Im August 1996 - während der Dreharbeiten zu James Camerons Blockbuster Titanic - ereignete sich ein Vorfall, der bis heute als eines der rätselhaftesten Kapitel der Filmgeschichte gilt. Auf dem Filmset in Halifa nahmen rund 80 Crewmitglieder eine Mahlzeit ein, bei der sie Fisch- bzw. Meeresfrüchte-Suppe (oft als „Chowder“ beschrieben) serviert bekamen. Kurz danach traten dramatische Symptome auf: Menschen begannen zu halluzinieren, liefen ziellos umher, euphorische Ausbrüche wechselten mit Panik, manche stürzten zu Boden.

Erster Verdacht: Lebensmittelvergiftung?

Zunächst hielten viele Anwesende das Geschehen für eine klassische Lebensmittelvergiftung. Regisseur James Cameron erinnerte sich später, dass er dachte, es könne sich um eine paralytische Schalentiervergiftung handeln - ein bekanntes Risiko bei falscher Lagerung oder Zubereitung von Meeresfrüchten. Doch auch sein Zustand verschlechterte sich rasch: Er musste sich übergeben. Andere Crewmitglieder beschrieben, wie sich innerhalb von wenigen Minuten nach dem Essen Augen rot gefärbt hätten, das Verhalten der Crewmitglieder sei „nicht normal“ gewesen.

„Leute waren wirklich high!“

Viele Betroffene wurden ins Dartmouth General Hospital gebracht. Dort berichteten Ärzte später von Patienten, die stark erregt oder benommen waren, manche in Rollstühlen, andere mit seltsamen Bewegungen oder konvulsionsartigen Zuckungen. Laut Aussage eines behandelnden Arztes „waren diese Leute wirklich high - sie hatten absolut keine Ahnung, was mit ihnen los war.“

Toxikologische Analysen brachten schließlich Licht ins Dunkel: In der Suppe wurde Phencyclidin (PCP) nachgewiesen, auch bekannt als „Angel Dust“. Die Droge kann Halluzinationen, Paranoia und Bewusstseinsveränderungen hervorrufen.

Suche nach dem Täter

Das wohl größte Rätsel bis heute ist: Wer mischte das PCP in die Suppe - und warum? Offizielle Ermittlungen wurden von der Polizei in Halifax aufgenommen. Doch trotz intensiver Untersuchung über rund zweieinhalb Jahre wurde kein Verdächtiger eindeutig identifiziert. Im Februar 1999 wurde das Verfahren schließlich eingestellt.

Theorien kursieren bis heute

Spekulationen über die Hintergründe laufen bis heute auf Hochtouren. James Cameron vermutete, dass ein entlassener Crew-Mitarbeiter oder jemand, der Streit mit der Cateringfirma hatte, dahintersteckt. Einige berichten, dass jemand aus dem Küchenteam verärgert gewesen sein könnte. Andere meinen, dass es ursprünglich als Scherz gedacht gewesen sei, „eine Party, die aus dem Ruder lief“. Die Cateringfirma, die damals für das Essen zuständig war, wies jedenfalls jede Verantwortung zurück und erklärte, ihre Mitarbeiter hätten mit der Sache nichts zu tun.

Jahrelang lag der Fall in der Versenkung. Doch laut Berichten könnte sich das ändern: Die Informations- und Datenschutzkommissarin von Nova Scotia, Tricia Ralph, erließ eine Verfügung, die Polizei müsse unzensierte Zeugenberichte und den Vollbericht zum Vorfall veröffentlichen. Damit besteht zumindest die Hoffnung, dass nach fast drei Jahrzehnten neue Erkenntnisse ans Licht kommen und das Rätsel wenigstens teilweise gelöst werden könnte.