Es war für Freund und Feind schon überraschend, wie diese Frau mit den glatten schwarzen Haaren und der Brille am Samstagnachmittag im Fernsehen von Venezuela austeilte. Beim eilig zusammengerufenen Verteidigungsrat widersprach Delcy Rodríguez. Donald Trump und forderte damit mutig das Land heraus, das nur Stunden zuvor in einem Husarenstück Venezuela politisch enthauptet hatte, als es Staatschef Nicolás Maduro festnehmen und aus dem Land entführen ließ.
Und so ist die 56-Jährige jetzt die neue starke Frau der Chavisten. Laut Verfassung geht bei einem Machtvakuum die Führung des Landes an sie als Vizepräsidentin über. Im engen Machtkern um Maduro ist Rodríguez die einzige Frau. Der erweiterte Zirkel wird dominiert von aktiven und ehemaligen Offizieren.
Bekannte Figur im Land
Die Menschen in Venezuela kennen die Juristin schon lange als überzeugte Hardlinerin an der Seite Maduros. Unter Vorgänger Hugo Chávez war sie 2006 kurzzeitig Kabinettsministerin. Unter Maduro dann bis 2014 Informations- und bis 2017 Außenministerin. In dieser Zeit prägte sie den konfrontativen Kurs gegen die USA. Dann stieg sie zur Vizepräsidentin und später Ölministerin auf.
Delcy Rodríguez wurde am 18. Mai 1969 in Caracas geboren. Sie ist Tochter von Jorge Antonio Rodríguez, einem Guerillakämpfer der 1960er-Jahre. Er starb 1976 in Polizeigewahrsam. Dieser Tod des Vaters war der Grund, warum Rodríguez - teils auch in Frankreich - Jura studierte. Sein Tod mutmaßlich nach Polizeifolter prägte auch ihren politischen Ansatz.
Rodríguez ist eine von etwa fünfzig hochrangigen venezolanischen Regierungsbeamten, gegen welche die EU wegen des Vorwurfs von Menschenrechtsverletzungen Sanktionen verhängt hat. 2018 wurde sie auch von Washington mit Sanktionen belegt.