Kaum wurde Herbert Kickl von Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit der Regierungsbildung betraut, haben bereits die Spekulationen über mögliche blaue Minister begonnen. Die freiheitliche Personaldecke ist sicherlich dicker als in der Vergangenheit, in fünf Bundesländern sitzt man in der Regierung. Außerdem wurden im Vorfeld der Nationalratswahl im blauen Lager bereits Listen mit möglichen Kandidaten für Spitzenjobs bzw. Kabinette erstellt.
Zum vierten Mal ziehen die Freiheitlichen, sofern die Koalitionsverhandlungen erfolgreich über die Bühne gehen, auf Bundesebene in eine Regierung ein. Die Premiere erfolgt 1983 unter SPÖ-Kanzler Fred Sinowatz, dem folgten Regierungsbeteiligungen unter den ÖVP-Kanzlern Wolfgang Schüssel (2000 bis 2007) und Sebastian Kurz (2017 bis 2019)
Sehr gute Chancen hat in jedem Fall die enge Kickl-Vertraute Susanne Fürst, auch Dagmar Belakovich-Jenewein ist in der engeren Auswahl. Auch Kickls Kabinettschef Reinhard Teufel, der den FPÖ-Chef zum Treffen mit dem Bundespräsidenten begleitet hatte, könnte zum Zug kommen, als Kanzleramtsminister oder Kabinettschef. Teufel steht in Niederösterreich dem blauen Landtagsklub vor..
Für wirtschaftsbezogene Ministerien, etwa Finanzen oder Wirtschaft, haben Ex-ÖBB-Chef Arnold Schiefer, Asfinag-Vorstand Hartwig Hufnagl und die ehemalige Vizechefin der Nationalbank, Barbara Kolm, beste Karten. Ministertauglich wäre auch der Welser Bürgermeister Andreas Rabl, der wohl bekannteste blaue Gemeindechef des Landes.
Kommt ein neuer ORF-Chef?
Dass es einen blauen Medienminister gibt, ist unwahrscheinlich. Für Spitzenposten in diesem breiten Feld kommen Stiftungsrat Peter Westenthaler, Ex-ORF-Direktor Thomas Prantner oder die Chefin der strategischen Abteilung im ORF, Kathrin Zierhut, infrage. Zierhut oder Prantner könnten Roland Weißmann als ORF-Chef ablösen, Westenthaler den ehemaligen grünen Bundesgeschäftsführer Lothar Lockl als Vorsitzenden des Stiftungsrates.
Feiert Norbert Hofer ein Comeback?
Aus den Bundesländern könnten der neue steirische Landesrat und Kunasek-Vertraute Stefan Hermann, allenfalls auch die stellvertretende Salzburger Landeshauptfrau Marlene Svazek oder der Tiroler FPÖ-Chef Markus Abwerzger nach Wien übersiedeln. Schafft es Norbert Hofer bei den burgenländischen Landtagswahlen Mitte des Monats nicht in den Chefsessel seines Heimatbundeslandes, könnte auch der einstige Verkehrsminister in Wien ein Comeback feiern.
Vom ehemaligen blauen Ministerteam kommt sonst niemand mehr infrage. Ex-Außenministerin Karin Kneissl lebt in Russland und hat bei Kremlchef Putin angedockt, Mario Kunasek ist Landeshauptmann der Steiermark, die Kontakte zu Ex-Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein sind nur noch sehr lose, mit Heinz-Christian Strache hat Kickl gebrochen.
ÖVP nimmt Einladung zu Regierungsgesprächen an: