Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge seit Beginn der Waffenruhe mit dem Libanon mehrfach mutmaßliche Hisbollah-Mitglieder angegriffen, die sich im Süden des Nachbarlandes israelischen Soldaten genähert haben sollen. Sie hätten gegen die Waffenruhe-Vereinbarung verstoßen und eine unmittelbare Bedrohung für die Soldaten dargestellt, teilte das Militär am Nachmittag mit. Im Süden des Libanon wurde ein französischer UNO-Blauhelmsoldat bei einem Angriff getötet.
Laut Israels Armee gab es mehrere solcher Vorfälle. Israel sei im Rahmen der Waffenruhe-Vereinbarung dazu berechtigt, sich zu verteidigen, hieß es in der Mitteilung weiter. „Um die Bedrohung zu beseitigen, führte die israelische Luftwaffe gemeinsam mit Bodentruppen präzise Angriffe auf die Terroristen durch.“ Auch Artilleriefeuer sei eingesetzt worden. Als Reaktion auf die Bedrohungen habe das Militär im Südlibanon auch Anlagen ins Visier genommen, die von der Hisbollah für Angriffe genutzt worden seien.
Al Jazeera berichtet von israelischen Angriffen
Der arabische Sender Al Jazeera sowie der Hisbollah-Sender Al-Manar meldeten israelischen Artilleriebeschuss auf mehrere Orte im Südlibanon. Berichte über Opfer gab es im Laufe des Tages zunächst nicht. Die Angaben lassen sich allesamt nicht unabhängig überprüfen.
Israelische Soldaten sind weiterhin im Südlibanon stationiert. Offiziell spricht das Land von einer sogenannten „Sicherheitszone“, um Nordisrael vor Angriffen der Hisbollah zu schützen. Vertriebene Anwohner können derzeit nicht in die Gegend zurückkehren. Israelischen Angaben zufolge sollen zudem alle Häuser in grenznahen Dörfern im Südlibanon zerstört werden. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz begründete dieses äußerst umstrittene Vorhaben damit, dass die Hisbollah die Gebäude für ihre Zwecke nutzen soll.
UNO-Blauhelmsoldat getötet
Rund einen Tag nach Inkrafttreten der Waffenruhe zwischen dem Libanon und Israel wurde ein französischer UNO-Blauhelmsoldat bei einem Angriff im Süden des Libanon getötet. Drei weitere französische Blauhelmsoldaten des UNIFIL-Kontingents seien bei dem Angriff am Samstag verletzt worden, teilte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Onlinedienst X mit. Es deute alles darauf hin, dass die pro-iranische Hisbollah „für diesen Angriff verantwortlich ist“. Er forderte die libanesische Regierung auf, die Verantwortlichen sofort festzunehmen.
Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam verurteilte den Angriff auf das Schärfste. Der Angriff schade dem Libanon und dessen Beziehungen mit befreundeten Ländern weltweit. Frankreich ist dem Libanon als frühere Mandatsmacht bis heute traditionell eng verbunden. Libanons Präsident Joseph Aoun telefonierte nach dem Angriff auch mit Macron.
UNIFIL teilte mit, dass die Soldaten Samstagfrüh Sprengsätze an einer Straße im Süden beseitigt hätten. Dabei seien sie unter Beschuss geraten, woraufhin einer der UNIFIL-Soldaten getötet und drei weitere verletzt worden seien. Einer ersten Einschätzung zufolge seien Hisbollah-Kämpfer für den Angriff verantwortlich. Die Miliz äußerte sich zunächst nicht.
UNIFIL ist seit Jahrzehnten zwischen Israel und dem Süden des Libanon im Einsatz. An der Mission sind auch rund 180 österreichische Soldaten beteiligt.