Wie eine nicht aufzuhaltende Laufmasche fressen sich Verluste durch die Bilanzen der beiden größten heimischen Strumpfhersteller. Sowohl bei Palmers als auch bei Wolford war die betriebswirtschaftliche Trendfarbe in den vergangenen Jahren ein kräftiges Rot. Beide Fälle gehen auch als unternehmerische Corona-Opfer durch. Das ohnehin rückläufige Geschäft brach während der Pandemie völlig ein und erholte sich nie mehr.
So musste Palmers – 110 Jahre nach der Unternehmensgründung – im Februar Insolvenz anmelden. Die Gesamtverbindlichkeiten hatten sich zuletzt auf 51 Millionen Euro summiert. Der Wäschehersteller, bekannt auch für seine Aufmerksamkeit erregenden Werbekampagnen, stieg kurzfristig und erfolglos ins Geschäft mit Corona-Schutzmasken ein (die damit befasste Tochterfirma schlitterte bereits 2024 in die Insolvenz). Man zog sich aus einigen Märkten in Osteuropa zurück und scheiterte schließlich auch mit einem Crowdfunding-Projekt, das eigentlich zur Rettung beitragen hätte sollen. Bis heute kämpft man mit rückläufigen Umsätzen, muss Personal abbauen und Filialen schließen. Am Donnerstag nach Ostern steht der nächste Termin im Sanierungsverfahren an.
Ganz so schlimm läuft es beim vor 75 Jahren in Vorarlberg gegründeten Mitbewerber Wolford nicht. Von einem zufriedenstellenden Geschäftsverlauf ist man aber ebenfalls meilenweit entfernt. Selbst der Verkauf des Stammsitzes in Bregenz 2020 brachte nur kurzfristig Entspannung. Auch bei Wolford hat Corona tiefe Spuren hinterlassen. Das Onlinegeschäft konnte das Minus im weltweiten stationären Handel – auch im Mutterland des mittlerweile chinesischen Mehrheitseigentümers – nur bedingt ausgleichen. Die für 2021 angekündigte Rückkehr in die Gewinnzone lässt weiter auf sich warten, der versprochene „robuste Restrukturierungsplan“ greift nicht. So brach der Umsatz allein 2024 um 30 Prozent ein. „Für uns ist der Status quo stets eine Herausforderung. Wir haben uns auf eine epische Odyssee begeben“, heißt es im firmeneigenen Manifest. Damit ist eigentlich die Designlinie gemeint. Jetzt gilt die Motivationsphrase auch für das (zuletzt rasant wechselnde) Management.