(FILES) Pedestrians, some wearing a face mask or covering due to the COVID-19 pandemic, walk in the early morning fog in Walthamstow, east London on November 27, 2020. The number of people not working in the UK due to chronic illnesses has soared since the pandemic, putting pressure on the British economy, analysts said on August 15, 2023. The proportion of the population in the labour market peaked in early 2020 but
Der Londoner Nebel ist nicht nur romantisch, 1952 war er tödlich: 12.000 Menschen starben dort an der vergifteten Luft © AFP / Tolga Akmen

In San Francisco hat er sogar einen Namen. Karl heißt der Nebel dort, angeblich nach „Karl the Giant“, einer Figur aus einem Film von Tim Burton. Bei uns spricht man eher von dichtem oder lichtem Nebel. Liest man das Wort Nebel andersrum, kommt Leben heraus. Der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson nennt es, „das Licht sichtbar machen“, wenn er Nebel-Installationen wie „Yellow Fog“ kreiert: Jeden Tag mit Einbruch der Dunkelheit wird das Verbund-Gebäude in der Wiener Innenstadt Am Hof mit gelben Nebelschwaden eingehüllt.

Im Grunde ist Nebel nichts anderes als eine Wolke am Boden. Nebel entsteht, vereinfacht gesagt, wenn sich feuchte Luft abkühlt. Wenn die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist und vom gasförmigen in den flüssigen Zustand übergeht. Nebel entwickelt sich gut in klaren Nächten. Dann verliert der tagsüber aufgewärmte Boden durch Ausstrahlung soviel Wärme, dass die Luft gesättigt ist. Die Nebelschicht wächst an, bis sie wie eine Wolkendecke wirkt.

Für den tschechischen Schriftsteller Jaroslav Rudiš ist Nebel, dieses Samtband der Schwermut, nicht nur eine Metapher für Melancholie, sondern auch für die Geschichte Mitteleuropas. Vor allem die Region von Nordböhmen bis Triest reize ihn. Wie ein grauer Faden zieht sich der Nebel durch sein Werk. „Durch den Nebel“ heißt eines seiner Bücher mit Erzählungen, die er im Rahmen der Stefan-Zweig-Poetikvorlesungen in Salzburg hielt. Und Fahrdienstleiter Alois Nebel ist der Held seiner gleichnamigen Graphic-Novel, die er gemeinsam mit dem Rocksänger und Zeichner Jaromír Švejdík verfasste und die auch verfilmt wurde und einmal bei den Filmfestspielen in Venedig lief.

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„Wie die dunkle Geschichte Mitteleuropas, spielt sich ja auch das wahre Leben häufig im Nebel ab oder hinter Nebelschwaden“, erklärt uns Jaroslav Rudiš, den wir im böhmischen Jičín am Telefon erreichen, dem Geburtsort von Karl Kraus, den er sehr verehrt. Wie es in jeder Familie Geheimnisse gebe, die man gerne verdrängt und vernebelt, würden viele auch gern Mitteleuropas unschöne Zeiten vergessen und zudecken, mit den vielen Kriegsgräbern und KZ. Darüber schreibt er auch in seinem nebelverhangenen Roman „Winterbergs letzte Reise“.

Für Jaroslav Rudiš ist der Nebel aber nicht nur eine Tuchent, unter der sich vieles verstecken lässt. Für ihn ist er ein geschätzter Begleiter, weil er die Phantasie ankurble und Raum für Magie und Interpretation lasse. Rudiš ist stets zur Stelle, um die Geschichten aufzusammeln, die sich zeigen, sobald sich der Nebel kurz lichtet. Aus dem Nebel destilliert er Geschichten, bringt die Vergangenheit mit der Gegenwart zusammen. „Mit dem Nebel kommt auch eine starke Ruhe in die Welt“, sagt der 52-Jährige.

„Ich gehe im November gern in den Wald spazieren“, verrät Rudiš, „man kann wunderbar sinnieren und den Gedanken freien Lauf lassen.“ Momentan arbeitet er an einem neuen Buch, es soll eine Art Gebrauchsanweisung fürs Bier werden. Und auch davon werde man ja, je nach Menge, benebelt. Er gehe gern in Wirtshäuser, nicht nur zu Recherchezwecken, erklärt er und lacht: „Früher saß man da auch in diesen rauchigen Wolken des Zigarettennebels.“ Die Luft sei in Wirtshäusern heute deutlich klarer. Wird damit auch die Wirklichkeit deutlicher? Jaroslav Rudiš verneint: „Nicht wirklich, denn es gibt immer noch die vielen Wortnebel.“ Doch manchmal falle ihm ein Satz daraus zu, er klaube ihn auf und rücke ihn an den richtigen Platz, wenn der Nebel sich hebt.

Herbstmorgen im Siegerland. Nach einer kalten Nacht liegt Nebel ueber über dem Ort Siegen-Oberschelden. Die Sonne ist aufgegangen und beleuchtet im Gegenlicht den Ort und Nebel. Herbst im Siegerland am 04.11.2024 in Siegen/Deutschland. *** Autumn morning in Siegerland After a cold night, fog lies over the village of Siegen Oberschelden The sun has risen and illuminates the village in the backlight and fog Autumn in Siegerland on 04 11 2024 in Siegen Germany
Herbstmorgen: Nach einer kalten Nacht liegt Nebel über dem Land © IMAGO / Rene Traut
TURNER: LIGHT AND COLOR, c1843. Light and Colour Goethe s Theory - The Morning after the Deluge - Moses Writing the Book of Genesis. Oil on canvas by Joseph Mallord William Turner, c1843. PUBLICATIONxNOTxINxUSAxCANxUKxFRAxESPxJPN Copyright: xGRANGERx/xGRANGERx 0030035
Nebelstimmung: William Turners „Licht und Farbe“ © IMAGO / 140_1652771

The Prime Minister s Journey across the Atlantic, Winston Churchill, October 9, 1941. Courtesy Everett Collection PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xCourtesyxEverettxCollectionx PBDWICH EC010
London, Stadt des Nebels: Aufnahme anno 1941, als noch Winston Churchill Premier war © IMAGO / Courtesy Everett Collection Via Www.imago-images.de
Jubilaeumsschau zu Caspar David Friedrich im Albertinum Museum in Dresden. Foto vom 23.08.2024: Das Gemaelde Der Wanderer ueber dem Nebelmeer 1818 im Albertinum Wenige Tage vor dem 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich 1774-1840 oeffnen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden SKD am Samstag eine Ausstellung mit zahlreichen Werken des Malers. Im Dresdner Albertinum sind 47 Gemaelde des Kuenstlers der deutschen Romantik zu sehen. Im Kupferstich-Kabinett wird das zeichnerische Werk mit mehr als 160 Arbeiten vorgestellt. Die zweiteilige Ausstellung steht unter dem Titel Caspar David Friedrich. Wo alles begann . Siehe epd-Meldung vom 23.08.2024 EDITORIAL USE ONLY *** Anniversary exhibition on Caspar David Friedrich at the Alber Copyright: epd-bild/MatthiasxSchumann epd-Ausstellung_Friedrich5-kopieren
Caspar David Friedrichs „Der Wanderer“ im Albertinum Museum in Dresden © IMAGO / Matthias Schumann
Download von www.picturedesk.com am 08.03.2024 (12:41). 
Die Festung Hohensalzburg der Stadt Salzburg ragt aus dem Nebel, im Zuge eines herbstlichen Sonnenaufganges mit dem Hochstaufen am Horizont, Salzburgerland, Österreich am 13.11.2022. // The Hohensalzburg Fortress in the city of Salzburg rises from the fog during an autumnal sunrise with the Hochstaufen on the horizon, Salzburgerland, Austria on November 13th, 2022. - 20221113_PD25249 - Rechteinfo: Rights Managed (RM)
Die Festung Hohensalzburg ragt aus dem Nebel © Georg Kukuvec
epa02401118 YEARENDER 2010 APRIL  Visitors explore inside an art installation entitled 'Feelings are Facts' a collaboration between world-renowned Danish-Icelandic artist, Olafur Eliasson, and leading Chinese architect, Ma Yansong, in Beijing, China, 11 April 2010. Using lights, mist and temperature, the art form lets viewers enter a space of fog and colours, with the aim of challenging their relationship with both nature and their urban environment.  EPA/HOW HWEE YOUNG
Nebel-Installation 'Feelings are Facts' von Olafur Eliasson und dem chinesischen Architekten Ma Yansong in Peking © APA / How Hwee Young
Die Installation 'Yellow fog' des dänischen Künstlers Olafur Eliasson entlang der Fassade der Verbund-Zentrale 'Am Hof' in Wien, die am 9. Oktober 2008 eröffnet wird (undatierte Aufnahme von einem Probelauf). Nach Einbruch der Dämmerung wird dann als Beitrag zur Kunst im öffentlichen Raum für etwa 40 Sekunden in gelbes Licht getauchter Nebel die Eingangsfassade entlang in die Höhe steigen. ACHTUNG: Verwendung nur im redaktionellen Zusammenhang mit der Berichterstattung über Yellow Fog in Wien und mit Urhebernennung Foto: Rupert Steiner (zu dpa-Korr.-Bericht: '´Yellow Fog» von Olafur Eliasson in der Wiener Innenstadt' am 22.07.2008) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Installation 'Yellow fog' des dänisch-isländischen Künstlers Olafur Eliasson entlang der Fassade der Verbund-Zentrale 'Am Hof' in Wien © APA / A9999 Rupert Steiner
Some 200 people took a special cultural train to Berlin to the Celebration of Civil Society in the German capital, where the presidential palace Bellevue will be open to visitors as part of the celebrations, September 9, 2023. Organisers of the ride are the United Islands of Prague festival and the Czech-German Fund for the Future. On the picture is Czech writer and publicist Jaroslav Rudis. CTKxPhoto/MichaelaxRihova CTKPhotoP2023090902405 PUBLICATIONxNOTxINxCZExSVK CTKPhotoP2023090902405
Nebelexperte und „Eisenbahnmensch“, wie er sich selbst nennt: Der tschechische Autor Jaroslav Rudiš © IMAGO / Michaela Rihova
„Durch den Nebel“, Jaroslav Rudiš, Verlag Sonderzahl, 108 Seiten, 16 Euro.