Demi Moore ist es gewohnt, in Ihrem Wohnzimmer, Ihrem Schlafzimmer, oder auch an Ihrem Küchentisch aufzutauchen – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Je nachdem, wo sie physisch auftaucht und wann diverse Plattformen die Bilder von ihr ausspielen, ist sie zu allen Zeiten auch Projektionsfläche. Man darf annehmen, dass ihr das nur allzu bewusst ist.

Im August 1991 zeigte sie sich nackt mit Babybauch auf dem Cover des Magazins „Vanity Fair“, ein Gamechanger: Einerseits in der medialen Wahrnehmung von Schwangeren – nicht nur in Hollywood –, nun galt es auch in der Schwangerschaft fortan aus dem Ei gepellt zu sein. Nicht nur das, das Cover war auch „ein Wendepunkt in der Kommerzialisierung von schwangeren Bäuchen“, erinnert sich die Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Lechner von der Uni Wien. Demi Moore, 63 Jahre alt, ist eine „Celebrity Persona“ – eine Person, deren nach außen getragenes Bild immer auch von ihrem körperlichen Grenzgang definiert wurde. Im letztjährigen Body-Horror-Streifen „The Substance“ treibt sie die Sucht nach der Jugend auf die Spitze.

Demi Moore
Demi Moore © Imago

Der junge, dünne, weiße Körper als Ideal

Das ist kein Wunder, denn die Welt ist, wie sie ist: „Es ist nicht egal, wie jemand ausschaut und gelesen wird“, sagt Elisabeth Lechner und verweist auf die Wirkung der Oberfläche: Menschen, die als normschön gelesen werden, haben Vorteile in vielen Lebenslagen. Wer der Norm nicht entspricht, wird Opfer des sogenannten „Lookismus“, der Diskriminierung aufgrund des Aussehens. Das Ideal ist nach wie vor der junge, dünne, weiße Körper. Das war in den 2010er-Jahren schon einmal anders – „mit der Body-Positivity-Bewegung hat es auch schon einmal besser ausgeschaut“, stellt die Kulturwissenschaftlerin fest. Zwar sind Hollywoodstars immer noch privilegiert, aber das Älterwerden entspricht klar einer Abweichung von dieser Norm.

Sarah Jessica Parker
Sarah Jessica Parker © Imago

Die Sichtbarkeit des Älterwerdens einzufordern, ist selbst für Stars, die es gewohnt sind im Scheinwerferlicht zu stehen, ein enormes Risiko. Ein Risiko, das immer mehr Stars auch bewusst eingehen – Andie MacDowell (67) ist nach der Pandemie mit grauen Haaren am roten Teppich erschienen, Sarah Jessica Parker (60) hingegen muss sich mit Kommentaren zu ihren Falten herumschlagen – es ist ein Kampf und Krampf, der aber nicht nur im gleißenden Licht stattfindet. Auch wenn in der Populärkultur das Älterwerden immer öfter stattfindet – in Film und Serien dürfen weibliche Charaktere hin und wieder sogar der Realität nach altern und ordentlich fertig sein, von der Last des Alltags, wie es Kate Winslet in „Mare of Easttown“ (HBO Max).

Graue Haare am roten Teppich: Andie MacDowell zelebriert sie
Graue Haare am roten Teppich: Andie MacDowell zelebriert sie © Imago

Aber all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es die Gesellschaft ist, die in hohem Maß Körperpolitik betreibt. Graue Haare am roten Teppich mögen ein Zeichen der Selbstermächtigung sein, aber sie können keinen gesellschaftlichen Wandel erzeugen. Wer kein Hollywoodstar ist, der unterliegt im realen Leben ganz anderen Mechanismen der Diskriminierung. Wie kann man diesen Druck von Frauen nehmen?

Es braucht einen gesellschaftlichen Wandel, sagt Elisabeth Lechner: „Man muss die Geschlechtertrennung von Männern und Frauen, mit der ganz unterschiedliche Rollenerwartungen und Zuschreibungen in der Gesellschaft einhergehen, aufbrechen. Man muss den patriarchalen Blick auf den weiblichen Körper loswerden, weil dadurch Frauen ihren Körper oft nur als Rohstoff zur Selbstoptimierung begreifen, den sie als Tool einsetzen können, um irgendwie in einer Welt, die total unvorhersehbar ist, weiterzukommen.“ „Schönheitsprivileg“ nennt Lechner das, ein Privileg, das „irgendwann auf jeden Fall mal weg ist“.

Sind TikTok & Co. Fluch oder Segen?

Der nächste Satz klingt fast schon nach Utopie: „Wir müssen den Wert von Menschen losgelöst von ihrem Äußeren sehen.“ Die Zeichen weisen jedoch in eine andere Richtung, die äußerliche Selbstoptimierung ist auch aufgrund medizinischer Fortschritte einfach wie nie. Welche Rolle spielen die Sozialen Medien bei all dem? Die Kulturwissenschaftlerin sieht hier „konkurrierende Diskurse“: „Social Media ist ein Tool, das wirkmächtige Gegenerzählungen schaffen kann – #MeToo wäre ohne sie unmöglich gewesen. Instagram, TikTok & Co. funktionieren aber auch nach den Logiken des Plattformkapitalismus, mit dem Produkte über junge, dünne Körper verkauft werden“, analysiert Lechner. Nicht nur das, „dieselben Stereotype, die uns auch im analogen Leben umgeben, werden dann in digitalen Welten fortgeschrieben.“