Früher war es ein Arme-Leute-Essen, ein „Snack“ der Fischer, heute eine gefragte Delikatesse und ein einträgliches Geschäft, vor allem auf illegalen Märkten. Die Rede ist von Seeigeln, die zum weltweiten Foodtrend wurden und bei der Begehrlichkeit unter Feinschmeckern mittlerweile Austern und Hummer hinter sich gelassen haben.

In Kroatien sind die Stachelhäuter durch Fangquoten streng geschützt. Die Polizei von Zadar vermeldete kürzlich, dass zwei Taucher der Wilderei überführt und angezeigt wurden. Sie sollen an einem Tag 3200 Seeigel gesammelt haben. Diese Fälle würden sich häufen, weil die Nachfrage nach den wirbellosen Meerestieren, speziell von Restaurants in Italien, das Angebot längst übersteige.

Teure Delikatesse

Fischer und Taucher mit Lizenz dürfen in Kroatien maximal 300 Kilogramm der geschützten Tiere sammeln und verkaufen. Etwa vier Euro bekommen sie pro Kilo des Fangs. Schöpfen sie ihre Fangquote legal aus, sind das gut 1.200 Euro. am Tag. Kulinarisch gefragt ist vor allem der Schwarze Seeigel (Arbacia lixula). Auf Märkten wird er dann um das Vielfache zum Kauf angeboten, je nach Qualität und Herkunft werden für ein Kilo 30 bis 50 Euro fällig. Serviert am Teller eines italienischen Restaurants, kostet die Portion der Delikatesse „Ricci di mare“ nicht selten auch weit über 100 Euro. Gegessen werden die orangefarbenen Keimdrüsen, auch Zungen genannt.

Weltweit schwappte der Foodtrend aus Japan über, wo der Seeigel, dort „Uni“ genannt, als Sashimi oder Bestandteil von Sushi schon immer als besondere Delikatesse galt. In Japan, Korea und den USA übersteigt die Nachfrage schon länger das Angebot, Seeigel werden dort massenhaft aus Chile importiert. In Frankreich und Spanien haben Seeigel am Speiseteller ebenfalls eine lange Tradition, auch hier gibt es strenge Fangquoten und steigenden Bedarf in den Restaurants.

Ökosystem in Gefahr

An vielen Stellen der kroatischen Adria könne sich die Population mittlerweile nicht mehr regenerieren, warnt Ljiljana Iveša vom Zentrum für Meeresforschung in Rovinj im Interview mit dem kroatischen Sender HRT: „Mittlerweile werden schon sehr kleine Exemplare entnommen, es sind Jungtiere und dadurch wird der Bestand vernichtet.“ Seeigel werden auch als „Gärtner der Meere“ bezeichnet, denn sie fressen Algen, die ansonsten Korallen überwuchern und ersticken würden. Außerdem sind sie für viele Meeresbewohner eine wichtige Nahrungsquelle.

Der Biologe Hrvoje Čižmek erklärt, dass viele der lizenzierten Fischer in Kroatien an den üblichen Stellen keine Seeigel mehr finden würden. Die Meeresforscher in Kroatien bedauern, dass es bis heute keine *ausreichende* systematische Überwachung und kein *effektives* Schutzsystem für Seeigel in Kroatien gibt. Man könne sich ausschließlich auf die Durchsetzung des Rechts durch die Polizei verlassen, um die Seeigel vor Wilderei zu schützen.