Weiße Rosen für den Papst der Ränder“, 27. 4.

Das Begräbnis des Papstes war ein mediales Ereignis der Sonderklasse. Viele Politiker aus aller Welt bezeugten ihm ihren Respekt und ihr Mitgefühl. Leider sind darunter auch nicht wenige, die sich zur Zeit seines aktiven Lebens sehr wenig bis gar nicht um seine flehentlichen Bitten um Frieden für die Welt und um Rücksicht für die Armen gekümmert haben.

Wenn jetzt jemand sagt, Franziskus habe viel begonnen, aber wenig zu Ende geführt, ist es ungerecht, denn es war der mühsame Kampf eines einsamen Mannes gegen eine globale Phalanx aus Macht und Gier, den er nicht gewinnen konnte - das wird auch sein Nachfolger merken.
Josef Rosenberger, Sinabelkirchen

Kein Respekt

Mit einer slowakischen Pilgergruppe, bestehend aus Jugendlichen mit besonderem Betreuungsbedarf, durfte ich in diesen Tagen in Rom sein. Gemeinsam erlebten wir die Verabschiedung von Papst Franziskus. Doch während wir Abschied nahmen, geschah, was leider allzu typisch geworden ist: Der Lärm der Eitelkeiten übertönte die Sprache des Herzens. Statt Demut dominierte Selbstinszenierung. Donald Trump schob sich – gegen das Protokoll – in die erste Reihe, erschien im blauen Anzug, während die Welt schwarz trug.

Ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj – arrangiert nicht in der Stille eines Privatraumes, sondern im Zentrum der heiligsten Zeremonie –, ein Auftritt, der weniger von Versöhnung als „Mir ist alles egal! Ich tu, was ich will!“ kündete. Selenskyj zumindest zeigte Respekt, kleidete sich in dunkle Töne, gab dem Anlass die gebührende Ehrerbietung.

Doch von Trump bleibt, wie so oft, der schale Eindruck: dass selbst der Tod eines Papstes ihm nicht heilig genug war, um einen Moment lang nicht sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Es ist eine bittere Diagnose unserer Zeit: Wer nicht einmal vor dem Tod eines Papstes innehält, hat längst den Kompass verloren, der uns unterscheidet – Menschlichkeit.
John Patrick Platzer, Viktring

Bewegende Momente

Franziskus sprach über die Wirklichkeiten, mit denen alle Menschen zu tun haben: über Beziehung, Alltag, Belastungen, auch über Versagen und Trennung, schreibt Kardinal Christoph Schönborn in seinem sehr persönlichen und berührenden Nachruf auf den verstorbenen Papst. Dem gibt es meiner Meinung nach nichts hinzuzufügen. Franziskus hat nicht leere Worte gepredigt, sondern Maßstäbe gesetzt und ihnen durch seine enthaltsame Lebensweise Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft verliehen. Der Auszug aus dem Petersdom, der Weg durch Rom und der letzte Weg in die Basilika Santa Maria Maggiore - das waren bewegende Momente. Als der schlichte Holzsarg des Papstes allein auf dem Papamobil den Vatikan verließ, bekam ich Gänsehaut.

Die Zahl der Trauergäste mit Hunderttausenden Gläubigen zeigte eindrucksvoll, wie beliebt Franziskus war. Er war ein Papst des Friedens und wollte Frieden in der Ukraine und in Gaza. Möge sein Beispiel von Demut, Nächstenliebe und Hingabe uns weiterhin begleiten! Für den Nachfolger werden es jedenfalls große Fußstapfen, die er ausfüllen muss.
Ingo Fischer, Lavamünd

Eigene Interessen

Papst Franziskus vereint nach seinem Tod viele Staatsmänner am Petersplatz. In den ersten Reihen sieht man Donald Trump, Giorgia Meloni, Emmanuel Macron und viele weitere hochgestellte Personen. Die Welt in Eintracht vereint - könnte man beinahe meinen. Doch ist es wirklich so? Es wäre so, hätte nicht jeder dieser Staatenlenker seine eigenen Interessen zu vertreten. Ruhe in Frieden, Papst Franziskus.
Markus Karner, Friesach

Echter Wandel?

Papst Franziskus war vor allem eines: ein Mann des Friedens. Mit unermüdlichem Einsatz hat er für Gerechtigkeit, soziale Verantwortung und ein würdevolles Miteinander geworben – auch wenn er sich dabei oft gegen den politischen Mainstream stellte. Besonders seine differenzierte Haltung zum Ukraine-Krieg brachte ihm Kritik ein. Viele, die ihn damals scharf verurteilten, zeigen sich nun betroffen über seinen Tod, was auf mich heuchlerisch wirkt.

Es bleibt zu hoffen, dass sein Lebenswerk nicht in Vergessenheit gerät, sondern ein Anstoß für einen echten Wandel wird: hin zu einem entschlosseneren Kampf gegen Armut, Ungerechtigkeit und Krieg. Der weltweite Nachhall auf seinen Tod zeigt, dass christliche Werte noch immer von Bedeutung und gesellschaftlich tief verankert sind. Vielleicht ist gerade jetzt der richtige Moment, das christliche Fundament unserer Gesellschaft wieder zu festigen – mit mehr Mitgefühl, Dialogbereitschaft und dem Mut zur Versöhnung.
Erich Artner, Judenburg

Würdiger Nachfolger

Gerechtigkeit in Politik und Wirtschaft waren Papst Franziskus nicht nur ein weltliches Ziel, sondern entsprangen vor allem aus seinem tiefen christlichen Glauben. Zugleich galten ihm die Solidarität mit den Armen als Grundlage für Frieden, den er überall in der kriegsgebeutelten Welt voranbringen wollte, in der Politiker die vielen Probleme oft mit Gewalt lösen und ihre Machtpolitik mit Scheindiplomatie zu kaschieren versuchen.

Über Franziskus‘ Pontifikat lagen die Schatten der Klimakrise, Corona-Pandemie, von Kriegen in der Ukraine und im Gazastreifen, zahlreicher Bürgerkriege, aber auch von kircheninternen Skandalen bis zum Glaubensabfall. Unermüdlich setzte er sich für Frieden durch Gerechtigkeit ein, erntete Dank von den Schwachen, während die Mächtigen ihr Missfallen laut machten, wenn er im Nahostkonflikt die unverhältnismäßige Kriegsführung anprangerte, worunter die Palästinenser-Bevölkerung leidet.

Mutig setzte er sich für Flüchtlinge ein, aber auch gegen das Unrecht der Ausbeutung von Mensch und Natur durch das kapitalistische Wirtschaftssystem, wenn er markant warnte „Wirtschaft tötet“. Aus den Zusammenhängen wurde schon klar, dass er nicht die mittelständische Wirtschaft, sondern die weltweite rücksichtslose Vorgangsweise großer Konzerne in Industrie, Bergbau, Landwirtschaft und Handel gemeint hatte. Ein guter Geist hat große Fußstapfen hinterlassen, die Welt und seine Geschöpfe brauchen einen würdigen Nachfolger – wofür seine Enzyklika „Laudato Si“ schon als wegweisendes Vermächtnis gilt.
Karl Semmler, Bad Blumau