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Covid-19Dreimal mehr Männer als Frauen auf Intensivstationen behandelt

Bilanz der Intensivmediziner in Österreich: Wenige erkranken schwer, doch diese müssen sehr lange behandelt werden.

Dreimal mehr Männer auf Intensivstationen behandelt
Dreimal mehr Männer auf Intensivstationen behandelt © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Seit dem Höhepunkt am 8. April geht die Zahl jener Patienten mit COVID-19, die auf einer Intensivstation versorgt werden müssen, wieder zurück und liegt aktuell unter 100. „Diesen Trend beobachten wir mit großer Erleichterung“, sagt Klaus Markstaller, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI).

Die erste Phase habe gezeigt, dass insgesamt nur wenige SARS-CoV-2-positive Menschen schwer erkranken. „Aber jene, die von einer kritischen Erkrankung betroffen sind, haben sehr schwere Verläufe“, fasst Markstaller Erfahrungen von Intensivstationen in ganz Österreich zusammen.

Allgemein beobachtet wird neben der besonderen Schwere der kritischen Erkrankung auch die ungewöhnlich lange Dauer der Intensivaufenthalte. „Auch wenn es Unterschiede nach Zentren und Regionen gibt, sprechen wir hier von Aufenthalten von zwei bis vier Wochen, das ist deutlich länger als die sonstige durchschnittliche Liegedauer auf Intensivstationen“, sagt Markstaller.  

Nicht nur alte Patienten

„Es zeigt sich, dass wir es hier keineswegs nur mit hochbetagten Patienten zu tun haben, an unserem Zentrum haben wir bisher etwa ein Durchschnittsalter von knapp 64 Jahren gesehen,“ sagt Christoph Hörmann (Universitätsklinikum St. Pölten).

Was die Vorerkrankungen betrifft, so bestätigen sich bisherige Beobachtungen, weiß Rudolf Likar (Klinikum Klagenfurt am Wörthersee): „Bluthochdruck, COPD und andere chronische Lungenerkrankungen, starkes Übergewicht, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz, aber auch Schlafapnoe sind typische Vorerkrankungen, die wir bei an COVID-19 Erkrankten in den letzten Wochen an den Intensivstationen gesehen haben.“

Weiter verdeutlicht hat sich inzwischen auch ein Befund zu Geschlechterunterschieden: Während bei den bestätigten COVID-19-Diagnosen insgesamt nur knapp mehr Männer als Frauen betroffen sind, sieht es auf den Intensivstationen anders aus - etwa dreimal mehr an COVID-19 erkrankte Männer wurden hier behandelt. „Warum das so ist, ist nach dieser kurzen Zeit nicht ausreichend erforscht“, sagt Walter Hasibeder (Krankenhaus St. Vinzenz, Zams). „Eine These betrifft den ACE-2-Rezeptor, der für das Andocken des Virus am Atemweg verantwortlich ist. Dieser ist bei Männern in höherer Dichte vorhanden.“

Beatmung sehr wichtig

Weil schwere Atemstörungen bei allen intensivpflichtigen COVID-19-Patienten im Vordergrund stehen, ist auch die Beatmung ein wichtiger Therapiebestandteil. Hörmann: „Laut unseren Auswertungen wird etwa ein Fünftel der Patienten nichtinvasiv beatmet, die überwiegende Mehrheit wird intubiert.“ Likar ergänzt: „Die Beatmung ist sehr aufwendig, hier sind auch kinetische Lagerungen, also das Verbringen in Bauchlage, erforderlich, was den Effekt der Beatmungstherapie oft deutlich verbessert.“

Massiv an Bedeutung gewinnt auch die Behandlung der bei dieser Patientengruppe verbreiteten Gerinnungsstörungen, berichtet Hasibeder. „Mit zunehmender Erfahrung sehen wir, dass Mikro-Gefäßverschlüsse ein Teil der massiven Probleme sein dürften.“ Zum Einsatz kommt auch eine Vielfalt anderer Therapien, unter anderem etwa monoklonale Antikörper und vereinzelt Therapien auf der Basis von Rekonvaleszenten-Plasma – letzteres mit unterschiedlichem Erfolg.

Mit zunehmender Zahl von als geheilt entlassenen COVID-19-Intensivpatienten zeigt sich auch, dass aufgrund der langen Intensiv- und Beatmungsdauer ein hoher Rehabilitationsbedarf besteht. „Je länger die Beatmung andauert, desto mehr Atmungsmuskelmasse, aber natürlich auch Skelettmuskulatur, verschwindet. Betroffene bauen Muskelproteine ab und brauchen nach überstandener Krankheit sehr intensive physiotherapeutische Programme, um wieder auf die Beine zu kommen,“ berichtet Hasibeder.

Gerüstet für nächste Krankheitswelle

Markstaller. „Wir müssen weiter gerüstet bleiben für einen möglicherweise wieder steigenden intensivmedizinischen Bedarf einer oder mehrerer weiterer COVID-19-Erkrankungswellen. Denn wir können nicht davon ausgehen, dass die Gefahr bereits  gebannt wäre.“ Die Maßnahmen im Rahmen des Pandemie-Managements, und die engagierte Umsetzung der Vorsichtsmaßnahmen durch die Bevölkerung bleiben wesentlich, so der ÖGARI-Präsident: „Das ist die Basis für den bislang positiven Verlauf und die Tatsache, dass bisher zu keinem Zeitpunkt die intensivmedizinischen Kapazitäten bis zur Überforderung ausgereizt waren. Die vielzitierte schrittweise Rückkehr zur Normalität ist zu begrüßen, doch wichtige Vorsichtsmaßnahmen wie Händehygiene und physischer Abstand werden und sollten uns noch lange begleiten, damit diese Befunde so bleiben.“

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