Es hat sich ausgezaubert, mit der Magie des Orients: Seit Ende Februar herrscht Krieg in Nahost, auch beliebte Urlaubsdestinationen sind betroffen – dort gelten nun strenge Reisewarnungen, zudem wurde der Flugverkehr über das Kriegsgebiet weitgehend eingestellt. Obwohl bereits zahlreiche Österreicherinnen und Österreicher mit Charterflügen des Außenministeriums aus direkt betroffenen Regionen zurückgeholt wurden, sind noch zahlreiche Menschen gestrandet.
Betroffene Urlauber berichteten gegenüber der Kleinen Zeitung von ihren Erfahrungen: Für das Kalsdorfer Ehepaar Anita und Rene Oblak wurde der Traumurlaub in Doha zum Horrortrip. Der Versuch, von der Kreuzfahrt heimzukehren, scheiterte anfangs: „Wir sind noch mit dem Flieger gestartet, aber dann nach Doha umgekehrt und zurück zum Schiff gebracht worden.“ Mittlerweile konnten sie mithilfe des Reiseveranstalters TUI heimgebracht werden.
Doch nicht nur Steirer strandeten in ihrem Urlaub direkt im Kriegsgebiet. Hannes (74) und Karin Moscher (54) aus Leoben hingen nach zwei Wochen Kulturreise in Indien gleich elf weitere Tage in einem Hotel an der Peripherie von Delhi fest und fühlten sich allein gelassen.
„Jeder ist für sich selbst verantwortlich“
Das Verständnis für die Ängste und Hilflosigkeit der österreichischen Urlauber hielt sich im Kleine-Zeitung-Forum unterdessen in Grenzen. Zahlreiche Foristen appellieren an Eigenverantwortung - besonders, wenn man in Regionen mit angespannter politischer Lage auf Urlaub fährt. „Zeitgenosse“ schreibt: „Jeder ist für sich selbst verantwortlich, wenn man erwachsen ist und ein Flugzeug oder Superdampfer betritt und überhaupt in Gegenden der Erde, wo es angespannte politische Kontroversen gibt!“
Das Außenministerium hatte viele Urlauber aus unmittelbar betroffenen Kriegsgebieten geholt. Auch zahlreiche andere Menschen hätten sich ebenso Hilfe erwartet. Den Anspruch auf Unterstützung dürfe man jedoch angesichts der kritischen Lage nicht als selbstverständlich erachten, meint „dottore.mk“: „(...) Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sich die Herrschaften, die allesamt nach ihren Luxusreisen gestrandet sind, (darüber) bewusst waren, dass es sich hier um Krieg und nicht um einen Streik oder einen Buchungsfehler der Reisegesellschaft gehandelt hat. In unserer All-inclusive-Gesellschaft mit Anspruch auf Entschädigung jeglicher Art haben wir die Eigenverantwortung aus dem Blickfeld verloren. Und dass nicht jeder Einzelne der 180.000 Österreicher adäquate Hilfe vom weit entfernten Staat bekommen hat, sollte man im Rahmen einer so komplexen globalen Krise versuchen zu verstehen.“
„An alle, die urlaubsbedingt dort sind: selbst schuld!“
Wenig Verständnis gibt es vor allem für gestrandete Urlauber - also jene, die sich nicht aus beruflichen oder anderen verpflichtenden Gründen in oder um das Kriegsgebiet aufgehalten haben. Das findet auch „JJJ22“: „An alle, die bloß urlaubsbedingt dort sind/waren: selbst schuld! Dass es dort knallen wird, war auf Wochen (!) absehbar. Personen, die beruflich dort waren, bekommen die Kosten der Heimreise ohnehin von ihrem Dienstgeber ersetzt. So what?“
Auch „Dave72_1“ zeigt sich wenig einsichtig, den österreichischen Urlaubern zu helfen: „Warum sollte die Heimreise vom Steuerzahler finanziert werden? Diese Vollkasko-Mentalität auf Kosten anderer ist unerträglich. Dass es in dieser Region Spannungen gibt, wusste man vorher“. Ähnlich siehtes „Zooropa“: „Die Reisenden sollten halt nicht glauben, dass das Außenministerium ein Reisebüro oder eine Filiale einer Reiseversicherung ist“.
Viele Reisende würden angesichts der heiklen Situation völlig falsche Erwartungen haben, meint „Baldur1981“: „Jammern auf hohem Niveau. In so einer Situation kann man als Tourist nicht erwarten, sofort evakuiert zu werden. Die Vollkasko-Mentalität ist lächerlich.“
„So einen Urlaub bucht man nicht von heute auf morgen!“
Einige Userinnen und User haben Verständnis für die Gestrandeten. Dass viele sehr unverhofft in die missliche Lage geraten sind, verteidigt „ehofer“: „So einen Urlaub bucht man nicht von heute auf morgen! Der Urlaub wurde vermutlich im Herbst gebucht und dann freut man sich auf den März (...).“
Dem Unmut hält auch „Koli“ entgegen: „Anscheinend sind hier ein paar Neider im Forum unterwegs! Es gab Reisewarnungen - nur mal so viel dazu! Und ja, auch wir werden wieder nach Dubai fliegen, wenn es die Situation wieder zulässt! Und wenn nicht, dann gibt es noch genügend andere schöne Destinationen auf der Welt!“
Mehr Empathie kommt auch von „pippo1988“: „Wenn die Rückflüge gestrichen werden aufgrund der Situation, egal von wo, kann ja auch sein, dass der Rückflug über diese gefährliche Zone geht, dann wäre ich als Österreicher durchaus froh, wenn man dabei unterstützt wird vom eigenen Land (...)“.