Wieder einmal flammt in Österreich die Diskussion über Teilzeitbeschäftigung auf. ÖVP-Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sagte kürzlich in mehreren Interviews, dass er „überhaupt kein Verständnis“ für Menschen habe, die in Teilzeit arbeiten, obwohl sie gesund sind und keine Betreuungspflichten haben. Die SPÖ reagierte mit Unverständnis auf Hattmannsdorfers Kritik. Es brauche vielmehr bessere Arbeitsbedingungen, Möglichkeiten, innerhalb der Teilzeit mehr Stunden zu arbeiten und eine gerechtere Verteilung der unbezahlten Betreuungsarbeit, schrieb etwa Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ). Die Neos betonten, dass mehr Vollzeit über Anreize statt Einschränkungen erreicht werden müsse.
Darüber, dass es Maßnahmen braucht, sind die Koalitionspartner einig. Wie exakt diese aussehen könnten, wurde im Regierungsprogramm von ÖVP, SPÖ und Neos aber nicht spezifiziert. Darin heißt es lediglich, dass die Rahmenbedingungen für einen Umstieg von Teilzeit auf Vollzeit verbessert werden sollen. Österreich verzeichnet laut Statistik Austria mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent die zweithöchste Teilzeitquote aller 27 EU-Staaten – hinter den Niederlanden (mehr als 40 Prozent). Rund ein Viertel der Teilzeitbeschäftigten gab bei einer Umfrage an, nicht in Vollzeit wechseln zu wollen.
Teilzeitbeschäftigung? – „Ich habe viel Verständnis“
Im Forum der Kleinen Zeitung gibt es einige Verfechter des Teilzeitmodells. „Ich habe viel Verständnis für Menschen, die in ihrem Leben nicht nur arbeiten wollen. Besonders junge Mütter, die so lang wie möglich bei ihren Kindern sein wollen. Oder Menschen, die ihre alt und krank gewordenen Eltern betreuen. Viele wollen und können mit weniger Geld leben, auch dann in der Pension — lassen wir ihnen die Freiheit. Viele wollen Zeit haben für ihr Hobby, für Sport, für ihr ehrenamtliches Engagement. Arbeiten wir, um zu leben — oder leben wir, um zu arbeiten?“, bezieht jg4186 klar Stellung.
Snow White geht auf den Aspekt der Arbeitsbelastung ein: „Mir ist vor allem aus dem Pflegebereich bekannt, dass vor allem älter werdende Pflegerinnen auf ca. 30 Stunden reduzieren, weil sie die Arbeitsbelastung einer Vollzeitstelle nicht mehr ‚derstemmen‘.“
Einige User betonen auch, dass man die Arbeitgeber mehr in die Pflicht nehmen müsste. „Die Diskussion sollten Hattmannsdorfer und Knill mit den Unternehmen führen, die oft nur Teilzeit anbieten. Und natürlich müsste es eine ordentliche Kinderbetreuung geben, auch im Sommer und täglich bis abends, wie in Schweden. Aber das wollen die Herrschaften auch nicht“, meint Baldur1981.
Teilzeit sei in gewisser Weise unfair
Es gibt aber auch gegenteilige Meinungen. margrethkortschak schreibt: „Wer ohne Betreuungspflicht Teilzeit arbeitet, sollte auch Sozialleistungen nur teilweise erhalten. Warum macht der Staat Teilzeitarbeit so attraktiv? Besser Teilzeit höher besteuern und Vollzeit weniger besteuern.“
„Teilzeit ist ja durch das progressive Steuersystem automatisch begünstigt; das dürfte es meiner Meinung nach nur für Teilzeit aufgrund von Betreuungspflichten oder Einschränkungen geben. Alles andere ist in jeglicher Hinsicht unfair den Vollzeitarbeitenden gegenüber, welche ja deutlich mehr das System stützen. [...]“, erklärt Mela me.
Teilzeit-Erfahrungen der Userinnen und User
Einige Userinnen und User betrifft die Teilzeitthematik persönlich. FriedaSon67 schildert: „Nicht alle Arbeitgeber bieten Vollzeitstellen an. Neben Betreuungspflichten hatte ich bis jetzt fast immer eine 2. Beschäftigung, um halbwegs auf Vollzeit zu kommen.“
Cunda2013 hat gleich zwei Gründe, die Teilzeit der Vollzeit vorzuziehen: „Ich bin selber in Teilzeit. Und zwar um die Enkelkinder zu betreuen, damit die Töchter in Teilzeit arbeiten können. Außerdem arbeite ich in der Pflege und möchte aus körperlichen Gründen keine Vollzeitbeschäftigung mehr ausüben, da ich Ende 50 bin und noch einige Jahre arbeiten muss.“
k.esamen hebt einen weiteren Aspekt hervor: „Da wird wohl etwas vergessen. In Österreich gibt es die Elternteilzeit. Eventuell auch ein Grund für die hohe Damenquote. Ich, Mama einer 1,5 Jahre alten Tochter, würde gerne Vollzeit arbeiten. Ich hätte auch die Unterstützung meiner Vorgesetzten. Und: Mit meinem Mann würden wir auch die Betreuung schaffen. Gebe ich aber die Elternteilzeit auf, verliere ich den Kündigungsschutz. In der Automobilindustrie ist letzteres nichts, was ich derzeit riskieren möchte. Mit dieser Wirtschaftslage hat man schon genug Sorgen.“
Konsequenzen, wenn weniger in Teilzeit sind?
Ein paar Userinnen und User machen sich auch Gedanken um mögliche Konsequenzen, wenn Teilzeitbeschäftigte in Vollzeitarbeit „gedrängt werden“. illyespresso weist auf folgenden Punkt hin: „Wenn es so wäre, dann würden wir alle einmal sehen, wie viel unbezahlte Carearbeit liegen bleibt. Dieser Neoliberalismus ist zum ... als ob Menschen faul wären, die Teilzeit beschäftigt sind. Führend in solchen Debatten sind immer jene, die sowieso alles von Dritten erledigt bekommen und in ihrem Leben noch nie Haushaltsarbeiten erledigen haben dürfen.“