das Scheitern von Viktor Klima im Jänner 2000. Der damalige Kanzler hatte die Wahl im Herbst 1999 gewonnen, verhandelte nach langem Hin und Her mit der ÖVP, was allerdings nicht von Erfolg gekrönt war. Die Volkspartei machte dafür zwei Gewerkschafter verantwortlich, die sich geweigert hatten, den Koalitionsvertrag zu unterzeichnen, die Sozialdemokraten erklärten damals, die ÖVP habe bereits Geheimverhandlungen mit der FPÖ geführt.
Nehammer scheiterte mit Dreierkoalition
Der zweite Spitzenpolitiker, dem das Vorhaben misslang, war ÖVP-Chef Nehammer zu Jahresbeginn. Fast drei Monate hatte er sich um eine Dreierkoalition bemüht, zunächst standen die Neos, dann warfen auch die Volkspartei und die Sozialdemokraten das Handtuch.