In oberster geheimer Mission: Abgesehen davon, dass Blaise Metreweli hochqualifiziert ist, ist ihre Bestellung als neue Chefin des britischen Auslandsgeheimdienstes historisch: Erstmals seit der Gründung des MI6 steht eine Frau an seiner Spitze. Die 47-Jährige wird viel zu tun haben, an Bedrohungsszenarien mangelt es in der Welt des 21. Jahrhunderts nicht.
Bedrohungen akut wie noch nie
Der britische Labour-Premierminister Keir Starmer gab ihr vielfältiges Aufgabenprofil unmissverständlich vor: „Die historische Ernennung von Blaise Metreweli erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Arbeit unserer Geheimdienste wichtiger denn je ist. Das Vereinigte Königreich ist Bedrohungen beispiellosen Ausmaßes ausgesetzt, seien es Angreifer, die Spionageschiffe in unsere Gewässer schicken, oder Hacker, deren ausgeklügelte Cyber-Vorgehensweisen darauf abzielen, unsere öffentlichen Dienste zu stören.“
Die biografischen Details zu Metreweli, die ausgegeben wurden, sind eher spärlich, das dürfte beabsichtigt sein: Die neue MI6-Chefin, zuvor gab es 17 Männer in dieser Funktion, studierte Sozialanthropologie an der Universität Cambridge und verbrachte einen Großteil ihrer Karriere in operativen Funktionen in Europa und im Nahen Osten. Seit 1999 ist sie Teil des britischen Geheimdienst-Apparats, einige Jahre war Metreweli beim Inlandsgeheimdienst MI5 – bis zuletzt fungierte sie als die Generaldirektorin jener Abteilung des MI6, die sich mit Technologie und Innovation befasst.
Keine Zweifel, Starmer hatte bei ihrer Bestellung nicht nur aktuelle Gefahren, sondern auch die Bedrohungsszenarien der Zukunft im Kopf. Metreweli, die als bisherige MI6-Technologiedirektorin den Spitznamen „Q“ bekam – eine Hommage an den patenten Erfinder in den „James Bond“-Filmen – fühlt sich „geehrt“, die einflussreichste Position im westlichen Nachrichtendienstapparat bekommen zu haben.
Russland, China und der Iran
Besonders genau gilt es, Russland, China und den Iran im Auge zu behalten – man erinnere sich etwa an den Nowitschok-Nervengiftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal und seine Tochter im südenglischen Salisbury 2018. Metreweli will der Bevölkerung auch vermitteln, dass man die Lage im Griff habe: „Der MI6 spielt – gemeinsam mit MI5 und GCHQ (ein auf Sammlung und Analyse von Kommunikationsdaten sowie auf Cyber-Sicherheit spezialisierter Dienst, Anmerkung) – eine entscheidende Rolle bei der Sicherheit der britischen Bevölkerung und der Wahrung britischer Interessen im Ausland.“ Sie werde diese Arbeit „mit den mutigen Offizieren und Agenten des MI6 und zahlreichen internationalen Partnern fortsetzen.“
Ihren Spitznamen „Q“ wird die 47-Jährige verlieren, das operative Oberhaupt des MI6 wird „C“ genannt – alle anderen Mitglieder bleiben anonym.