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Import und Export verringernJetzt kommt Bewegung ins Thema Tiertransporte und Kalbfleisch

Jährlich werden 50.000 Kälber aus Österreich exportiert, während billiges Kalbfleisch von rund 100.000 Tieren importiert wird. Um dieses System und damit auch Tiertransporte einzudämmen, starten nun einige Projekte. Doch was passiert auf EU-Ebene?

© (c) ahavelaar - stock.adobe.com (anton havelaar)
 

Seit im Suez-Kanal Schiffe mit Tausenden Tieren stecken blieben, ist das Thema Tiertransporte erneut hochgekocht. Ein System, bei dem Politik, Bauern und Konsumenten seit Jahren beteuern, dass es sich ändern müsse. Die Marktmechanismen führten vor allem beim Kalbfleisch dazu, dass Österreich im Jahr Fleisch von rund 100.000 Kälbern importiert, während rund 50.000 Kälber zur Mast ins Ausland transportiert werden. Gleichzeitig hat sich, weil Kalbfleisch aus Holland oftmals nur halb so teuer ist wie heimisches, die Inlandsproduktion von Kalbfleisch seit 2000 halbiert.

Kälber wieder in Österreich mästen soll Transporte reduzieren

Mit einem jetzt startenden Projekt soll laut Agrarministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) die Käbermast im Inland wieder attraktiviert – und damit die Kälbertransporte minimiert werden. Demnach können Bauern jetzt in ein Qualitätsprogramm einsteigen (für die Erfüllung diverser Auflagen gibt es eine Förderung und rund 30 Cent je Kilo Fleisch mehr), wofür es dann das AMA-Gütesiegel geben wird. Neben dem Gütesiegel „Vollmilchkalb“ soll vor allem das „Kalb rosé“ vermarktet werden.

Hannes Royer im Gespräch mit Agrarministerin Elisabeth Köstinger Foto © (c) Paul Gruber

Wenn man Kälber aber artgerecht und länger füttert, wird das Fleisch rosé-farben. Wenn wir weißes Kalbfleisch essen, essen wir in Wahrheit das Fleisch von mangelernährten Tieren.

Hannes Royer, Rinderbauer und Gründer von "Land schafft Leben"

„Die Kunden sind weißes Kalbfleisch gewohnt. Wenn man Kälber aber artgerecht und länger füttert, wird das Fleisch rosé-farben. Wenn wir weißes Kalbfleisch essen, essen wir in Wahrheit das Fleisch von mangelernährten Tieren“, sagt Hannes Royer, Rinderbauer und Gründer der Lebensmittelplattform „Land schafft Leben“.

Nur 0,9 Prozent des Kalbfleischs über Supermärkte verkauft

Die Kunst sei es, nicht nur das Angebot (laut Ministerium ist das Interesse von Bauern, in dieses Kälbermastprogramm einzusteigen, groß), sondern auch Nachfrage zu schaffen. Und da zeigt sich laut Royer aktuell auch großes Interesse des Gastro-Großhandels an „Kalb rosé“ aufgrund der anhaltenden Tiertransportdebatten in den letzten Monaten. Denn: nur 0,9 Prozent des Kalbfleisches wird über den Lebensmitteleinzelhandel abgesetzt. „Das Kalbswiener essen die Österreicher praktisch nur außer Haus“ so Royer.

Die Irrfahrten auf dem Weg zur Schlachtbank im Nahen Osten machen mich als Landwirtin traurig und wütend.

Simone Schmiedtbauer, EU-Parlamentarierin

Auf EU-Ebene wird für 2022 eine neue Tiertransportverordnung erwartet. Im EU-Parlament sitzen u. a. die heimischen Abgeordneten Thomas Waitz (Grüne) und Simone Schmiedtbauer (ÖVP) in einem Tiertransport-Ausschuss. Beide machten sich zuletzt für ein Verbot von Schlachttiertransporten in Drittstaaten stark. „Die Irrfahrten auf dem Weg zur Schlachtbank im Nahen Osten machen mich als Landwirtin traurig und wütend“, so Schmiedtbauer. Aber es wird wohl noch ein langer Weg, bis Konsens mit Exportländern wie Spanien herrscht.

Kommentare (5)
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Herzilein1103
1
5
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Scheinheilig

Warum stellt niemand die Frage wer am System der Tiertransporte verdient??? Solange die Landwirtschaftsministerin aus der Partei der Frächter und Raiffeisen Lobby kommt wird sich nichts ändern.

mulbrich
0
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Warum löst...

... man dieses Problem nicht an der Wurzel? Transporte von lebenden Tieren nur mehr bis in den nächstgelegenen Schlachthof. Kein Import von Schickimicki Fleisch für die Gastronomie.

griesbocha
8
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Das Schlachten von Jungtieren zum Verzehr ist für mich ein menschliches Unding.

Zur Diskussion um die Fleischfarbe und den Haltungsmethoden äußere ich mich besser nicht weiter...

Lilly2410
3
8
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Tiere die nur zum Leiden auf die Welt kommen!

Das stimmt absolut! Es fehlen den Menschen die ethischen Werte! Wenn man mit Gefühl und Achtung durch‘s Leben geht, kann man Fleisch, noch dazu von Tierbabys die so brutal behandelt werden wohl nicht mehr essen!

feringo
0
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Ändern Sie das System!

Herr Thomas Waitz, Frau Simone Schmiedtbauer u.a., bitte, kämpfen, kämpfen, kämpfen Sie gegen unnötige Tiertransporte. Sie lindern dadurch Tierleid und schützen das Klima durch weniger CO2-Ausstoß.