Das erste Mal Ein Biochemiker berichtet von seinem ersten Forschungserfolg

Biochemiker Didac Carmona-Gutiérrez ist mit seiner Forschung dem Altern auf der Spur. Warum sich das manchmal wie Rock 'n' Roll anfühlt.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
© Großschädl
 

Er kommt aus dem quirligen Barcelona, studierte in Tübingen und den USA, bis er im Jahre 2005 in Graz im Team von Altersforscher Frank Madeo landete. Das Team des Instituts für Molekulare Biowissenschaften an der Grazer Karl-Franzens-Universität ist einem Geheimnis auf der Spur, das uns alle betrifft: dem Altern. Was dem Forscher immer in Erinnerung bleiben wird.

Forschung ist wie eine Entdeckungsreise in ein unbekanntes Land. In der Biowissenschaft schaut man dem Zauber des Lebens ein bisschen in die Karten. Es ist so, als wäre man in einer Zaubershow und auf einmal versteht man einen Trick. Dieses Verstehen habe ich zum ersten Mal gefühlt, als wir versuchten, die Funktion eines Proteins im Zelltod nachzuweisen. Es sollte laut unserer Hypothese unter bestimmten Bedingungen in den Zellkern gehen. Wir haben es mit einem Fluoreszenzmolekül markiert und am Mikroskop überprüft. Nach mehreren Anläufen und Probenvorbereitungen über mehrere Tage habe ich das Protein dann im Kern entdeckt. Ich war sprachlos. Das Gefühl, dass man dem Verstehen von etwas Unbekanntem etwas näher ist, hat lange angedauert.

Verraten Sie uns, wie man das Altern austricksen kann?

Die Anregung der Autophagie könnte ein Schlüssel sein. Autophagie ist ein Aufräumprozess in der Zelle, der zur Beseitigung beschädigter oder überflüssiger Bestandteile führt. Fasten oder bestimmte Substanzen (z. B. Spermidin) regen die Autophagie an. Es geht aber nicht unbedingt darum, 200 Jahre alt zu werden, sondern gesund zu altern. Ohne Krankheiten wie Neurodegeneration, Krebs oder Herzkreislauferkrankungen, die mit dem Altern einhergehen. Eines der Konzepte, die wir verfolgen, ist, das Altern als Gesamtprozess zu beeinflussen, um solche Krankheiten zu vermeiden, anstatt sie einzeln bekämpfen zu müssen.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Die Säulen der Forschungsarbeit sind die theoretische Auseinandersetzung und die praktische Umsetzung der eigenen Ideen zusammen mit dem Laborteam. Man experimentiert, reist, hält Vorträge, wagt neue Denkansätze. Man feiert auch, wenn ein Projekt gut gegangen ist. Alles mit Leidenschaft - Forschung ist ein bisschen wie Rock 'n' Roll.

Zur Person

Didac Carmona-Gutiérrez (38) aus Barcelona lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern (2 und 4 Jahre alt) in Graz.
Ausbildung: Bachelor- und Masterstudium Molekulare Biowissenschaften (sechs und vier Semester).


 

 

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!