Jetzt wird’s ernst: Ex-Kanzler Sebastian Kurz investiert erstmals in eine Almgemeinde. Konkret geht es um eine Jausenstation mit Übernachtungsmöglichkeiten mitten in Alpen, in Hüttschlag.

Viel tut sich dort für gewöhnlich nicht. „Wir sind eine beschauliche Gemeinde, klein, aber dann doch mit einem netten Tourismusangebot“, sagt Heinrich Aichhorn, Amtsleiter der Gemeinde im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Dass Sebastian Kurz nun im 900-Einwohner-Ort investiert, sei derzeit noch kein großes Thema im malerischen Bergdorf im Salzburger Pongau. Aichhorn verweist auf den Bürgermeister, der aber am heutigen Mittwoch nicht für ein Gespräch zur Verfügung steht.

Idyllisches Bergdorf zieht Sebastian Kurz an

Die Szenerie in Hüttschlag lässt sich doch trotzdem gut beschreiben: majestätische Gipfel, saftige Wiesen, urige Berghütten und klare Gebirgsbäche. Es ist ein fast klischeehafter Ort, der wohl Sinnbild für die Außenwirkung von Österreich in anderen Ländern sein könnte. Perfekt übrigens für Wanderer, Naturliebhaber, die die Ruhe suchen – in einem Rückzugsort in den Bergen.

Vielleicht kommt das Investment von Sebastian Kurz gerade aufgrund der Idylle nicht ganz überraschend. So berichtet Aichhorn, dass der ehemalige Bundeskanzler bereits selbst mehrmals in der Gemeinde war. „Er hat hier immer wieder Erholungsurlaube verbracht“, erzählt der Gemeindebedienstete. Abgeschieden von der großen touristischen Welt wäre es in Hüttschlag noch ruhig. Skilifte gibt es im Ort keine, dafür ist die Lage in den Alpen ideal für Tourenskigeher.

Bis zu 50.000 Nächtigungen – und jetzt kommt Sebastian Kurz

Bis zu 50.000 Nächtigungen hat die Gemeinde im Jahr. Winter- sowie Sommertouristen zieht der Ort an. Die Berghütten, die früher ausschließlich für die Viehwirtschaft gedacht wurden, werden mittlerweile vermehrt touristisch genutzt.

Die großen Luxus-Hotels sucht man hier jedoch vergeblich. „Wir haben beschauliche und gemütliche Unterkünfte, auch etwas Hochpreisigeres, aber nicht den ganz großen Luxus“, sagt Aichhorn.

Sebastian Kurz plant offenbar kein neues Luxus-Ressort

Den will auch Sebastian Kurz offenbar nicht in die Gemeinde bringen. Im malerischen Talschluss ist er über eine Gesellschaft ab sofort Miteigentümer einer vormaligen Jausenstation mit Bauernladen und Zimmern. Die Vorbesitzerin bestätigt den Verkauf der Immobilie, sie habe bisher nicht mit Kurz, sondern ausschließlich mit seinem Partner zu tun gehabt. Den Namen seines Mitgesellschafters hat der Alt-Kanzler bisher nicht genannt.

Wie viel sich für Hüttschlag durch den prominenten Investor ändert, ist offen. Seit Jahren pflegt man jedoch eine enge Partnerschaft mit der Gemeinde Großarl, mit der man gemeinsam den Tourismus managt. Tagestouristen kommen zumeist ohnehin aus der Umgebung, wer über Nacht bleibt, hat vermehrt einen deutschen Reisepass.

Sebastian Kurz baut sein Business-Netzwerk weiter aus

Für Kurz ist das Investment in den beschaulichen Tourismusort nicht das erste Unterfangen in seiner Zeit als Bundeskanzler außer Dienst. Seit 2022 arbeitet er auch für den emiratischen Ölkonzern Abu Dhabi National Oil Company, für den Staatsfonds Mubadala sowie für die Informationssicherheitsfirma Dream Security, an der er auch beteiligt ist. Geschäftlich habe Kurz darüber hinaus in Deutschland im Bereich Wohnimmobilien und in einen touristischen Fonds investiert.

Das wirtschaftliche Wirken des Ex-Kanzlers dürfte erfolgreich sein. Seine SK Management GmbH etwa wies zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2023 einen Bilanzgewinn samt Gewinnvortrag von 5,9 Millionen Euro aus. Ob und in welche weiteren Betriebe im Pongau er und sein Partner investieren wollen, lässt der ehemalige ÖVP-Chef offen.