Armut, Einsamkeit, psychische ProblemeImmer mehr Österreicher leiden unter der Krise

Armut, Einsamkeit, psychische Probleme. Die Pandemie greift die Österreicher an vielen Fronten an. Alleinerziehende besonders gefährdet.

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Neben diesen existenziellen Sorgen kämpfen auch viele Österreicher zusätzlich mit den psychischen Folgen der Krise
Neben diesen existenziellen Sorgen kämpfen auch viele Österreicher zusätzlich mit den psychischen Folgen der Krise © Paolese - stock.adobe.com
 

Nach bald einem Jahr Corona-Pandemie zeigt sich, wie das Virus auch abseits körperlicher Gesundheit unser Leben bedroht. Armut, Einsamkeit und psychische Probleme treten – befeuert von Corona – nun noch deutlicher an die Oberfläche. Große Verliererinnen der Krise sind etwa die Alleinerzieherinnen. „Sie sind im Durchschnitt mit 15 Stunden Arbeit pro Tag die derzeit am stärksten Belasteten“, resümiert Andrea Czak, Obfrau des Vereins Feministische Alleinerzieherinnen.

Sie sind es auch, die große finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. „Corona hat die finanziellen Probleme für viele Alleinerzieherinnen massiv verstärkt. Der Kindesunterhalt wird gekürzt oder bleibt aus. Kindesväter, die die Arbeit verloren haben, zahlen nur mehr die Hälfte des Unterhalts, obwohl sie vielleicht Vermögen haben. Aber auf das Vermögen darf laut Gesetz nicht zugegriffen werden“, erläutert Czak weiter. Das habe Folgen: Jede zweite Alleinerzieherin ist armutsgefährdet. Vor der Coronakrise waren es zwar auch schon 44 Prozent, aber die Auswirkungen der Pandemie hätten die Situation noch einmal verschärft. Nun sei die Politik gefragt: Zur sozialen Absicherung sind laut Frauenring-Vorsitzender Klaudia Frieben mehrere Maßnahmen dringend nötig. So soll das Arbeitslosengeld auf 70 Prozent angehoben werden und für Alleinerzieherinnen soll es den Familienbonus in voller Höhe von 1500 Euro geben. Der Familienhärtefallfonds soll verlängert und die „Sozialhilfe neu“ zurückgenommen werden. Auch brauche es dringend Maßnahmen zur Anhebung der Eigenpension von Frauen wie die erweiterte Anrechnung der Kindererziehungszeiten und die kritische Überprüfung der Lebensdurchrechnung, die Frauen sehr benachteilige.

 

Alleinerzieherinnen sind die großen Verliererinnen der Krise.

Andrea Czak, Obfrau Verein Feministische Alleinerzieherinnen

Arbeitslosigkeit, Delegierungen


Aber nicht nur Frauen kämpfen mit zunehmenden finanziellen Nöten. An die 450.000 Österreicher sind derzeit arbeitslos. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe rechnet im kommenden Jahr – „spätestens im Herbst“ – mit einer großen Welle von Delogierungen. Die Belastungen für Menschen mit prekärer Arbeit habe sich noch zusätzlich verschärft. Sie werden häufiger arbeitslos und meistens nicht von den sozialen Sicherungsnetzen aufgefangen, so Bettina Haidinger von der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (Forba) und Johanna Neuhauser, Soziologin an der Universität Wien, am Donnerstag. Besonders betroffen sind oft Migranten.

Alleinerzieherinnen sind die großen Verliererinnen der Krise.

Andrea Czak, Obfrau Verein Feministische Alleinerzieherinnen

Einsamkeit


Neben diesen existenziellen Sorgen kämpfen auch viele Österreicher zusätzlich mit den psychischen Folgen der Krise. Studien aus dem ersten Shutdown zufolge sei der psychische Stress deutlich gestiegen, die Pandemie habe sich als Brandbeschleuniger eines bestehenden Problems erwiesen. Immer breitere Bevölkerungskreise sind betroffen: Jeder Zweite fühle sich einsam. Armut zähle dabei zu den zentralen Risikofaktoren, erläuterte Günter Klug, Präsident von pro mente Austria. Betroffen sind verstärkt auch hier Alleinerzieherinnen. Auch monatelanges Homeoffice oder Pensionierung kann das Problem drastisch verschärfen. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass heute die Hälfte der Bevölkerung in Städten in Einzelhaushalten oder als Alleinerzieher lebt, geraten viele in unfreiwillige Isolation, so Klug.


Corona: Wie verhalte ich mich richtig?

Wenn Sie bei sich Erkältungssymptome bemerken, dann gilt zunächst: zu Hause bleiben und Kontakte zu Mitmenschen meiden! Tritt zusätzlich Fieber auf oder verschlechtert sich der Zustand, dann sollte das Gesundheitstelefon 1450 angerufen werden. Bei allgemeinen Fragen wählen Sie bitte die Infoline Coronavirus der AGES: 0800 555 621 .
Die Nummer 1450 ist nur für Menschen mit Beschwerden! Es gilt: Zuerst immer telefonisch anfragen, niemals selbstständig mit einem Corona-Verdacht in Arztpraxis oder Krankenhaus gehen!

Coronavirus-Infopoint

Kommentare (13)
onyx
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Einsamkeit

Ein paar Worte meinerseits, die möglicherweise irritieren:

Persönlich war ich schon lange vor dieser Krise von Einsamkeit, Isolation sowie diversen psychiatrischen Diagnosen betroffen und ich habe sehr gelitten.
Kurioserweise hat mir vor allem der 1. Lockdown in psychischer Hinsicht geholfen, da ich mit der Einsamkeit plötzlich nicht mehr - gefühlsmäßig - komplett alleine war und die Themenbereiche Einsamkeit/Isolation sowie psychische Erkrankungen plötzlich in den Medien stark präsent wurden.

wkarne2
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Das stimmt!

Mir geht es mittlerweile echt schlecht. Es ist emotional echt schwierig.
Schön langsam reicht‘s wirklich.

KleineZeitung
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Beratung: Rasche Hilfe in Krisensituationen

Sehr geehrte/r wkarne2.
Wenn Sie oder ein Angehöriger sich in einer scheinbar ausweglosen Situation befinden, zögern Sie nicht, Hilfe anzunehmen bzw. anzubieten - oft ist eine Situation gar nicht so ausweglos, wie sie scheint. Links, Adressen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie hier: https://www.kleinezeitung.at/lebensart/gesundheit/4920479/Beratung_Rasche-Hilfe-in-Krisensituationen
Mit freundlichen Grüßen aus der Redaktion

tenke
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Wem es jetzt seelisch schlecht geht, dem ging es vor 1 Jahr nicht anders.

Nur wegen ein paar Monaten Krise erkrankt keiner an 'wirklichen' psychischen Erkrankungen. Nur ein bisschen genervt und deprimiert sein, weil man nicht alles wie gewohnt unternehmen kann, ist leider nicht viel mehr als Jammern auf hohem Niveau....

Civium
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Auf hohem

NIVEAU jammern vielleicht die die ihre Luxusreisen nicht antreten und Einkaufstrips nach London oder New York nicht machen können.
Sicher nicht der kleine Arbeiter , der vor die Tür gesetzt wurde!!

Civium
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Ja natürlich gibt es auch solche die auf hohem

Niveau jammern, das sind aber nur die
, die ihren Luxusreisen nicht antreten können und Luxusrestaurant's nicht besuchen können.
Aber sicher nicht Menschen die ihre Mieten für ihr bescheidenes Heim nicht mehr zahlen können.

Civium
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Ja natürlich gibt es auch solche die auf hohem

Niveau jammern, das sind aber nur die
, die ihren Luxusreisen nicht antreten können und Luxusrestaurant's nicht besuchen können.
Aber sicher nicht Menschen die ihre Mieten für ihr bescheidenes Heim nicht mehr zahlen können.

Civium
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Sie können den einzelnen Fall überhaupt nicht beurteilen und nicht alle jammern auf hohem

Niveau!!!

Viele haben ihren Job verloren und ihr Einkommen ist auf auf das Arbeitslosengeld geschrumpft!!
Arbeitslosengeld ist ist begrenzt und nicht so hoch wie ein Lohn der nicht nur ein Kollektivlohn ist.
Der Herr Blüml ersetzt nur den Betrieben ihr Einkommen , aber nicht den Arbeitnehmern!!

walterkaernten
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CHEFREDAKTEUR

Frage an den hauptverantwortlichen in der KLEINEN ZEITUNG

Wohin sind alle kommentare zu diesem artikel verschwunden ?

KleineZeitung
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Kommentare

Sehr geehrter walterkaernten,
wie Sie erkennen können, sind nicht alle Kommentare zu dem Artikel verschwunden. Wenn wir Kommentare unter diesem oder auch anderen Artikeln entfernen, dann nur, wenn sie gegen unsere Forenregeln (https://www.kleinezeitung.at/service/impressum/4771015/Kommentarfunktion-auf-Website-Apps_Forenregeln) verstoßen.
Mit freundlichen Grüßen aus der Redaktion

walterkaernten
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forenregeln

Frage an die Redaktion:

Ich habe heute früh bereits bei ihnen angerufen und gefragt warum mein Kommentar gelöscht wurde,
Wollte wissen, was gegen die regeln verstossen hat.
Mir wurde ein rückruf zugesagt.

Der obige Kommentar war in der früh ebenfalls nicht vorhanden. .

Wäre schön wenn ich eine info hätte was am kommentar falsch war.

KleineZeitung
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Forenregeln

Ihre Frage habe ich an die Kolleginnen und Kollegen weitergeleitet.
Mit freundlichen Grüßen,
die Redaktion

Ba.Ge.
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Sowas kommt manchmal vor.

Keine Ahnung wieso und halte ich nicht für sinnvoll 🤷🏼‍♀️
Würde mich über eine Antwort freuen.