Das sagen auch nur wenige: Maike Märzendorfer hat sich schon als Kind in Krankenhäusern immer wohlgefühlt, weil sie diese als interessant, spannend und faszinierend empfand. So kam es auch, dass sie sich für die Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Leoben entschied. Spätestens bei ihrer ersten Wachkraniotomie wusste sie: richtige Entscheidung.

Das hatte wirklich etwas Science-Fiction-Mäßiges, weil der Patient ja munter ist. Man muss sich das so vorstellen: Man steht hinter dem offenen Schädel und der Patient ist vorne wach und spricht munter über seine Lebensgeschichte – das ist schon arg und faszinierend zugleich.

(Hier geht es zum Live-Video einer in Graz durchgeführten Wachkraniotomie. Warnung! Sie sollten wissen, dass Sie direkt ins Gehirn einer Patientin blicken!)

Wieso ist der Patient bei Bewusstsein?

Das macht man so, weil der Tumor aufs Sprachzentrum drückt und man so mithilfe von Neuromonitoring testen kann, wo genau die Grenze des Tumors ist. Sonst könnte man das Sprachvermögen des Patienten gefährden. Faszinierend, was die Medizin alles leisten kann.

Wie kann man sich sonst Ihren Alltag vorstellen?

Das klischeehafte Denken der Gesellschaft ist, dass wir während der OP neben dem Chirurgen stehen und ihm die Instrumente zureichen. Aber das „Instrumentieren“ ist nur ein kleiner Teil. Wir kümmern uns um den reibungslosen Ablauf der Operation, um die Logistik im Hintergrund, also um Patient und Instrumentarium. Wir kontrollieren, ob alle technischen Geräte vorhanden sind und funktionieren. Und ob die Sterilität gewährleistet ist. Wir sind für das ganze Rundherum verantwortlich, damit die Operation stattfinden kann.

In der Neurochirurgie erleben Sie sicher sehr viele emotionale Momente.

Ja, mir ist da besonders eine schwangere Frau in Erinnerungen geblieben. Sie hatte einen Hirninfarkt: Für sie konnten wir nichts mehr tun. Wir haben aber das Baby mithilfe der Kollegen aus der Gynäkologie mit einem Kaiserschnitt geholt. Es war kurz vor Weihnachten, ich werde den Anblick des Kindsvaters nie vergessen. Man sollte es einfach viel mehr schätzen, gesund zu sein. Aber auch nach diesen traurigen Erlebnissen kann ich diesen Beruf nur empfehlen, weil man Menschen wirklich helfen und auch bei Krankheiten ihre Lebensqualität verbessern kann.