Es gibt kulinarische Trends, die gehen schneller wieder vorbei, als man „Cronut“ sagen kann. Und dann gibt es jene, die bleiben, weil sie schlicht zu schön sind, um nicht fotografiert zu werden. Der französische Patissier Cédric Grolet hat es vorgemacht: täuschend echte Früchte, die sich als hochkomplizierte Dessertkunst entpuppen. Mangos, Zitronen, Nüsse – alle perfekt modelliert, glänzend lackiert, mit cremigem Inneren. „Pretty Desserts“ nennt sich das und macht derzeit Social Media unsicher. Instagram ist voll mit perfekt drapierten Äpfeln, die beim ersten Schnitt ihr süßes Innenleben preisgeben.

Video – So gelingt das „Pretty Dessert“ auch daheim

Was Grolet in Paris erfunden hat, schwappt also über die Grenzen. Und, Hand aufs Herz: Wer sich die Mühe macht, einmal eines dieser Kunstwerke zu verspeisen, vergisst nie wieder das Knacken der Glasur. Ein Genuss, der mehr mit Theater zu tun hat als mit Torte. Die ganze Welt schaut gebannt zu, während die Pariser Patisserie so tut, als hätte sie die Kirsche neu erfunden.

Nun aber zu unserem Hauptdarsteller. Denn während in Paris die Foodies vor Grolets Boutique anstehen, passiert im südoststeirischen Feldbach etwas Ähnliches – freilich mit Augenzwinkern und einer Portion Hausverstand. Dominik Fitz, Pâtissier mit Leidenschaft und über die Feldbacher Grenzen hinaus längst bekannt als Meister des süßen Handwerks, hat sich nur für uns diesem Trend angenommen. „Normalerweise schaut das Kleine Zeitung-Team hauptsächlich in der Adventzeit bei uns vorbei, wenn’s um Kekse und Christbaumschmuck geht“, scherzt er gleich bei unserer Ankunft.

Fitz, das sei dazu gesagt, ist keiner, der Trends blind hinterherläuft. Cronut, Dubai-Schokolade, Matcha-Hype – die meisten gehen an Feldbach vorbei, während der Zuckerbäcker in seiner Backstube bodenständig seine eigenen Klassiker pflegt. „Bei uns am Land dauert es sowieso meist länger, bis solche Trends auch wirklich ankommen“, schmunzelt er trocken.

Die Umsetzung einiger dieser „Pretty Desserts“ ist tatsächlich gar nicht so schwierig. Fitz erklärt eines so, dass man zu Hause zumindest den Versuch wagen könnte: „Wir nehmen Weichseln, machen ein fruchtiges Mus draus, ziehen es mit Eiweißschaum und ein bisschen Gelatine auf – fertig ist die luftige Basis.“ Dann kommt die Technik ins Spiel: Kleine Halbkugeln werden eingefroren, mit der zweiten nur gekühlten Hälfte zusammengesetzt, mit Glasur oder Schokolade überzogen.

Und dann wird’s professionell: Mit Airbrushpistole oder roter Kakaobutterfarbe aus der Spraydose werden die kleinen Kugeln zum täuschend echten Obst. Glänzend, perfekt rund und mit einem Schoko-Stiel versehen.

Am Ende liegt sie da, die „Pretty Dessert Kirsche“ made in Feldbach. So schön, dass man sie fast nicht anbeißen möchte. Fast. Denn wenn die Glasur knackt, wenn das fruchtige Mousse sich am Gaumen ausbreitet, dann ist der ganze Aufwand plötzlich völlig logisch. Dass Fitz schon vor Jahren ähnliche Desserts in sein Programm aufgenommen hat – eine Zitrone, eine Mohnkirsche – zeigt, dass er auch ohne französischen Hype weiß, was Anklang findet. Nur halt in überschaubareren Mengen.

Was bleibt? Dass ein Trend aus Paris auch im Vulkanland seinen Platz findet – wenn man ihn mit Humor und Hausverstand interpretiert. Dass Dessertkunst nicht nur etwas für Foodies auf Instagram ist, sondern auch daheim gelingt, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt. Und egal wie viel man sprüht, lackiert oder temperiert: Es geht ums Knacken, ums Staunen und ums süße Lächeln danach. Cédric Grolet mag die Welt mit Pretty Desserts erobern. Aber wenn in Feldbach die Kirsche knackt, dann ist das genauso weltbewegend – zumindest für alle, die sie kosten dürfen.