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Urteil gefallenLandwirt muss wegen tödlicher Kuhattacke hohe Summe zahlen

Laut ORF Tirol wurde er zur Zahlung der geforderten 490.000 Euro verurteilt. Der Bauer will dagegen berufen.

Kuehe auf der Alm
© dpa
 

Das Urteil im Zivilprozess nach einer tödlichen Kuh-Attacke auf eine 45-jährige Deutsche im Juli 2014 im Tiroler Stubaital ist am Donnerstag ergangen. Dies berichtete der ORF Tirol. Demnach muss der vom Witwer beklagte Landwirt 490.000 Euro zahlen. Der Bauer will gegen das Urteil berufen.

Über die Urteilsbegründung war laut ORF Tirol zunächst nichts bekannt. Der Zivilprozess war vor rund zwei Wochen am Landesgericht Innsbruck zu Ende gegangen. Die Hinterbliebenen hatten den Landwirt auf Schadenersatz geklagt. Sie warfen ihm vor, gegen die Sorgfaltspflicht eines Tierhalters verstoßen zu haben.

Der Bauer hatte während des Prozesses mehrmals darauf verwiesen, dass er Hinweis- und Warnschilder, die auf die Mutterkuhhaltung aufmerksam machten, bei den Zugängen zu seiner Weide angebracht hatte. Der Anwalt des Witwers beharrte jedoch darauf, dass der Landwirt dazu verpflichtete gewesen wäre, die Tiere von der Straße fernzuhalten, da diese öffentlich ist.

"Lawine" für Tierhalter

In der Urteilsbegründung hieß es, dass der Bauer das Gebiet, in dem seine Kühe grasten, einzäunen hätte können. "Die Entscheidung wurde im Wesentlichen damit begründet, dass der Viehhalter den Weg abzäunen und so den Unfall hätte verhindern können", sagte der Anwalt des Landwirts, Ewald Jenewein, gegenüber dem ORF Tirol.

Jenewein sah mit dem Urteil, sollte es rechtskräftig werden, eine "Lawine von Folgen insbesondere für Viehhalter im alpinen Bereich". "Die freie Weide würde es dann nicht mehr geben, weil man dann jede Fläche von stärker frequentierten Wegen abzäunen muss. Und dann kommt noch das große Problem mit der Frage, ab wann ist ein Weg stärker frequentiert?", meinte Jenewein. Eine Folge daraus könnte sein, dass Landwirte ein Queren ihrer Gründe nicht mehr erlauben, so der Anwalt. Das freie Wegerecht nach dem Forstgesetz gelte nämlich nur für den Wald und nicht für freie Weideflächen.

Unglück im Pinnistal

Die 45-Jährige war am 28. Juli 2014 im Pinnistal, einem Seitental des Stubaitals, mit ihrem Hund auf einem Wanderweg unterwegs, als die Kühe plötzlich seitlich auf sie zuliefen. Die Frau wurde an Ort und Stelle rund 45 Minuten lang reanimiert, erlag jedoch ihren Verletzungen. Nach Angaben der Exekutive hatte es die Herde vermutlich auf den angeleinten Hund der Frau abgesehen. Das Tier soll sich laut einem Zeugen zuvor aber nicht aggressiv den Kühen gegenüber verhalten haben. Die Obduktionsergebnisse ergaben, dass die Deutsche zu Tode getrampelt wurde.

Die Staatsanwaltschaft hatte noch im Jahr 2014 die Ermittlungen gegen den Landwirt eingestellt.

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Danke für Ihr Verständnis.

47er
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Ich hoffe, der Bauernbund reagiert mit rigorosem Betretungsverbot, Durchfahrtsverbot

und weiteren mögliche Massnahmen, bis das irrsinnige Urteil in deren Sinn korrigiert wird. Da laufen oder fahren Leute geduldet über fremden Besitz und bei einem Unfall ist der Eigentümer haftbar, obwohl auf die Gefahr hingewiesen wird. Wenn zB. auf dem Grundstück des Richters jemand über den Zaun steigt und auf der anderen Seite hinunterfällt, dieses Urteil wäre als Gegenüberstellung interessant?

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dado
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Katasthrophe

Wo ist der Aufschrei vom Alpenverein, vom Tourismusverband, von Tierschutzvereinen........
Das kann nur bedeuten Tiere einzäunen ,Betretungsverbote, Grundstücke einzäunen,.Verbotsschilder alleine helfen anscheinend nichts. Jeder der Grund und Boden besitzt muss sich verbarrikadieren,sonst kann dich jemand ruinieren. Ich find das Urteil katastrophal!

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wischi_waschi
1
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Alm

Bin fast jedes Wochenende auf den Berg und in Sommer viel auf einer Alm. Früher waren auch noch meine beiden
Kinder dabei.
Für meine Kinder und ich war es ganz selbstverständlich
auf die Kühe , Lämmer oder Pferde , besonders wen Jungtiere dabei sind Rücksicht zu nehmen .
Ich, wundere mich nur mehr, jetzt haben wir schon "amerikanische Verhältnisse".

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dukostmi
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Da fehlen einem fast die Worte.

So tragisch dieser Fall auch ist, muss man ganz deutlich sagen: Niemand hat die Frau gezwungen, diesen Weg zu benutzen, noch dazu mit Hund. Trotz Warnschildern. Sich mit voller Absicht in Gefahr zu begeben oder diese zu ignorieren und dann noch jemanden anderen dafür verantwortlich machen. Was ist das nur für ein Richter?

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picciona1
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und die 490.000 sind noch nicht alles. da kommen noch die anwaltshonorare dazu.

und die gerichtskosten.
klingt bisschen nach existenz ruinierung. oder ist der bauer so reich?

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gigsi
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bei uns...

.. . im Almenland sind im Sommer die Kühe und Ochsen unter anderem auch auf der Straße... Dafür ist der Naturpark Almenland bekannt, die Alm gehört im Sommer den Kühen, Wanderer sind nur Gast auf den Weiden. Jeder sollte wissen, wie er sich verhalten sollte, ob zu Fuß oder im Auto.
So tragisch das Ganze auch ist, soll das Vieh nur mehr im Stall gehalten werden, bei uns gehören die Kühe zum Almbild dazu...…
Die Strafe in dieser Höhe finde ich unmöglich...

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mapem
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Vielleicht sollten wir Kalbinen vorher zu einem Einschulungsseminar schicken, bevor man sie auf die Alm treibt?!

„Korrektes Weideverhalten auf Almweiden mit Touristenbegegnung – Basis-Seminar 1“ … (Silbernes Euter-Zertifikat)
„Richtiges Verhalten bei Touristen mit Hundebegleitung – Basis-Seminar 2“ … (Goldenes Euter-Zertifikat)

Man könnte natürlich auch Kühe so zurechtklonen, dass sie keinen Beschützerinstinkt mehr haben.
Oder man stellt Attrappen ins Gelände, wo ein Motor mit dem Schwanz wedelt und ein Lautsprecher alle 30 Sekunden „Muh!“ macht.

Nein – mich wundern Pisa-Tests nicht mehr …
und bestimmtes Wählerverhalten auch nicht mehr …
und solche Urteile auch nicht mehr …

Und irgendwie hat man das Gefühl, dass etwas gerade zu Ende geht … diese Zeit, wo ein gewisses Maß an Vernunft und sonstigen humanistischen Selbstverständnissen ganz normal waren …

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Frieda60
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stimmt

Dein letzter Satz,- ja genauso denk ichs mir fast täglich. Was für eine Zeit,- einfach nur unsagbar traurig.

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hatip78
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Unfassbar

Da gibt es auf der einen Seite Bio bzw Tierwohlbestimmungen mit Verpflichtender Auslauf bzw. Weidehaltung und auf der anderen Seite kommt es zu solchen Urteilen.... Schön langsam sollte man sich überlegen ob man die Rinder oder die Urlauber von der Weide verbannen soll.

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mapem
2
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Sehr gut – bald haben wir dann die Alm-Festung …

„Durchgang verboten!“
„Privatgrund – Betreten verboten!“
„Durchgang verboten! … Zuwiderhandelnde werden wegen Besitzstörung zur Anzeige gebracht!“

Haha – und dann sitzens vor den Hotels und schauns rauf auf die Berge … und können den Kühen beim Weiden zusehen, wenn´s ein gutes Fernglas haben.

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Rundblick
0
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Almfestung!

Es ist KEINE Almfestung notwendig, NUR mit Hunden ist die Benützung eine zusätzliche GEFAHR! DAHER: Benützung auf EIGENE GEFAHR!

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brosinor
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Hoffnung

Ich hoffe dass der Empörungsschrei gegen dieses absurde Urteil laut genug ausfallen wird. So eine irrwitzige Entscheidung darf uns allen nicht egal sein, denn die nächsten sind wir!

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picciona1
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490.000 schadenersatz, obwohl die frau teilweise selbst schuld ist.

für mich jedenfalls ein klassischer fall von teilschuld.
zur österreichischen justiz habe ich schon länger kein vertrauen mehr.

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dukostmi
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Amerikanische Verhältnisse.

So ein Urteil könnte ein logisch denkender Richter nur fällen, wenn der Bauer seine Tiere in den Hundezwinger getrieben hätte. Und nicht umgekehrt.

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picciona1
44
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ps.

finde das urteil im staatsverweigererprozess auch ungerechtfertigt hoch.

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Civium
3
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Bauern

sollen ihren Privatbesitz als privat deklarieren und das betreten verbieten.
Wer es trotzdem tut haftet selbst dafür, die Tourismuswirtschaft könnte ja die Begehungsrechte mieten und dafür haften.
In Safariparks in Afrika spaziere ich ja auch nicht ohne Führung durch die Reviere von Löwen!

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UHBP
3
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@civi

"Wer es trotzdem tut haftet selbst dafür"
und bekommt noch eine Besitzstörungsklage obendrauf.

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schadstoffarm
30
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es ist eine öffentliche Straße

ihr Experden.

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mapem
4
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Natürlich, sowas ist sehr tragisch …

aber das weitere juristische Procedere beschreibt doch ziemlich gut den allgemeinen gesellschaftlichen Zustand. Hier wird einerseits die Tourismus-Industrie bedient – und andererseits der blitzdumme Will-Haben-Konsument.
Denn der will den Hund haben – der will natürlich Urlaub haben – der will die Natur haben inkl. liebe nette Rindviecherl – dort, wo er mit dem Rolfi geht, will er allerdings keinen Stress haben … es hat sich alles diesen Bedürfnissen unterzuordnen.

Und so beugt die Justiz evidente Naturgesetze – entlässt den einzelnen aus seiner Eigenverantwortung – protegiert die Tourismus-Industrie – und prügelt in dieser Kette das offenbar schwächste Glied, das sich dort nicht nur in seiner unmittelbaren existenziellen Abhängigkeit befindet, sondern mit seinen Viecherln ansonsten für´s nette alpine Deko sorgen soll …

290.000 Euro! … Spiegelbild einer wohl schon vollkommen abgefahrenen und dekadenten Will-Haben-Konsum-Gesellschaft.

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Frieda60
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:-(

490.000,-- !!! "Spiegelbild einer wohl schon vollkommen abgefahrenen und dekadenten Will-Haben-KOnsumgesellschaft die das Wort Eigenverantwortung überhaupt nicht mehr kennt. :-(

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mapem
2
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Tatsächlich, Frieda ...

da steht ja ein 4er vorne ... noch absurder ...

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Foks
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Hausverstand

In den Kommentaren zeigt sich wie hoch das Verständnis für ein derartiges Urteil ist: Das es sich hierbei um kein objektives Urteil handelt ist eindeutig und zeigt wieder wie subjektiv ein Gericht seine Entscheidungen fällt. Die Rechtssprechung sollte eigentlich allen jenen dienen welche sich gegen fehlenden Hausverstand, Dummheit und Unvernunft schützen können.

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beneathome
1
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Weltfremde Gesellschaft oder Tourismuswahn

Tirol ist ja offensichtlich dem Geld der Touristen sehr zugeneigt. Da darf es wahrscheinlich kein Urteil gegen unsere intelligenten Besucher geben. Besser gegen unsere Einwohner urteilen. Da passiert ja eh nichts.
Unsere Richter sind in vielen Belangen weltfremd. Das schlägt dem Fass aber den Boden heraus.
Ich schlage den Bauern vor, alle Kühe in das Justizministerium nach Wien auf einen Benimmkurs zu schicken. Unsere Richter sind als Beamte wahrscheinlich nicht mehr lehrbar.

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Prutschw
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Das römische Reich

ist nicht wegen der Barbaren untergegangen, sondern wegen der vielen Juristen...

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Aleksandar
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Tragisch, aber

1. Geht jemand mit einem Hund an Kühen vorbei, ist mit einer "Kuhattacke" zu rechnen, da die Kühe Angst um ihre Kälber haben.
2. Kühe sind relativ groß und somit nicht leicht zu übersehen. Man mache einen entsprechend großen Umweg um Kuhherden.
Ich halte das Urteil für äußerst bedenklich, so tragisch der Vorfall auch ist. Wenn ich eine Wanderung über Wiesen oder Almen, auf denen Kühe weiden, mache, bin ich eigentlich selbst für mein Tun verantwortlich.
Die Folge wird sein, dass in Hinkunft das Wandern äußerst eingeschränkt werden wird müssen. Mutterkühe schützen ihre Kälber. Das ist natürlich und wichtig. Die Folge, die dieses Urteil nach sich ziehen wird (so es aufrecht bleibt): Ausnahmsloses Betretungsverbot von Weideflächen.
Also: So tragisch der Fall auch ist: Faktum ist: Eine Urlauberin hat mit (zwar vorbildlich angeleintem) Hund Mutterkühe verunsichert. Diese haben aus Furcht um ihre Kälber den Hund vertreiben wollen. Niemandem ist ein Vorwurf zu machen. Es bleibt immer ein Risiko, auch wenn man sich vorbildlich verhält. Dem Bauern ist zu wünschen, dass er mit der Berufung Erfolg hat.

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masterplan2k12
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Der Richter

gehört sofort entlassen.
Alternativ, so blöd es für alle (mich inklusive) wäre, kann man das Wegerecht auf den Almen einschränken.

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