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Puls, Herzflimmern Smartwatches für Herzpatienten: Fluch oder Segen?

Technische Helfer am Handgelenk: wie sie die Diagnose unterstützen können, aber keinen Arzt ersetzen.

Smartwatches für Herzpatienten: Fluch oder Segen?
Smartwatches für Herzpatienten: Fluch oder Segen? © ra2 studio - stock.adobe.com
 

Immer häufiger erlebt Kardiologin Sabine Perl, dass Patienten mit Auswertungen und Daten in ihre Praxis kommen, die ihre Smartwatch ausgespuckt hat. Ist das eine Entwicklung, die zu begrüßen ist?

„Fitnesstracker können Menschen jedenfalls dazu motivieren, mehr Bewegung zu machen“, nennt Perl einen positiven Aspekt – Trainingsziele und die entsprechende Herzfrequenz fürs Training können so gut überwacht werden. Auch können mit diesen Gadgets tatsächlich Erkrankungen entdeckt werden: So hat eine Studie bestätigt, dass die Applewatch Vorhofflimmern erkennen kann – in 80 Prozent der angezeigten Fälle bestätigte sich der Verdacht der Smartwatch bei der Untersuchung durch den Arzt.

Beim Vorhofflimmern kommt es zu unregelmäßigen Herzschlägen oder „Herzrasen“, das plötzlich auftritt. Das typische Erscheinungsbild in der Pulsmessung: Der Herzschlag ist eigentlich regelmäßig mit der gewohnten Frequenz und wechselt dann sprunghaft in eine deutlich höhere Frequenz. Dahinter könne ein Vorhofflimmern stecken, das oft die Folge eines unbehandelten Bluthochdrucks ist, erklärt Perl.

Zur Unterstützung einer Diagnose wie zur Überwachung von Trainingszielen können die Uhren also hilfreich sein.

Solche Uhren ersetzen aber keinesfalls den Arzt, denn mit dem muss man besprechen: Was bedeuten diese Daten für mich?

Sabine Perl, Kardiologin

„Zum Problem können Smartwatches für Menschen werden, die ohnehin schon jeden Extra-Herzschlag spüren, dahinter aber keine Krankheit steckt“, sagt Perl. Für solche besonders vorsichtigen Menschen kann das Gerät zum Fluch werden, da sie nur noch am Messen sind – während es für andere ein Segen sein kann. „Solche Uhren ersetzen aber keinesfalls den Arzt, denn mit dem muss man besprechen: Was bedeuten diese Daten für mich?“, sagt Perl.

Welcher Puls ist normal?

Der gesunde Ruhepuls liegt zwischen 50 und 80 Schlägen pro Minute“, sagt Sabine Perl. Den Ruhepuls misst man in Situationen, in denen man völlig entspannt ist - jede körperliche oder psychische Anstrengung hat Einfluss auf den Herzschlag. „Allein der Gedanke an etwas Beängstigendes verändert den Puls“, sagt Perl.

Dass unser Herzschlag auf unsere Aktivität reagiert, ist lebensnotwendig - tut er das nicht, könnte das ein erstes Anzeichen für eine Krankheit sein: „Steigt der Puls bei Belastung nicht an, wäre das bedenklich“, sagt Perl. Doch das ist nicht das einzige Warnsignal, das die Pulsmesser am Handgelenk aufzeichnen: Unser Herz schlägt normalerweise sehr rhythmisch - daher könne ein unregelmäßiger Pulsschlag ein Zeichen dafür sein, dass eine Rhythmusstörung des Herzens vorliegt.

Liegt der Ruhepuls permanent über 80, sollte man sich vorsichtshalber untersuchen lassen“, rät Perl. So könne auch eine Überfunktion der Schilddrüse oder eine Herzschwäche dahinterstecken.

 

Kommentare (4)
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Stemocell
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Interessantes Thema, habe vor ca. 10 Jahren mal eine Arte-Doku

über diese ‚Fitness-Uhren‘ gesehen, damals waren die Dinger ja noch eher Science Fiction. Bei der Doku ging es unter anderen darum, ob in Zukunft Menschen, die sich permanent selbst überwachen, Vorzüge bei Krankenversicherungen etc. bekommen sollten. Wie gesagt, vor 10 Jahren noch Utopie, oder besser, Dystopie? Da wären wir wieder beim aktuell viel diskutierten Thema ‚Gesundheitsdiktatur‘.
Bei mir in der Arbeit hat schon fast jeder so ein Teil am Handgelenk, dabei konnte ich vor allem eines beobachten: Ruhe vermitteln diese Uhren ganz bestimmt nicht! Wie es im Artikel richtig steht: Völlig gesunde Menschen bekommen die Panik, weil vielleicht 1-2 Mal der Puls nicht so ist wie üblich. Das kann 1000 Gründe haben, bis hin zu einer Fehlfunktion der Uhr selbst. Ich sehe jedenfalls keinen Grund, mich 24/7 selbst zu überwachen, für mich ist das krankhaftes Verhalten. Um gesund zu bleiben reichen Bewegung und eine ausgewogene Ernährung, die Uhr ist maximal ein zusätzlicher Stressfaktor.

xandilus
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Smatwatch=Unruhestifter

Da hast Du vollkommen Recht, Stemocell. Ich hatte auch einmal eine Apple Watch, habe diese jedoch nach ein paar Wochen wieder verkauft. Erstens wegen dem Mehr an Gesundheit, was sie überhaupt nicht brachte, im Gegenteil: der Streß durch das ständige Messen wurde größer und zweitens, eigentlich der wichtigere Grund, war ich es einfach leid ständig durch irgendwelche Nachrichten belästigt zu werden, sei es Email, WhatsApp, FB oder was auch immer. Von den sog. sozialen Netzwerken ist bei mir nur Email übriggeblieben, einfach weil ich ohne nicht auskomme. Alle anderen habe ich über Board geworfen, und telefoniere lieber, wenn mir eben danach sein sollte.
Als Zeitmesser habe ich nun übrigens eine Einzeigeruhr, und diese trägt tatsächlich zur Entschleunigung bei, so wie es sein soll....

hbratschi
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@stemocell @xandilus

ich finde beide kommentare "lesenswert"👍. ich trag selbst, nach einmonatiger "überzeugungsphase", keine "fitnessuhr" mehr, weil sie mir nichts bringt. aber ich denke, dass diese dinger für viele hilfreich sein können. es gilt, wie für eh alles: die dosis macht das gift. man kann alles übertreiben aber man kann es auch "vernünftig" verwenden. und das muss halt jeder für sich selbst entscheiden. wer sich durch sowas stressen lässt, dem ist wahrscheinlich eh nur schwer zu helfen, denn der wird sich sowieso durch alles und jedes unter druck gesetzt fühlen. also wird eine generelle aussage: das ist gut bzw schlecht, für jeden eine für ihn eigene sein...

Hazel15
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Smartwatches für Herzpatienten

Ich rede hier als Herzpatient nach Herzinfarkt. Das erste was man bei der Reha bekommt, ist eine Pulsuhr (falls mannoch keine Smartwatch oder Pulsuhr hat) Wer ein sinnvolles Cardiotraining machen will, für den ist eine Pulsuhr unerlässlich um sein Training anzupassen. Nach einem Belastungs-EKG bekommt man die Pulswerte an das man sich dasTraining (fahren auf dem Ergometer, vom Wandern bis schnelles gehen usw.) anpasst (mindest- maximalPuls) Ob jemand eine reine Pulsuhr verwendet oder eine Smartwatch ist jedem selbst überlassen (man braucht die Uhr ja nicht am Handy anmelden und nur die Pulsfunktion verwenden. Beim Training habe ich sowieso kein Handy dabei. Ansonsten nutze ich sie als normale Uhr wobei ich nur das Telefon freigeschaltet. habe.