Am Samstag wird er bei vermutlich relativ britischem Wetter mit seiner Frau Camilla die – wie immer in den Juni vorverlegte – Geburtstagszeremonie zu seinen Ehren verfolgen: Hunderte Soldatinnen und Soldaten marschieren für Charles III. auf – zum dritten Mal in seiner Rolle als König und mit neuen Gerüchten: In das Spektakel – „Trooping the Colour“ ist einer der Höhepunkte der britischen Monarchie – mischt sich einiges an neuer Sorge um den Gesundheitszustand des weiter solide waltenden Monarchen.
Das Volk scheint sich längst mit seinem König und dem Sohn der 2022 verstorbenen Überkönigin Elizabeth II. arrangiert zu haben: Begeisterung kommt leidlich auf, es gibt aber auch keine großen Schmähungen – bei vielen im Land, die im täglichen Leben um ihr Fortkommen kämpfen, machte sich wohl auch eine gewisse Gleichgültigkeit breit. Man hält sich zurück, wohl auch wegen Charles’ publik gemachter Krebserkrankung, mit der er souverän umgeht. Und eben darum gibt es nun neue Gerüchte: Die royale Expertin Camilla Tominey gab gegenüber dem „Telegraph“ zu Protokoll, dass die Krankheit des Königs zwar unter Kontrolle sei, sie könne aber nicht besiegt werden. „Man geht davon aus, dass der König mit Krebs leben – und eines Tages auch mit Krebs sterben könnte – aber nicht an ihm“, berief sich Tominey auf Personen aus dem direkten Umfeld des Palastes.
Derlei Spekulationen erzeugen im Palast naturgemäß keine Freude, noch irritierender dürfte aber ein Interview seines bereits vor Jahren in ein neues Leben in die USA ausgewanderten jüngeren Sohnes Harry sein: Dieser merkte an, er wisse nicht, „wie viel Zeit“ seinem Vater noch bleibe und lässt das Vereinigte Königreich bange rätseln.
Die Vorbereitungen für Charles’ 80. Geburtstag am 14. November 2028 laufen indes bereits, wenn auch „vorsichtig“. Zu tun gibt es für ihn genug, obgleich er auch viele Aufgaben längst an seinen älteren Sohn William abgetreten hat: Dieser machte etwa bei der Wiedereröffnung der Kathedrale Notre-Dame in Paris oder beim Begräbnis von Papst Franziskus eine souveräne Figur. Charles absolvierte zuletzt eine Visite im Commonwealth-Land Kanada und hielt eine viel beachtete Thronrede, die dem Land gegenüber US-Präsident Donald Trump den Rücken stärkte. „Demokratie, Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit, Selbstbestimmung und Freiheit sind Werte, die den Kanadiern am Herzen liegen und die die Regierung entschlossen ist, zu schützen“, hieß es unter anderem. „Botschaft: Finger weg von Kanada!“, wie es etwa die britische Politologin Melanie Sully formuliert.
Charles’ Zug zur Reform blieb bislang eher überschaubar, klar ist aber auch, dass sich ein 76-jähriger und nicht gesunder Monarch seine Kräfte einteilen muss. Leise Kritik Konservativer, wonach er bisweilen zu „woke“ auftrete, wird Charles in diesem Lebensabschnitt nicht weiter kümmern. William dürfte indes eine andere Mission des Umweltaffinen weiterführen: Jüngst rief die Nummer eins der Thronfolge bei einem Meereswirtschaftsforum zu groß angelegten Aktionen zum Schutz der Weltmeere auf. Die Nachfolge scheint in trockenen Tüchern.
König als Trumpfkarte Londons
Auf der Weltbühne scheint der britische König für die Politik seines Landes wichtig zu sein. Man vergesse nicht, dass er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit offenen Armen im Stammsitz Sandringham House empfing, nachdem dieser von Trump im Weißen Haus brüskiert worden war. Ohne die eherne Regel zu brechen, wonach sich ein britischer Monarch niemals direkt politisch äußern darf, folgte er damit der Linie von Premier Keir Starmer, der Selenskyj ebenfalls betont herzlich empfing. Der König als Trumpfkarte Londons, als Art royaler Vermittler, der in einer unwägbaren Weltlage sein recht gut ausgeprägtes diplomatisches Gespür zeigen kann.
Mit seiner Gemahlin, Königin Camilla (77), beging Charles heuer in Italien seinen 20. Hochzeitstag – auch mit ihr scheint sich das Volk arrangiert zu haben. Keine Prinzessin Diana, aber eine sichere Bank – und das ist in erschütterten Zeiten wie diesen ohne Zweifel schon so einiges.