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HimalayaBhutan: Im Tal der Glücksritter

Bergwärts ziehen: Stippvisite im kleinen Königreich Bhutan, wo das Glück die eine oder andere Kehrtwende macht.

Das bekannteste Kloster Bhutans: das Tigernest
Das bekannteste Kloster Bhutans: das Tigernest © nyiragongo - Fotolia
 

Man kann bedeutend unspektakulärer landen: Eine schmale Einflugschneise, darunter glitzernde Reisterrassen, vor uns liegt ein Tal wie aus dem Bilderbuch. Das passt gut zu Bhutan, dem kleinen Königreich zwischen China und Indien, das auf der internationalen Reiselandkarte noch eher selten auftaucht. Ein Kunststück in unserer vernetzten Welt.

Was einem sonst noch an Fakten unterkommt, passt gut in die Schublade „Es war einmal ein Königreich ...“: Der noch junge König, der eine Ähnlichkeit mit Elvis hat, sorgt sich mehr um das Bruttonationalglück seiner Einwohner denn um das Bruttonationalprodukt des Landes. Das Wappentier ist ein Drache und das Nationaltier ein Takin, besser bekannt als Rindergämse oder Gnuziege. Dass das legendäre Goldene Vlies, das die Argonauten, die Glücksritter der Antike, aus dem heiligen Hain des Gottes Ares klauten, ein Takin-Fell war, lässt sich nur schwer verifizieren. Der Rest allerdings, der ist ziemlich sicher richtig so.

 

Bhutan: Im Land des Donnerdrachen

Gerade mal 750.000 Einwohner hat das kleine Königreich Bhutan. Mitten im Himalaya-Gebiet, liegt es zwischen den Großmächten Indien und China. Aber es hat ...

Susanne Rakowitz

... den Industriegiganten einiges voraus, denn Bhutan ist der einzige klimaneutrale Staat der Welt. Der Zwergenstaat ist nicht nur CO2-neutral, sondern wegen seines Waldes, der viel Kohlendioxid aufnimmt, sogar CO2-negativ. Im Jahr 2013 emittierte das Land nach eigenen Angaben Treibhausgase mit einer Klimawirkung von 2,2 Millionen Tonnen CO2.

Susanne Rakowitz

Der Wald schluckte schätzungsweise 6,3 Millionen Tonnen. Dieser Wert dürfte zukünftig höchstens geringfügig zurückgehen, denn in der Verfassung ist festgeschrieben, dass mindestens 60 Prozent der Landesfläche bewaldet sein müssen.

Susanne Rakowitz

Generell wird Umweltschutz hier groß geschrieben: Hinweistafeln finden sich quer durch das Land. Auch bei Klöstern ...

Susanne Rakowitz

... oder bei der einen oder anderen Schießanlage. Besser gesagt: Bogenschießanlage. Dieser Sport ist hier eine Form des Nationalheiligtums. Wie auch ...

Susanne Rakowitz

... der Takin, das Nationaltier des Königreichs. Besser bekannt als Rindergämse oder Gnuziege. 

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Und ein Königspaar gibt es natürlich auch: König Jigme Khesar Namgyal Wangchuck (36) und Königin Jetsun Pema (26). Im Februar wurde ihr erstes gemeinsames Kind, Kronprinz Jigme N. Wangchuck, geboren.

AP (Kevin Frayer)

Auch der traditionelle „Gho“, eine Art gebundener Kurzmantel mit weißen Manschetten und kniehohen Stutzen, wird noch vielfach getragen.

Susanne Rakowitz

Es ist noch nicht lange her, da war diese Tracht - Frauen tragen die knöchellange „Kira“ - für alle Pflicht. Mittlerweile darf auch westliche Kleidung getragen werden, doch viele Menschen in Jeans sieht man nicht.

Susanne Rakowitz

Die Religion wird im Land besonders groß geschrieben: Der Buddhismus ist hier Teil des Alltags.

Susanne Rakowitz

Rund 2000 Klöster gibt es im Land - und beinahe jede Woche ein Fest mit prachtvollen Tänzen.

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Das wohl bekannteste Kloster ist das sogenannte "Tigernest" - der Aufstieg dauert mehrere Stunden. Anblick und Ausblick sind erhebend.

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Mehr als beeindruckend sind die sogenannten Dzongs: Klöster- und Verwaltungssitze, die nach wie vor genutzt werden. Hier wird gelebt, gefeiert und gebetet. Wer hier durchschlendert, ...

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... bekommt eine Vorstellung davon, wie Tibet ohne chinesische Invasion geworden wäre.

Susanne Rakowitz

Bis in die 1960er-Jahre war Bhutan völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Erst dann wurde die erste Straße nach Indien gebaut, nach China gibt es bis heute keine. 1999 kamen Fernsehen und Internet. Damit das Land nicht von der Globalisierung überrannt wird, gibt es Vorgaben - unter anderem müssen alle neuen Häuser der traditionellen Bauweise folgen.

Susanne Rakowitz

Die Bewohner des Zwergstaates gelten als eines der glücklichsten Völker der Welt, denn Bhutan ist das einzige Land der Welt, das statt des Bruttoinlandsprodukts das "Glück" der Bevölkerung misst. Entscheidend sind dabei neun Faktoren von Gesundheit, Bildung, Lebensstandards bis zu psychologischen Faktoren. Das Land sieht Glück eben nicht nur ...

Susanne Rakowitz

... als individuelle Suche, sondern wird aktiv vom Staat unterstützt. Nicht umsonst zitiert Landwirtschaftsminister Yeshey Dorji gerne Mahatma Gandhi: "Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier."

Susanne Rakowitz
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Bhutan ist tatsächlich anders, das merkt man schon kurz nach der Landung: Yontien, unser Guide, ein Bhutaner, holt uns vom Flughafen ab. Gewandet im traditionellen „Gho“, einer Art gebundenem Kurzmantel mit weißen Manschetten und kniehohen Stutzen. Es ist noch nicht lange her, da war diese Tracht - Frauen tragen die knöchellange „Kira“ - für alle Pflicht. Mittlerweile darf auch westliche Kleidung getragen werden, doch viele Menschen in Jeans sieht man nicht.

Bhutan, seit 2008 eine konstitutionelle Monarchie, versucht den Spagat zwischen Tradition und Moderne. Es ist noch keine 60 Jahre her, dass sich das Land geöffnet hat. Geld gibt es erst seit 1974, davor gab es Tauschhandel. Ginge es nach Yontien, würde man auch heute noch sein Auslangen damit finden. Was sollte man hier auch kaufen, auf dem Weg von Paro in die Hauptstadt Thimphu? Ein malerisches Tal entlang zweier Flüsse, eingebettet in ein stattliches Bergpanorama, schattiert vom unendlichen Grün der Reisterrassen. Shoppingcenter? Fehlanzeige.

 

Bhutans Königspaar: Jigme Khesar Namgyal Wangchuck und Jetsun Pema
Bhutans Königspaar: Jigme Khesar Namgyal Wangchuck und Jetsun Pema Foto © (c) AP (Kevin Frayer)

Dabei hat sich das Land in Rekordzeit modernisiert, aber nur dort, wo es notwendig erscheint. Fernsehen und Internet gibt es seit 1999, der Tourismus ist limitiert. Als wir in der Hauptstadt Thimphu ankommen, wird am Hauptplatz gerade der Geburtstag der Königin gefeiert - selbstverständlich in Tracht, aber das Geburtstagsständchen fällt zeitgemäß aus - es wird gerappt. Immerhin ist Königin Jetsun Pema auch erst 26.

Ein Hauch von Leben im Vergleich zu den alten, mächtigen Dzongs, die in Tal- und Berglagen thronen. Anderswo wären sie längst Museen, hier sind sie nach wie vor Klöster- und Verwaltungssitze. Hier wird gelebt, gefeiert und gebetet. Wer hier durchschlendert, bekommt eine Vorstellung davon, wie Tibet ohne chinesische Invasion geworden wäre. Das merkt man vor allem in den Klöstern, mehr als 2000 gibt es im ganzen Land. Kein Wunder, denn der Buddhismus ist keine Staatsreligion auf dem Papier, sondern fixer Bestandteil des Alltagslebens. Das zeigt allein schon der Festkalender des Landes: „Durchschnittlich jede Woche ein Fest“, wie Yontien erzählt. Nicht ohne Stolz, wohlgemerkt, denn bei den Festen in Bhutan geht es lautstark zu: Wilde Tänze, prächtige Masken und Kostüme - klingt schon wieder nach Bilderbuch. Dabei ist das Leben vieler der 750.000 Bhutaner alles andere als idyllisch, wie es die fantastische Landschaft vermuten lassen könnte. Viele Dörfer sind oft nur zu Fuß zu erreichen, im ländlichen Bereich liegt das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen bei rund 30 Euro im Monat. Vielfach ist der Alltag mehr ein Überlebenskampf.

 

Mächtig: Das Innere eines Dzongs
Mächtig: Das Innere eines Dzongs Foto © ultramansk - Fotolia

Doch Bhutan geht hier einen anderen Weg, jenen des viel zitierten Bruttonationalglücks. Wichtig ist hier die Balance zwischen materiellen und spirituell-emotionalen Bedürfnissen. In Fünfjahresplänen wird das Glück der Bewohner in neun Lebensbereichen erhoben. Im Gegensatz zu den meisten Staaten ist das Glück seiner Bewohner für Bhutan eben keine rein individuelle Angelegenheit, sondern eine Staatspflicht. Wie der Umweltschutz übrigens auch, nur sind das im kleinen Königreich keine leeren Worthülsen, denn das Land ist das einzig klimaneutrale der Welt. Somit haben Aussagen, wie jene des Landwirtschafts- und Forstministers Yeshey Dorji eine andere Nachhaltigkeit: „Es gibt keine größere oder wichtigere Sache als diejenige, den Planeten für zukünftiges Leben zu sichern.“

Und apropos Nachhaltigkeit, das gilt auch für die Bewohner selbst, denn statt diverser Verbotstafeln sieht man am Straßenrand schon mal die eine oder andere Gebotstafel stehen - darunter auch folgende: „Time is the only thing we can't recycle“ („Zeit ist die einzige Sache, die sich nicht recyceln lässt“). Ein guter Hinweis in Richtung Glück.

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