Über Jahre hinweg wurde das Abstellen von Motorrädern an Fahrradabstellplätzen in Graz toleriert, seit wenigen Wochen greift das städtische Parkraumservice härter durch. Wegen zunehmender Beschwerden gehe man jetzt schärfer vor - die Strafe bei Verstößen beträgt 25 Euro. Erlaubt ist das Parken von Motorrädern mit weißem Kennzeichen bei gekennzeichneten Radabstellplätzen mit Radbügeln eigentlich nur dann, wenn ein blaues Verkehrszeichen mit der Aufschrift „P Einspurige“ angebracht ist - in Graz nur noch selten zu finden.
Die Fläche innerhalb der weißen Bodenmarkierungen gelte als Gehsteig, erklärt die Stadt Graz. Motorfahrräder wiederum, die eine rote Nummerntafel haben, sind rechtlich mit Fahrrädern gleichgestellt und dürfen Radabstellflächen nutzen. Der „Aktion scharf“ sei jedenfalls „keine Weisung“ vorangegangen, versichert Thomas Lambauer, Bereichsleiter beim Grazer Parkraumservice.
Gewöhnungseffekte eingetreten
Das Thema ruft auch das Forum der Kleinen Zeitung auf den Plan. Viele User kommentieren, nur wenige können das Vorgehen in Graz nachvollziehen. „Nachdem die Stadt Graz über viele Jahre das Parken von Motorrädern in Fahrradzonen toleriert hat und dadurch Gewöhnungseffekte eingetreten sind, wäre es angebracht gewesen, die Änderung bekannt zu geben, bevor man abstraft“, schreibt „HaraldR27“. „Wenn man es jahrelang toleriert hat, hätte man auch erstmal einfach einen Hinweis hinterlegen können“, stimmt „Fußnotenfuchs“ überein.
„Toll, Motorradfahrer werden plötzlich und ohne Vorwarnung für Parken neben Fahrrädern bestraft“, ärgert sich auch „blackpanther“. In anderen Städten werde der Motorradverkehr gefördert, in Graz seien Motorräder „jetzt auch Feinde der Stadt geworden“. Man müsse mehr Parkflächen für Motorräder schaffen, so „blackpanther“: „Musterbeispiel dafür ist der Murpark.“
„Das ist verfehlte Verkehrspolitik“
„tscharlie59“ wünscht sich eine Verkehrspolitik nach dem Vorbild von italienischen Städten wie Triest, „wo ganze Straßenzüge für solche Fahrzeuge vorgesehen sind. Parkflächen ausschließlich für Fahrräder vorzusehen, ist verfehlte Verkehrspolitik.“
Einige Nutzer betonen außerdem, Motorräder seien neben öffentlichem Verkehr und Radverkehr eine sinnvolle Alternative zu Pkw. „Jedes, wirklich jedes einspurige Vehikel ist besser als ein Auto“, hält „Wertstoff“ fest, „mich als Radler haben die motorisierten Kollegen beim Parken noch nie behindert“.
„Einfach die StVO beachten“
Ähnlich sieht das „Dave72_1“ und fordert, die betroffenen Abstellflächen „schnellstmöglich“ zu adaptieren: „Weil wenn es die Mopeds nicht gäbe, gäbe es noch mehr Autos und Parkplatznot. Noch mehr Menschen würden in die Einkaufszentren vor der Stadt flüchten und die Geschäfte und Lokale der Innenstadt hätten noch mehr zu kämpfen.“
Auf der anderen Seite zeigen sich in den Kommentaren aber auch vereinzelt Gegenstimmen. „Espresso1“ findet das strengere Vorgehen „sehr gut. Die glauben sowieso, sie können sich alles erlauben im Verkehrsraum.“ User „Ise55“ schreibt: „Motorräder brauchen doppelt so viel Fläche wie normale Fahrräder“, daher müsse man Autoparkplätze in der Stadt in Motorrad-Stellplätze umfunktionieren.
Gerhard Leiss rät in einem Kommentar auf Facebook: „Einfach die StVO beachten. Ein Moped oder Motorrad ist eben kein Fahrrad und hat dort nichts zu suchen.“ Auch Silke Edlinger kann die Aufregung nicht verstehen: „Ich bin selbst Motorradfahrer. (...) Auf Radabstellplätzen und Gehsteigen dürfen wir nicht stehen, das ist halt so in der StVO geregelt.“ Sie würde sich aber mehr Abstellplätze wünschen.