Am 26. September feiern wir wieder einmal den „Tag des gesunden Frühstücks“. Klingt nach einer jener kuriosen Erfindungen, bei denen man sich fragt, ob dem Kalenderhersteller langweilig war. Aber halt! Zwischen „Tag der Jogginghose“ und „Tag der Currywurst“ ist dieser Tag tatsächlich sinnvoll – denn ohne Frühstück läuft der Mensch wie ein Traktor ohne Diesel: Er ruckelt, qualmt und bleibt spätestens bei der ersten Videokonferenz um 9:15 Uhr im Standgas stecken.

Video – Zu Gast auf ein Frühstück im Viola im Garten

Also habe ich mir gedacht: Wenn schon Tag des Frühstücks, dann dort, wo man es ernst meint mit der ersten Mahlzeit – und bin nach Bad Aussee gefahren. Ins „Café Viola im Garten“. Schon der Name klingt wie eine Mischung aus Opernbühne und Schrebergarten, und tatsächlich: Man sitzt zwischen Alpenblumen, als hätte Peter Alexander persönlich die Kulisse bestellt.

Das kleine Häuschen, im Zuge der Landesausstellung 2004 für Bildungszwecke erbaut, liegt versteckt im Bad Ausseer Alpengarten.
Das kleine Häuschen, im Zuge der Landesausstellung 2004 für Bildungszwecke erbaut, liegt versteckt im Bad Ausseer Alpengarten. © Marina Schobegger

Gastgeberin Marina Schobegger serviert Frühstück bis zwölf Uhr. „Aber bitte reservieren, wir sind fast immer ausgebucht“, lacht sie, während sie in der kleinen Gartenküche ein Brot belegt, das nicht nur satt macht, sondern ganze Romane über Regionalität erzählen könnte: Sauerteigbrot vom Bäcker ums Eck, drauf ein Hummus aus steirischen Käferbohnen – püriert mit Zitronensaft, Öl, Salz, Pfeffer. Fertig. Keine Hexerei, sagt Marina. „Das bringt sogar jemand mit zwei linken Händen zusammen.“

Und weil man in Aussee ohne Fisch ungefähr so viel gilt wie ein Fußballspiel ohne Verlängerung, kommt noch geräucherter Saibling dazu. Wer’s mag, kriegt ein pochiertes Ei oben drauf – frisch, versteht sich. „Nur ins heiße Wasser, sonst nix“, erklärt Marina. Kein Essig, kein Hokuspokus. „Aber das Ei muss frisch sein, sonst wird’s nix.“ Na bitte, wieder etwas gelernt: Qualität schlägt Küchenzauber.

Frisch gepresster Obst- und Gemüsesaft, dem rote Rüben seine intensive Farbe verleihen.
Frisch gepresster Obst- und Gemüsesaft, dem rote Rüben seine intensive Farbe verleihen. © Martin Huber

Gesund ist das Ganze obendrein. „Bei uns darf’s auch einmal süß sein, aber im Kern soll Frühstück Kraft geben und trotzdem schmecken“, so Marina. Und genau da liegt der Punkt: Gesund heißt nicht Verzicht, sondern Balance. Ein bisschen Gemüse, ein Spritzer Kernöl, eingelegte Zwiebel für die Säure – schon ist die Sache rund.

Der „Tag des gesunden Frühstücks“ will uns daran erinnern, dass die erste Mahlzeit des Tages kein bloßes Beiwerk ist. Studien zeigen: Wer frühstückt, kann sich besser konzentrieren, hat weniger Heißhungerattacken und – Überraschung – ist auch besser gelaunt. Man könnte also sagen: Frühstück rettet Beziehungen, weil niemand gerne neben einem grantigen, hungrigen Menschen im Büro sitzt.

Müsli mit Ribiseln und Heidelbeeren, im Hintergrund ein Kipferl.
Müsli mit Ribiseln und Heidelbeeren, im Hintergrund ein Kipferl. © Martin Huber

Und Hand aufs Herz: Ein Frühstück wie bei Marina hat noch einen weiteren Effekt – es macht stolz. Stolz, dass man nicht zur Tankstelle gefahren ist, um ein trockenes Wurstsemmerl mit Energydrink runterzuspülen, sondern dass man dem eigenen Körper etwas gegeben hat, das er versteht.

Das Schöne: Man braucht dafür keinen Alpengarten. Ein gutes Brot, ein paar regionale Zutaten, etwas Fantasie – und schon wird auch die eigene Küche zur Bühne. Ein Löffel Bohnenaufstrich statt Butter, ein paar Nüsse statt Zuckerringe, ein pochiertes Ei als Krönung. Wer so in den Tag startet, merkt: Die Snooze-Taste verliert an Macht.

 Im Bild v. l. Marina Schobegger und Julia Pointl.
Im Bild v. l. Marina Schobegger und Julia Pointl. © Martin Huber

Mein Fazit nach Bad Aussee: Frühstück ist keine Mahlzeit, Frühstück ist eine Einstellung. Und am 26. September darf man sich daran erinnern – gern auch öfter. Denn wie sagt Marina so schön: „Gesund kann gleichzeitig richtig schmackhaft sein.“
Na dann: Mahlzeit, Morgenmuffel.