Brauchtumspflege wird in vielen Regionen Österreichs mit Hingabe und Aufwand betrieben - die ein oder andere Tradition lässt uns durchaus schmunzeln. Weniger zum Lachen empfanden zahlreiche Menschen den folgenden Brauch: Bei der Murauer Eisschützenrunde Grünfels wird traditionell die „Eisbahndudel“ verbrannt – eine Frauenfigur aus Stroh, die am Galgen hängt und schließlich angezündet wird.

Ein öffentlich geposteter Beitrag auf Facebook von ÖVP-Stadtparteiobmann Adolf Bogensberger war der Auslöser der Debatte. In den Kommentaren äußerten vor allem Frauen Unverständnis. Symbolisch eine Frau im Dirndl zu verbrennen, verharmlose Gewalt, die Frauen bis heute real erleben, heißt es etwa. Für Präsident Manfred Mildner ist die Aufregung schwer nachvollziehbar. Die „Eisbahndudel“ werde seit über 135 Jahren verbrannt.

„Der Brauch ist frauenfeindlich“

Im Kleine-Zeitung-Forum wurde ebenso heftig diskutiert. Auch dort herrschte bei einigen Forumsteilnehmern Unverständnis für diesen Brauch. „ronnimimi“ empfindet das symbolische Verbrennen als unangebrachte, bedrohliche Geste: „Symbolisch verbrennen kommt vor dem richtigen Verbrennen, das heißt, es ist auch historisch betrachtet, eine Drohung! So wie das Wort vor der Tat!“

Dass dieser Brauch nicht mehr zeitgemäß ist, meinen nicht nur Userinnen und User auf Facebook, sondern auch Kleine-Zeitung-Foristen. „angela67“ meint: „Der Brauch ist nicht mehr zeitgemäß und natürlich frauenfeindlich. Man sollte sich eine Alternative überlegen.“

Und auf Argumente, dass es sich hierbei ja auch um eine männliche Puppe handeln könne, reagiert „Mein Graz“ wie folgt: „Auch im Jahr 2026 sollte man wissen, dass das Dirndl immer eine weibliche Bekleidung war. Hätte die Puppe Jeans an, könnte man das Geschlecht infrage stellen. Bei einem traditionellen Dirndlkleid nicht.“

„Die Kirche im Dorf lassen“

Doch nicht alle Foristen zeigen sich über das Verbrennen der Frauenpuppe empört. Im Sinne der Brauchtumspflege sprechen sich einige User für das Beibehalten des Brauchtums aus, wie etwa „Hortig78rpm“: „(...) Bräuche sind halt ein Teil unserer Volkskultur und Geschichte. Und mit allem aufhören, weil es für einige (...) aus der Zeit gefallen zu sein scheint (...)?“

Für viele sei die Diskussion überbewertet. So viel Aufruhr um einen Brauch sei nicht nötig, schreiben „Merchi“: „Man darf die Kirche auch mal sprichwörtlich im Dorf lassen. Ich brauche kein Brauchtum, wenn jeder Schritt (gesellschafts-)politisch hinterfragt wird“ und „peter800“: „Was für ein Drama um nichts, oder besser gesagt, um eine Strohpuppe.“

Auch die Frage, wie zeitgemäß das Verbrennen der Puppe heutzutage noch sei, beantwortet „ronin1234“ mit der Brauchtumspflege: „Ist absolut noch zeitgemäß. Warum Brauchtum abschaffen?“

Wenn man sich das Bild zur Feier des Saisonendes anschaut, könne man keine böswillige Absicht erkennen, findet „altbayer“: „Wenn ich die Bilder so ansehe, dann sind das ‚ältere Menschen‘ (...), die zusammenkommen, um gemeinsam eine Gaudi zu haben. Das Verbrennen ist ein Anlass, um die ‚Dorfgemeinschaft‘ zu erleben, da denkt keiner daran, dass die Strohpuppe so einen Aufruhr nach sich zieht! Was wären eure Alternativen, um die Dorfgemeinschaft zu aktivieren und vielleicht der Einsamkeit in den eigenen vier Wänden zu entfliehen?“