Es war eine Geschichte, die für Aufregung sorgte: Die Zahl der Waffen in Österreich steigt. Wie ein Blick ins Waffenregister zeigt, waren mit 1. Mai mehr als 1,5 Millionen Revolver, Pistolen und Gewehre gemeldet. In der Steiermark sind es etwas mehr als 212.000 Waffen, in Kärnten mehr als 100.000. Auch die Zahl der Waffenbesitzer hat sich erhöht, beläuft sich auf etwa 370.000. Vor zehn Jahren waren es noch 70.000 weniger.

Anhand dieser Zahlen drängt sich die Frage auf: Rüstet Österreich auf? „Nein“, sagt Hans Wertgarner zur Kleinen Zeitung. „Diese Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Wegen einer Novellierung des Waffengesetzes mussten alle Flinten, die bis 2019 nicht registrierungspflichtig waren, nachgemeldet werden. Österreich ist also seit jeher ein Land vieler Waffen. Die Haus- und Hofflinte ist präsent. Im Waffenregister gibt es mehr Waffen, aber es ist nicht verifiziert, ob es neue Waffen sind.“

Das Team Wertgarner 1820: Andraz Mihelin, Victoria Wertgarner, Herbert Wertgarner, Michael Goluch (v.l.)
Das Team Wertgarner 1820: Andraz Mihelin, Victoria Wertgarner, Herbert Wertgarner, Michael Goluch (v.l.) © Privat

Hans Wertgarner ist Landesinnungsmeister des Waffenhandels in Oberösterreich, Büchsenmacher, und betreibt in siebter Generation Wertgarner 1820, ein bereits über 200 Jahre bestehendes Waffengeschäft mit Standorten in Enns und in Wien.

Die Coronakrise, der Ukrainekrieg, Terroranschläge, eine globale Zeitenwende verunsichert die Menschen. Dass deshalb mehr Menschen mit dem Motiv, ihr Eigenheim schützen zu wollen, Waffen kaufen, kann Wertgarner anhand seiner Klientel nicht bestätigen. „Unser Kundenprofil hat sich verändert. Der Großteil sind Jungjäger und dann kommen schon Sportschützen und da steigt der Frauenanteil auf 30 bis 40 Prozent. Das sind oft Paare, die bewusst die Waffenbesitzkarte gemeinsam erwerben und gemeinsam auf den Schießstand gehen“, sagt Wertgarner.

Menschen, die sich selbst verteidigen wollen, sind die dritte, seltenste Gruppe. „Zu diesem Zweck gibt es bessere Alternativen. Da hängt man sich lieber einen Pfefferspray neben den Feuerlöscher zu Hause. Man muss den Leuten bewusst machen, was das für eine Verantwortung bedeutet. Eine Haus- und Hofverteidigung mit Schusswaffen ist nicht die Lösung.“

Österreich hat eine lange Waffentradition. Hersteller wie Steyr Arms und Glock gehören zu den größten Exportnationen von Schusswaffen. Österreich hat eines der liberalsten Waffengesetze Europas. Und geht es nach Hans Wertgarner, sollte die Politik daran auch nichts ändern. „Die Zahl der Gewaltdelikte mit legalen Schusswaffen steigt nicht. Selbst wenn wir ein generelles Waffenverbot erlassen würden, gäbe es weiter Anschläge“, sagt Wertgarner.

Umfangreiche Jagdprüfung

Ein psychologisches Gutachten und eine Einführung für die richtige Handhabung der Waffe sei im Zuge des Erwerbs einer Waffenbesitzkarte laut Wertgarner ausreichend. Einmal im Monat bietet sein Geschäft diesen Waffenführerschein im Haus an und das Angebot werde gut angenommen.

Langwaffen wie Büchsen oder Flinten (Kategorie C) kann man in Österreich – im Gegensatz zu Pistolen oder Revolvern (Kategorie B) – ohne Eignung kaufen. Das betrifft meist Jäger, „und die müssen sehr wohl eine umfangreiche Jagdprüfung ablegen“, sagt Wertgarner. Dabei gilt es unter anderem, drei Schuss auf eine Zielscheibe abzugeben und zwei fliegende Tontauben zu treffen.

Femizide mit Schusswaffen

Die Grünen halten dagegen, dass die Gewaltdelikte mit legalen Schusswaffen insgesamt zwar nicht gestiegen seien, aber der Anteil der Frauen, die mit solchen ermordet worden sind, sehr wohl. Waren es in den Jahren 2016 und 2017 noch ein beziehungsweise zwei Frauenmorde mit Schusswaffen, so waren es 2022 und 2023 vier bzw. fünf. Die Grünen fordern, dass sich Waffenbesitzer regelmäßig, alle fünf Jahre einer Verlässlichkeitsüberprüfung unterziehen müssen.

Wertgarner sieht in der überwältigenden Mehrheit verantwortungsbewusste Waffenbesitzer, die ihr Gerät sicher verwahren: „Fast alle Femizide passieren mit anderen Waffen als legalen Schusswaffen.“