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Mit Impf-BeginnLandau fordert "Wiederaufbauplan für Österreich"

Der Caritas-Präsident fordert die Überarbeitung der Sozialhilfe, die Wiedereinführung der "Aktion 20.000" und eine Ausbildungsoffensive in der Pflege. Österreich soll Flüchtlingsfamilien aufnehmen.

Caritas-Präsident Michael Landau © APA/Helmut Fohringer
 

Caritas-Präsident Michael Landau fordert von der Regierung mit dem ersten Tag der Corona-Impfung einen "sozialen und wirtschaftlichen Wiederaufbauplan für Österreich". Darin enthalten sein sollen die grundlegende Überarbeitung des Sozialhilfegesetzes, mehr Mittel für den Arbeitsmarkt, wie etwa die Wiedereinführung der "Aktion 20.000", sowie eine Ausbildungsoffensive in der Pflege. Im APA-Interview plädierte er zudem für eine Rettungsaktion von geflüchteten Familien.

"Als Caritas sind wir Armutsexperten, nicht Steuerexperten", betonte Landau zwar, "aber aus der Erfahrung der täglichen Arbeit fordern wir ein erneuertes Solidaritätsversprechen für Österreich und eine Garantieerklärung der Bundesregierung, dass die Sanierung dieser Krise nicht auf dem Rücken von Kleinverdienern, Alleinerziehenden, kinderreichen Familien oder Menschen, die von Altersarmut betroffen sind, passieren darf." Solange Milliardenunternehmen wie etwa Amazon in Österreich keine oder fast keine Steuern zahlen, "möchte ich nicht mehr über die Höhe von Arbeitslosengeld, Notstandshilfe und Sozialhilfe diskutieren müssen".

"Wir werden deutlich mehr Mittel für die Schaffung von dringend benötigten Arbeitsplätzen und für arbeitsmarktpolitische Programme brauchen, darauf ist das AMS vorzubereiten", sagte Landau mit Blick auf den Arbeitsmarkt. Kurzarbeit und Qualifikationsoffensive gingen in die richtige Richtung. Der Caritas-Präsident kann sich aber auch einen "Beschäftigungsscheck" vorstellen. Diesen, etwa in der Höhe des Arbeitslosengeldes für ein Jahr, könnten Arbeitssuchende bei der Anstellung in einem Unternehmen einlösen. Auch die Wiederaufnahme der "Aktion 20.000" wäre ein "wichtiger Beitrag".

Sozialhilfegesetz für eine "würdige Existenz"

Ein zweiter zentraler Punkt ist für Landau "die grundlegende Überarbeitung des Sozialhilfegesetzes", sodass dieses tatsächlich wieder eine "würdige Existenz" sichert. "Unsere Wahrnehmung ist, dass die Probleme armutsbetroffener oder armutsgefährdeter Menschen dramatisch größer werden und eine schlechte Sozialhilfe kann diese nicht lösen. Unser Sozialstaat muss Menschen vor dem Absturz in bittere Armut schützen. Leider werden auch in diesem Winter über 100.000 Menschen vor der Frage stehen: Kann ich mir das Heizen noch leisten, oder reicht das Geld dann nicht mehr zum Essen." Der Caritas-Präsident erwartet sich im Zuge einer Reform Rücksicht auf kinderreiche Familien und "realistische Kostenannahmen beim Thema Wohnen".

In der Pflege ist es für Landau an der Zeit für eine Ausbildungsoffensive, wobei unterschiedliche Ausbildungswege, etwa auch für Quereinsteiger, gefragt seien. Zudem müsse in diesem Bereich die Eigenfinanzierung abgeschafft werden, denn: "Niemand würde auf die Idee kommen, für eine HTL ein Schulgeld zu verlangen." Auch höhere Gehälter und bessere Rahmenbedingungen für Pflegepersonal brauche es - "Applaus alleine reicht nicht aus". Und auch beim Pflegegeld sei es an der Zeit für eine echte Reform.

Auch für obdachlose Menschen ist die Coronakrise "ein absoluter Stresstest", berichtet Landau aus Erfahrungen der Caritas-Arbeit etwa im Marienstüberl in Graz oder der Gruft in Wien. "Die Zahl der Betroffenen ist derzeit noch relativ konstant, aber die Sorge, dass sie stark steigen könnte, ist leider mehr als berechtigt." Hilfreich sei der beschlossene Delogierungsstopp bis 2022, künftig werde man aber sehr genau darauf achten müssen, dass Ratenhöhen vereinbart werden, welchen armutsbetroffene Menschen tatsächlich nachkommen können.

Zumindest 100 Familien mit kleinen Kindern aufnehmen

Große Sorge bereitet dem Caritas-Chef weiterhin die Situation von geflüchteten Menschen, darunter viele Familien auf den griechischen Inseln. "Angesichts dieser Elendslager, Neugeborenen, die im Dreck und in nassen, kalten Zelten auf europäischem Boden leben müssen", bittet Landau die Regierung "inständig" um eine humanitäre Rettungsaktion: "Ich verkenne nicht, dass Österreich hier viel geleistet hat in der Vergangenheit. Aber ich appelliere hier angesichts dieser verzweifelten Herbergssuche an die Menschlichkeit der Verantwortlichen. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als unsere christlichen Werte, gerade jetzt zu Weihnachten." Gefragt wäre hier nicht nur die Wiederaufnahme des Resettlement-Programms. "Österreich sollte im Rahmen des bereits laufenden Programms von mehr als zehn EU Staaten zumindest 100 Familien mit kleinen Kindern aufnehmen."

Das Urteil des Verfassungsgerichtshofs (VfGH) zur Sterbehilfe bereitet Landau "persönlich große Sorge", dass der Druck auf alte und kranke Menschen nun steigen könnte. "Aus der Praxis der Hospizarbeit weiß ich, oft ist der Sterbe-Wunsch, der geäußert wird, ein Hilferuf der betroffenen Menschen, ein Ruf nach Zuwendung, Unterstützung, Nähe, Begleitung", so der Caritas-Präsident, der erneut einen flächendeckenden Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung fordert. Die Bundesregierung und der Gesetzgeber seien nun massiv gefordert, das Gesetz so zu gestalten, dass jeglicher Missbrauch verhindert wird.

Kommentare (7)
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leben123
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Caritas fordert Wiederaufbauplan für Österreich

Diese Wortmeldung vom Caritas-Boss ist wohl sehr verzichtend. Was glaubt er denn, was er damit erreichen kann? Er soll dort wirken, wo er hoffentlich etwas versteht, sonst soll er sich ruhig verhalten. Seine Privatmeinung interessiert wohl NIEMANDEN!!

calcit
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Ah, sind wir wieder so weit? Meinung verbieten.

Sie werden es aushalten müssen auch andere Meinungen zu hören. Wenn nicht - dann lesen sie es nicht, hören sie weg. Aber vielleicht hat er sie ja auch auf dem linken Fuß erwischt. Schlechtes Gewissen?

redniwo
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landau bitte

reden sie nur zu themen, die in die kirchenzeitung gehören. das stört dann nicht, denn die liest hoffentlich niemand

freeman666
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Kirche und Staat trennen

Die Einmischung der Kirche oder irgendwelcher Glaubensgemeinschaften hat noch in jedem Staat dieser Welt für Trauer und Leid gesorgt.
Erschreckend wie -speziell in Krisenzeiten- diverse Vertreter diverser Kirchen versuchen die Verunsicherung einfacher Menschen in Gewinne für die Kirchen umzuwandeln.

dude
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Wenn sich eine Kirche - egal welcher Konfession -...

... zu den Themen Armutsbekämpfung und Sterbehilfe NICHT einbringt, wäre dies eine grob fahrlässige Unterlassung!
Seine Meinung zu wesentlichen gesellschaftlichen Themen zu äußern und auch zu fordern hat rein gar nichts mit Vermischung von Kirche und Staat zu tun!
Denn eine politische Trennung von Staat und Kirche war, ist und wird immer wichtig bleiben!

georgXV
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Du weißt doch ...

dieser Herzjesukummerl fordert und fordert und fordert ....
Hat er von Pamela Rendi oder sie von ihm gelernt ?

unterhundert
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Warum gehen Sie immer auf die Fr. Pamela Randi los?

Diese frau ist die einzige, die weis, wie man einen Virus bekämpft, die auch immer Sachlich und ruhig die Sache erklärt. Sie ist in Ihren Kreisen eine angesehene Person in Sachen Pandemie. Ich, verstehe diese unbändige Häme an Fr. Dr. Pamela Randi Wagner nicht.