BhutanAlleine im Land des Donnerdrachens

Seit Beginn der Coronapandemie hat das geheimnisvolle Königreich Bhutan nur eine einzige Touristin ins Land gelassen.

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Das Kloster Taktshang im Königreich Bhutan © s_jakkarin/stock.adobe.com
 

Schon vor der Pandemie durften nur wenige ausländische Gäste in das kleine Königreich Bhutan im Himalaya. Nun ist das Land noch stärker abgeschottet und hat nach eigenen Angaben seit den Corona-Einschränkungen gerade mal eine Ausländerin hereingelassen: die US-Pensionistin Fran Bak, die nach eigenen Angaben spirituellem Trost nach dem Tod ihres Ehemanns sucht.

Zwar hängt das Land zwischen Indien und China mit seinen rund 770.000 Einwohnern stark vom Tourismus ab und gehört nach Einschätzung der Vereinten Nationen zu den am wenigsten entwickelten Ländern. Aber Bhutan gewichtet die Sicherheit angesichts des gefährlichen Virus stärker als das Geld ausländischer Gäste.

Bhutan: Im Land des Donnerdrachen

Gerade mal 750.000 Einwohner hat das kleine Königreich Bhutan. Mitten im Himalaya-Gebiet, liegt es zwischen den Großmächten Indien und China. Aber es hat ...

Susanne Rakowitz

... den Industriegiganten einiges voraus, denn Bhutan ist der einzige klimaneutrale Staat der Welt. Der Zwergenstaat ist nicht nur CO2-neutral, sondern wegen seines Waldes, der viel Kohlendioxid aufnimmt, sogar CO2-negativ. Im Jahr 2013 emittierte das Land nach eigenen Angaben Treibhausgase mit einer Klimawirkung von 2,2 Millionen Tonnen CO2.

Susanne Rakowitz

Der Wald schluckte schätzungsweise 6,3 Millionen Tonnen. Dieser Wert dürfte zukünftig höchstens geringfügig zurückgehen, denn in der Verfassung ist festgeschrieben, dass mindestens 60 Prozent der Landesfläche bewaldet sein müssen.

Susanne Rakowitz

Generell wird Umweltschutz hier groß geschrieben: Hinweistafeln finden sich quer durch das Land. Auch bei Klöstern ...

Susanne Rakowitz

... oder bei der einen oder anderen Schießanlage. Besser gesagt: Bogenschießanlage. Dieser Sport ist hier eine Form des Nationalheiligtums. Wie auch ...

Susanne Rakowitz

... der Takin, das Nationaltier des Königreichs. Besser bekannt als Rindergämse oder Gnuziege. 

wwyloeck/Fotolia

Und ein Königspaar gibt es natürlich auch: König Jigme Khesar Namgyal Wangchuck (36) und Königin Jetsun Pema (26). Im Februar wurde ihr erstes gemeinsames Kind, Kronprinz Jigme N. Wangchuck, geboren.

AP (Kevin Frayer)

Auch der traditionelle „Gho“, eine Art gebundener Kurzmantel mit weißen Manschetten und kniehohen Stutzen, wird noch vielfach getragen.

Susanne Rakowitz

Es ist noch nicht lange her, da war diese Tracht - Frauen tragen die knöchellange „Kira“ - für alle Pflicht. Mittlerweile darf auch westliche Kleidung getragen werden, doch viele Menschen in Jeans sieht man nicht.

Susanne Rakowitz

Die Religion wird im Land besonders groß geschrieben: Der Buddhismus ist hier Teil des Alltags.

Susanne Rakowitz

Rund 2000 Klöster gibt es im Land - und beinahe jede Woche ein Fest mit prachtvollen Tänzen.

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Das wohl bekannteste Kloster ist das sogenannte "Tigernest" - der Aufstieg dauert mehrere Stunden. Anblick und Ausblick sind erhebend.

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Mehr als beeindruckend sind die sogenannten Dzongs: Klöster- und Verwaltungssitze, die nach wie vor genutzt werden. Hier wird gelebt, gefeiert und gebetet. Wer hier durchschlendert, ...

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... bekommt eine Vorstellung davon, wie Tibet ohne chinesische Invasion geworden wäre.

Susanne Rakowitz

Bis in die 1960er-Jahre war Bhutan völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Erst dann wurde die erste Straße nach Indien gebaut, nach China gibt es bis heute keine. 1999 kamen Fernsehen und Internet. Damit das Land nicht von der Globalisierung überrannt wird, gibt es Vorgaben - unter anderem müssen alle neuen Häuser der traditionellen Bauweise folgen.

Susanne Rakowitz

Die Bewohner des Zwergstaates gelten als eines der glücklichsten Völker der Welt, denn Bhutan ist das einzige Land der Welt, das statt des Bruttoinlandsprodukts das "Glück" der Bevölkerung misst. Entscheidend sind dabei neun Faktoren von Gesundheit, Bildung, Lebensstandards bis zu psychologischen Faktoren. Das Land sieht Glück eben nicht nur ...

Susanne Rakowitz

... als individuelle Suche, sondern wird aktiv vom Staat unterstützt. Nicht umsonst zitiert Landwirtschaftsminister Yeshey Dorji gerne Mahatma Gandhi: "Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier."

Susanne Rakowitz
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Die 70-jährige Fran Bak durfte hinein, weil sie bereit war, drei Wochen auf eigene Kosten in Quarantäne zu gehen und von einer früheren Bhutan-Reise bekannt war, so der Chef der Tourismusbehörde Dorji Dhradhul. Andere Interessierte könnten derzeit zwar ebenfalls ein Touristenvisum beantragen, aber es werde je nach Einzellfall entschieden.

Die Entscheidung steht in Einklang mit der Philosophie des Königreichs, wonach das allgemeine Wohlbefinden des Volkes wichtiger ist als Wirtschaftswachstum, es ein sogenanntes Bruttoglücksprodukt gibt und mehr Klima-Emissionen absorbiert als ausgestoßen werden. Seit Jahrzehnten dürfen nur wenige Gäste kommen, und diese müssen für jeden Tag mindestens 250 Dollar im Voraus bezahlen - für Kost und Logis, einen Reiseführer, Transport und Nachhaltigkeitspauschale. Das Land verspricht Berge, Wälder, Dörfer und buddhistische Klöster.

Fran Bak meinte kürzlich bei einem Videoanruf aus ihrem Auto in Bhutan, dass sie wie ein Rockstar empfangen worden sei. "Meine Ankunft gab den Leuten Hoffnung, dass der Tourismus bald wieder zurückkehren würde." Sie schätze die persönlichen Beziehungen mit ihrem Reiseführer, ihrem Fahrer und anderen herzlichen Menschen, die sie während der drei Monate langen Reise kennengelernt hatte. Den Einheimischen habe sie ihr Hobby gezeigt - den Gong zu spielen, ein Schlaginstrument aus Ost- und Südostasien.

Ihr 43-jähriger Reiseführer Gembo Nb und ihr 35-jähriger Fahrer Tashi Tshering klagten, dass das Leben ohne Gäste schwer sei, sie derzeit als Bauern arbeiteten und einige Freunde aus der Branche im Bau. "Aber unser König hilft uns", so Nb. Der im ganzen Land geliebte König Jigme Khesar Namgyel Wangchuck startete ein Programm, bei dem die Menschen unter anderem Darlehen erhielten, eine Steuerbefreiung, den Aufschub von Strom- oder Mietkosten. "Wegen Corona spürt man hier eine große Verzweiflung, aber es gibt auch viel Solidarität und den Glauben, dass man da zusammen durchkommt", berichtet Bak

Wann das Land wieder mehr Gäste empfangen wird, ist noch offen. Man beobachte die Pandemielage weltweit, sagte Tourismuschef Dhradhul. Bhutan sei sich dabei bewusst, dass das Gesundheitssystem leicht überfordert werden könnte.

Bisher hat das Königreich Corona gut gemeistert. Mehr als 90 Prozent der Erwachsenen sind geimpft, seit Pandemiebeginn sind weniger als 2700 Fälle bekannt geworden, kleinere Ausbrüche wurden mit harten Lockdowns bekämpft. Und Dhradhul glaubt, dass sein Land mit seiner langjährigen Tourismustradition gut auf die Zeit nach der Pandemie vorbereitet sei.

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