Der Iran greift wieder Schiffe in der Straße von Hormuz an, die US-Marine will iranische Tanker in der Meerenge entern: Kurz vor neuen Verhandlungen zwischen Iran und USA in Pakistan betreiben beide Konfliktparteien eine Kanonenboot-Politik, um den Gegner unter Druck zu setzen. Beide wollen mit den Spannungen eine Drohkulisse vor neuen Verhandlungen aufbauen, doch die Eskalation gefährdet die Waffenpause, die den Krieg beenden sollte.

Neue US-Delegation naht

US-Präsident Donald Trump gab am Sonntag bekannt, die amerikanischen Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner würden am Montagabend in Pakistan ankommen, um mit dem Iran zu verhandeln; Vizepräsident JD Vance, der beim ersten Treffen vor gut einer Woche die US-Delegation geleitet hatte, bleibe aus Sicherheitsgründen zu Hause, teilte Trump mit. Vom Iran lag zunächst keine Stellungnahme vor. Eines der Themen wird die Verlängerung der Feuerpause sein, die am Mittwoch abläuft.

Teheran hatte am Freitag die Sperre der Straße von Hormuz aufgehoben, die Wasserstraße Tags darauf aber wieder für geschlossen erklärt. Zwei indische Schiffe wurden von iranischen Truppen beschossen, andere Schiffe drehten um, weil ihnen die Passage durch die Meerenge zu gefährlich war. Der Iran kann den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz kontrollieren, weil das nördliche Ufer der Wasserstraße sein Territorium ist, Schiffe können von seinen Drohnen und Kurzstreckenraketen getroffen werden.

Die iranische Führung begründete ihre neue Haltung damit, dass sich Trump weigert, im Gegenzug die amerikanische Seeblockade iranischer Häfen aufzuheben. Das „Wall Street Journal“ meldete, US-Soldaten könnten schon bald iranische Schiffe entern. Trump wiederholte am Sonntag seine Drohung gegen Iran, „das ganze Land in die Luft zu jagen“, wenn es keine Einigung gebe. Das jetzt anstehende Treffen sei „die letzte Chance“.

Die erneute Sperre der Meerenge von Hormuz ist nach Ansicht von Experten eine kalkulierte Eskalation des Iran als Antwort auf Trumps Haltung. Der Präsident hatte nach der Freigabe der Straße von Hormuz öffentlich erklärt, der Iran sei mit allen amerikanischen Forderungen für ein Friedensabkommen einverstanden, auch in der umstrittenen Frage von Teherans Atomprogramm.

Diese Behauptung habe bei Anhängern des Regimes den Verdacht geweckt, dass Teheran den Amerikanern zu weit entgegenkomme, berichtete der katarische Sender Al-Dschasira aus der iranischen Hauptstadt. Der Iran-Experte Hamidreza Azizi von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik meint, dass die iranische Führung auf Trumps Darstellung reagieren musste, weil sie innenpolitisch immer mehr auf einen harten Kern von Unterstützern angewiesen ist. Jede Geste der Flexibilität – wie die Öffnung der Straße von Hormuz – werde in diesen Kreisen als Schwäche ausgelegt, wenn Trump darauf nicht seinerseits mit Entgegenkommen reagiere.

Gegenseitiges Aufschaukeln

Wie sehr diese Dynamik das iranische Vorgehen bestimmt, zeigte eine Fernsehrede von Mohammad Baker Kalibaf, Parlamentspräsident und Chefunterhändler in den Gesprächen mit den USA. Er sprach von einer „Diplomatie der Stärke“, mit der Teheran auftrete. Man sei siegreich aus dem Krieg gegen Amerika und Israel hervorgegangen und misstraue den Gegnern. Die Verhandlungen mit den USA würden von ständiger Kampfbereitschaft flankiert. Es habe Gespräche gegeben, man sei aber noch weit von einer Einigung entfernt.

Zumindest bis zu einer Verlängerung der Feuerpause dürften die gegenseitigen Drohgebärden weitergehen. Zwar haben weder die USA noch der Iran ein Interesse daran, den Krieg wieder aufzunehmen. Trump ist innenpolitisch wegen hoher Benzinpreise und der Kritik aus seiner Anhängerschaft an der Verwicklung des Landes in einen neuen Krieg unter Druck. Der Iran braucht ein Ende des Krieges, um seine Wirtschaft und Infrastruktur wieder aufzubauen und die zerrütteten Beziehungen zu den arabischen Nachbarn zu kitten.