Auf dem Grab von Papst Franziskus lag am Sonntagfrüh als erstes eine weiße Rose, wie ein laut Kathpress vom Vatikan verbreitetes Bild zeigt. Bereits am Samstag vor der Beisetzung in der Basilika Santa Maria Maggiore hatten sowohl eine Gruppe von Kindern als auch eine Gruppe von Obdachlosen, Migranten, Opfern von Menschenhandel, Transsexuellen, Häftlingen und Vertretern der Roma-Gemeinschaft weiße Rosen dabei.

Diese Blume hatte für Franziskus eine besondere Bedeutung, wie er einmal erklärte. Seit seiner Zeit in Argentinien symbolisiere sie seine Verbundenheit mit der heiligen Thérèse von Lisieux (1873-1897), so der damalige Erzbischof von Buenos Aires in einem Interview-Buch. An Thérèse und ihre Fürsprache bei Gott habe er sich immer bei persönlichen Schwierigkeiten gewandt.

Weiße Rosen hatten für Franziskus große Bedeutung

„Wenn ich ein Problem habe“, hatte Jorge Bergoglio einmal erklärt, „bitte ich die Heilige, es nicht zu lösen, sondern es in ihre Hand zu nehmen und mir zu helfen, es zu akzeptieren.“ Als Zeichen erhalte er dann fast immer eine weiße Rose. So standen sowohl in seiner Wohnung in Buenos Aires wie auch in Santa Marta im Vatikan des Öfteren weiße Rosen in einer Vase. Zuletzt hatte er solche nach seiner Rückkehr aus der Gemelli-Klinik erhalten.

Thérèse von Lisieux zählt zu den populärsten Heiligen der katholischen Kirche. Mit 15 Jahren trat sie in den strengen Karmel in Lisieux ein und suchte nach einer Heiligung des alltäglichen Lebens. Pius XI. sprach Therese 1925 heilig; seit 1927 ist sie Hauptpatronin der Missionen und seit 1944 neben Jeanne d‘Arc die zweite Patronin Frankreichs. 1997, zu ihrem 100. Todestag, ernannte Papst Johannes Paul II. sie offiziell zur „Lehrerin der Kirche“.

Pilger strömen zu Franziskus‘ Grab

Nach der Beisetzung von Papst Franziskus haben sich Gläubige schon seit dem frühen Sonntag angestellt, um sein Grab in der Kirche Santa Maria Maggiore im Stadtzentrum von Rom zu besuchen. Pilger wurden ab 7.00 Uhr zu Franziskus‘ schlichtem Marmorgrab in einem Seitenschiff in der Nähe des Altars zugelassen.

Papst Franziskus war nach der großen Trauerzeremonie auf dem Petersplatz am Sonntagnachmittag im Rahmen einer privaten Zeremonie in der Marienkirche beigesetzt worden. „Mit seiner Ankunft in der Basilika Santa Maria Maggiore ist die letzte Reise unseres geliebten Heiligen Vaters Franziskus beendet“, so Kardinal Rolandas Makrickas, Erzpriester der Basilika Santa Maria Maggiore, zu Beginn des Rosenkranzgebets am Samstagabend in der Marienkirche.

Hunderttausende sagten dem Papst Lebewohl

Viele Gläubige beim Rosenkranzgebet

„Der Papst ging zwischen zwei Flügeln von Gläubigen hindurch, die ihm die letzte Ehre erwiesen und ihre ganze Zuneigung zum Ausdruck bringen wollten. In unseren Herzen bewahren wir die Erinnerung an sein fruchtbares Wirken in der Kirche und für die Kirche. Die Kirche, die er liebte und der er bis zu seinem letzten Atemzug diente“, betonte der Kardinal.

Viele Gläubige und Prälaten nahmen an dem Rosenkranzgebet auf dem Vorplatz der Basilika teil. Die Marienikone der „Salus Populi Romani“, vor der der Papst so oft gebetet hatte, wurde vor dem Eingang der Basilika aufgestellt.

Kardinäle wollen Grab aufsuchen

Auch die in Rom versammelten Kardinäle wollen am Sonntag das Grab aufsuchen. Vorher feiern sie aber um 10.30 Uhr eine Messe auf dem Petersplatz im Vatikan. Geleitet wird diese von Kardinal Pietro Parolin, der unter Franziskus Kardinalstaatssekretär und damit Nummer zwei im Vatikan war.

Papst Franziskus hatte sich nicht den Petersdom, sondern die päpstliche Basilika Santa Maria Maggiore als letzte Ruhestätte gewünscht. Der Argentinier hatte dort häufig vor der Ikone der Heiligen Jungfrau gebetet. Als Inschrift steht lediglich sein lateinischer Papst-Name „Franciscus“ auf dem Grab.

Franziskus ist erst das achte Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, dessen sterbliche Überreste in dieser Kirche beigesetzt werden, und der erste seit Clemens IX. im Jahr 1669. Seit 1903 waren bisher alle Päpste im prunkvollen Petersdom beigesetzt worden.