Graz am Wörthersee, Klagenfurt an der Mur“, 12. 9., „Dreimal täglich von Klagenfurt nach Graz“ , 15. 9.

In nicht einmal 100 Tagen wird die Koralmbahn den zukünftigen „gemeinsamen“ Wirtschaftsraum Österreich-Süd hoffentlich nachhaltig beleben. Betriebe und Industrie blicken, so die Kleine Zeitung am 5. September, mit Spannung auf diese „Riesenchance“. Ein kritischer Geist hat schon bei der Eröffnung die Arlbergtunnels vor einigen Jahrzehnten süffisant bemerkt, „was Gott durch einen Berg getrennt hat, soll der Mensch nicht mit einem Tunnel verbinden“. Lassen wir Gott mal aus der Diskussion, oder hat er den Frieden von Saint Germain verbrochen? Nach dem Ersten Weltkrieg hörte die Flügelstrecke der Südbahn zwischen Maribor (heute Slowenien) und Innichen (Südtirol), die zwischendurch auch Kärnten-Bahn genannt wurde, auf, zu existieren. Dravograd (Unterdrauburg) musste an das 1918 proklamierte Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen abgetreten werden, das Eisenbahnwesen im Südkärntnerraum verkam zu einer „Liliputbahn“. Auch die Lavanttalbahn, welche die Papierindustrien in Celje (Slowenien) und Zeltweg verband, eine der wichtigsten verkehrstechnischen und wirtschaftlichen Verbindungen im Osten Kärntens, musste daran glauben.

Jetzt, über 100 Jahre später, soll der Koralmtunnel diese wirtschaftliche Dummheit wiedergutmachen. Österreich und Slowenien sind EU-Mitglieder, sollten an einem wirtschaftlichen Strang ziehen, aber die Wunden der Vergangenheit sind anscheinend noch nicht verheilt. Geistige (politische) Grenzen gibt es aber auch zwischen Kärnten und der Steiermark. Während in der grünen Mark Windräder aus dem Boden schießen, werden in Kärnten Windkraftinitiativen bekämpft. Als Mitbesitzer der Skilifte und des Almhüttendorfes auf der Weinebene sehe ich 13 Windräder auf der steirischen Seite, kann aber nicht den Strom nutzen. Wie kann ein Wirtschaftsraum zusammenwachsen, wenn die elektrische Energie nicht bundesländerübergreifend genutzt werden kann? Es braucht mehr als einen Eisenbahntunnel, um einen florierenden, zusammenwachsenden Wirtschaftsraum zu schaffen.
Gerhard Klinger, St. Gertraud

Weiter ausbauen

Derzeit ist der Jubel in der Politik um historische Bahnprojekte groß, sei es die bevorstehende Eröffnung der Koralmbahn oder der erste Durchschlag beim Brennerbasistunnel, der 2032 Österreich mit Italien verbinden wird. Auch die Inbetriebnahme des Semmeringbasistunnels wirft ihre Schatten voraus. Jubel also auch bei den Bahnkunden, die auf ein attraktives Bahnangebot zurückgreifen werden können? Nicht ganz! Denn nachdem jetzt der Süden Österreichs zügig mit der Bundeshauptstadt verbunden wird, besteht nach wie vor eine zeitraubende Bahnverbindung in den Westen! Von Graz/Hauptbahnhof nach Innsbruck/Hauptbahnhof braucht man mehr als sieben Stunden, von Klagenfurt aus fünf Stunden, in beiden Fällen muss man umsteigen.

Die neue Koralmbahn schafft jetzt durch konsequenten Weiterausbau der bestehenden Strecke Klagenfurt-Villach-Spittal/Drau-Lienz ideale Voraussetzungen, die Trasse ab der Staatsgrenze bei Sillian auf italienischem Gebiet bis Bozen entsprechend auszubauen und bei Anbindung an die Brennertunneltrasse rasch Innsbruck zu erreichen. Damit wird nicht nur Südtirol mit seiner Landeshauptstadt über die Südspange vernetzt, sondern auch den Osttirolern eine Möglichkeit geschaffen, bequem in ihre Landeshauptstadt zu gelangen. Infrastrukturprojekte solcherart sind in Zeiten schwächelnder Konjunktur nie verkehrt, wenn man wie bei den großen genannten Tunnelprojekten auf EU-Förderungen zurückgreifen möchte.
Mag. Reinhard Penker, Klagenfurt

Oberkärnten im Abseits

Die Koralmbahn wird im Unter- und Mittelkärntner Raum zu einer wirtschaftlichen Belebung beitragen, deshalb hat das Land Kärnten den Bau von geförderten Wohnungen angekündigt. Der Schwerpunkt liegt dort, wo ein Zuzug erwartet wird, das ist der Kärntner Zentralraum, die Gebiete um Villach und Klagenfurt, sowie teilweise entlang der Koralmbahn. Betrachtet man die Bevölkerungsentwicklung in Oberkärnten, besonders im Bezirk Hermagor, ist der Rückgang der Bevölkerung augenfällig. Dieser Abwärtstrend wird sich fortsetzen und hat auch finanzielle Auswirkungen.

Bei der Einstellung der Gailtalbahn von Hermagor nach Kötschach haben anscheinend die Entscheidungsträger jener Zeit nicht berücksichtigt, dass eine schnelle Zugverbindung von Graz mit wenigen Halten und einem entsprechenden Angebot (Packages) ganzjährig Gäste in die Region bis nach Kötschach, eventuell mit einer direkten Anbindung der Millenniumsbahn in Tröpolach, bringen könnte, zumal 2030, nach der Fertigstellung des Semmeringtunnels, auch Wien zeitlich näherrückt. Eine Reaktivierung der Gailtalbahn von Hermagor bis Kötschach würde die Lebensader Tourismus und die damit einhergehenden Synergieeffekte für Gewerbe, Handel und Landwirtschaft in der Region stärken, den Bewohnern des Tales Arbeit und eine Grundlage für ihre Existenz bieten und letztlich der Abwanderung entgegenwirken.

Aktuell kommt die prekäre Situation der Straße über den Plöckenpass hinzu, die für Sanierungsarbeiten nach dem Felssturz auf italienischer Seite oft längere Zeit gesperrt ist. Vor allem bei einer Wintersperre, wenn italienische Gäste nicht zum Baden in die Aquarena kommen können, hätte dies gravierende wirtschaftliche Folgen für den Raum Kötschach.
Kurt Thelesklaf, Jenig

Vorausschauend?

„,Schwarzfahrer“ mit zwei Klimatickets“, 15. 9.

Man muss es ja als häufiger Bahnfahrer verstehen: Der Beginn des Personenverkehrs auf der Koralmbahn kommt völlig überraschend. Man hatte nur wenige Jahre Zeit, sich zu überlegen, wie man Tickets und Tarife gestalten könnte. Die technologische Lösung für ein Kärntner Klimaticket plus Strecke bis Graz bzw. ein steirisches plus Strecke bis Klagenfurt ist sicher derart aufwendig, dass sie in unserem durchdigitalisierten Zeitalter kaum umsetzbar ist.

Wir Fahrgäste nehmen zur Kenntnis, dass der Koralmtunnel offensichtlich im verkehrstechnischen und tarifmäßigen Niemandsland errichtet wurde. Man darf allen Beteiligten für ihre vorausschauende Arbeit an einer Nichtlösung herzlich danken!
Mag. Gunther Spath, Klagenfurt