Illegales GlücksspielSo dreist wollten Lokalbesitzer Razzien verhindern

Vom Post-it-Zettel an der Tür bis zum angedrohten Stromschlag: Oberösterreichische Lokalbesitzer versuchten jeden Trick, um die Finanzpolizei von ihrer Arbeit abzuhalten. Dennoch konnten an drei Tagen 121 Spielautomaten beschlagnahmt werden.

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Razzia der Finanzpolizei © BMF
 

Der Schwerpunkteinsatz der Finanzpolizei in Oberösterreich war lang geplant gewesen, in Zusammenarbeit mit der Polizei wurde bereits im Vorfeld verdächtige Lokale observiert. Ab dem 5. August schlugen die Beamten dann zu, und das an gleich 39 Einsatzorten in Linz, Linz-Land, Steyr und Wels.

Die Lokalbetreiber, die meist in ihren Hinterzimmern illegalerweise Glücksspielautomaten aufgestellt hatten, wurden von den Razzien großteils kalt erwischt. Und versuchten dennoch mit unterschiedlichen Tricks diese zu verhindern.

Versuch, die Razzia zu verhindern Foto © BMF

Tricks und Panikmaßnahmen

So wurden in Windeseile an den Eingangstüren Zettel aufgehängt, dass das Lokal eigentlich geschlossen sei. Ein Lokalbetreiber fand in der Eile nicht einmal Klebeband - er befestigte den "Geschlossen"-Zettel kurzerhand mit Post it-Haftnotizen. Andere Türen waren alarmgesichert, einmal sollte der Hinweis an der Tür "Unter Strom, Lebensgefahr" die Organe der Finanzpolizei vom Betreten der Gaststätte abhalten.

An elf Orten musste der Schlüsseldienst anrücken und die Türen öffnen, bei einer Kontrolle wurde gar die Cobra zugezogen.

Doch selbst im Lokal waren die Schwierigkeiten noch nicht zu Ende: Geräte waren fest im Boden oder an der Wand verankert, mussten für den Abtransport erst mühevoll losgeschnitten werden. Wieder andere wurden mittels Fernbedienung noch schnell vom Strom getrennt um so eine Kontrolle zu verhindern. Dennoch konnten insgesamt 121 Geräte beschlagnahmt werden.

Hohe Geldstrafen drohen

Die Schwerpunktaktion hat nun zahlreiche Verwaltungsstrafverfahren mit zu erwartenden Geldstrafen im hohen sechsstelligen Bereich zur Folge. Als „Nebenprodukte“ der Kontrollen fielen auch eine nicht zur Sozialversicherung angemeldete Angestellte und eine Kassennachschau mit massiven Beanstandungen an. Ein Lokal wurde sofort behördlich geschlossen. Bei den anderen entscheiden die Bezirksverwaltungsbehörden noch.

Wilfried Lehner, Bereichsleiter der Finanzpolizei im Amt für Betrugsbekämpfung, freut sich über den Erfolg: „Anrainer und Angehörige von Spielsüchtigen können aufatmen, der Großraum Wels und Linz ist nun von illegalen Spielhöllen befreit“. Er kündigt aber gleichzeitig Folgemaßnahmen an, „und wir werden diese Einsätze unverzüglich wiederholen, falls die Lokale wieder geöffnet werden sollten.“

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