Hand aufs Herz: Wer von uns hat die Physalis nicht schon mal achtlos vom Dessert-Teller gekickt? Dieses kleine orange Kügelchen, eingewickelt in ein raschelndes Papierhäubchen, das aussieht, als wäre es vom letzten Laternenumzug übrig geblieben. Ein nettes Gschau vielleicht, kulinarisch aber oft so inspirierend wie ein Luftballon nach der Kindergeburtstagsparty.

Video – So setzt man Physalis in Szene

Doch dann kommt einer wie Peter Troißinger jr. daher – Hotelier, Koch, Gartenflüsterer aus dem Malerwinkel in Hatzendorf – und macht aus der ewigen Nebendarstellerin plötzlich den Star der Bühne. Da wird die Physalis nicht lieblos aufs Tiramisu gedroppt, sondern mariniert, kombiniert, gefeiert. Und siehe da: das goldene Kugerl kann mehr als nur Deko.

Die Cape-Gooseberry, wie sie international heißt, stammt ursprünglich aus Südamerika, trägt einen Schatz an Vitaminen und Antioxidantien in sich und schmeckt wie eine tropische Affäre zwischen Ananas und Weintraube. Kurz: eine kleine Vitamin-C-Bombe im Designer-Mantel. Trotzdem fristet sie bei uns meist das Schicksal einer Statistin. Troißinger aber stellt sie mitten ins Rampenlicht – und das mit einer Begeisterung, die fast an Mission grenzt.

Mehr Zutaten braucht es für das Physalis-Gericht von Peter Troißinger jr. nicht.
Mehr Zutaten braucht es für das Physalis-Gericht von Peter Troißinger jr. nicht. © Stefan Pajman
Sie trägt ein Papierkleid, leuchtet wie die Sonne und wird trotzdem meist wie ein Mauerblümchen behandelt. Peter Troißinger jr. holt die Physalis ins Rampenlicht.
Sie trägt ein Papierkleid, leuchtet wie die Sonne und wird trotzdem meist wie ein Mauerblümchen behandelt. Peter Troißinger jr. holt die Physalis ins Rampenlicht. © Stefan Pajman

Sein Rezept klingt einfach, ist aber große Oper: Papierhäubchen ab, Frucht spalten, ab in eine Marinade aus Apfelsaft, Essig und Creme-Paste, ein bissl Salz. Dazu Gurken aus dem eigenen Garten, Mini-Melotria mit Melonen-Look, Flusskrebserl auf Karotten-Schalotten-Kompott, ein Agar-Agar-Gel – und mittendrin die Physalis, nicht mehr als Beilage, sondern als Taktgeberin. „Wenn wir sie selber anbauen, ist sie süßer, mit einem spannenden Säurespiel – perfekt für Salate, Fisch oder Chutney“, schwärmt der kreative Koch. Eis könne man daraus auch fertigen, „aber dafür braucht man wirklich viel“.

Und während man bei vielen Desserttellern das Physalis-Papier wie ein ungewolltes Geschenkpapier zerknüllt, bringt Troißinger uns bei, genauer hinzuschauen: Diese Frucht ist robust, vielseitig, gesund – und, wenn man ihr die Chance gibt, der Star am Teller.
Fazit nach dem Spaziergang durch den Malerwinkel-Garten: Die Physalis ist keine Alibi-Kugel mehr, sondern eine Rampensau mit Goldglanz. Wer einmal probiert hat, wie sie Fisch küsst, sich in Joghurt schmiegt oder mit Gurken ringt, wird sie nicht mehr vom Teller kicken. Danke, PeterTroißinger, fürs Umschreiben der Rollen – vom Statisten zur Hauptdarstellerin. Und wir alle lernen: Manchmal braucht’s nur ein bisschen Mut, um selbst die kleinste Kugel groß rauszubringen.

Sauerampfer-Joghurt auf Teller verteilen, mit marinierten Physalis und Gurken belegen, marinierte Flusskrebse darauf anrichten, mit frischen Kräutern wie Dill, Basilikum oder Estragon garnieren.
Sauerampfer-Joghurt auf Teller verteilen, mit marinierten Physalis und Gurken belegen, marinierte Flusskrebse darauf anrichten, mit frischen Kräutern wie Dill, Basilikum oder Estragon garnieren. © Stefan Pajman