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Essay Das Ende der Wahrheit - Fakt oder Fake?

Noch nie zuvor hatten Menschen so schnell und einfach Zugriff auf einen schier unendlichen Speicher an Wissen. Zu verdanken haben wir das der Entwicklung des World Wide Web. Wahrheit und Lüge liegen da nur einen Mausklick voneinander entfernt. Ein Wegweiser für den Informationsdschungel.

Small Fish With Ambitions Of A Big Shark
Wo beginnt die Lüge, wo hört die Wahrheit auf? © (c) Getty Images/iStockphoto (RomoloTavani)
 

Pro Minute werden alleine auf YouTube mehr als 500 Stunden Videos hochgeladen, Blogging war noch nie so beliebt und in Österreich ist knapp die Hälfte der Bevölkerung auf Facebook aktiv. Es ist nicht nur einfach, Inhalte zu konsumieren, sondern auch, diese selbst zu erstellen und hochzuladen. User sind nun nicht mehr "nur" Nachrichtenkonsumenten, sondern auch Produzenten. Sie verschicken Bilder, teilen Videos und publizieren eigene Texte, Tätigkeiten, die früher professionellen Medienarbeitern und Journalisten vorbehalten waren. Damit stellt sich eine ganze Reihe von Fragen: Sind plötzlich alle Journalisten? Hat das digitale Zeitalter den Journalismus um seine Existenzberechtigung gebracht? Und wer entscheidet nun, was richtig und falsch, was wahr und eine Täuschung ist?

Styria Ethics: Lügen im Journalismus

Mit diesem Dossier und der Veranstaltung unter dem Motto „Lügen im Journalismus“ am 24. Mai 2018 möchte die Kleine Zeitung einen Beitrag leisten, um Bewusstsein für Media Literacy und den Umgang mit Lügen im Journalismus zu schaffen.

Dieser von Julia Maierl, Patrick Schlauer und Alexandra Diendorfer recherchierte Beitrag entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen Styria und der FH Joanneum.

Die Antworten sind so komplex, wie es die Fragen vermuten lassen. Die Aufgabe von Journalisten ist es, das Publikum mit geprüften Fakten zu informieren, „die Mächtigen“ zu kontrollieren, politische Entscheidungen kritisch zu kommentieren und zu hinterfragen. Um damit – in einem Satz – die Demokratie zu sichern. Schwindet das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Medien, bedroht das nach dieser Ansicht auch die Demokratie. Nicht ohne Grund hat es das Adjektiv „postfaktisch“ zum Wort des Jahres 2016 der Gesellschaft für deutsche Sprache gebracht. Und lag „fake news“ auch in einigen Listen 2017 ganz weit vorne.

In einer Gesellschaft, in der sich die Meinungsbildung weniger auf objektive Tatsachen, als das Hervorrufen von Gefühlen und persönlichen Überzeugungen gründet, entsteht ein Alltag der Desinformation. Weltpolitisches Geschehen auf den Bühnen USA und UK haben zur allgemeinen Verunsicherung maßgeblich beigetragen. In Amerika wurde ein rechtspopulistischer Milliardär zum Präsidenten gewählt, der seine politischen Entscheidungen über Twitter legitimiert. In Großbritannien konnte die Brexit-Kampagne ein Referendum gewinnen, obwohl sämtliche ökonomischen Institute erklärten, dass ein Austritt aus der EU dem Land erheblich schaden würde. Droht das "Ende der Gesellschaft"?

Was sind vertrauenswürdige Quellen und wo sind sie zu finden? Michael Schuen aus der Sportredaktion der Kleinen Zeitung klärt auf und erzählt aus seinem Alltag als Journalist:

 

Die einstmalig zuverlässig konsultierten klassischen Medien müssen nun um ihre Stellung als vierte Säule im Staat und ihren vertrauenswürdigen Ruf in der Öffentlichkeit kämpfen. Im Strudel der Medienkrise greift die Fake News-Debatte und der Vorwurf der „Lügenpresse“ um sich. In der Praxis hat der zeitknappe emotionalisierte Bürger selten die Möglichkeit, komplizierte Sachverhalte im Detail nachzuprüfen und gerät so in eine Wahrheitskrise. Was können wir noch glauben? Wie schätzen wir Quellen richtig ein? Die Lösung des deutschen Medienwissenschaftlers Bernhard Pörksen lautet: „Alle müssen Journalisten sein“.  

Petra Prascsaics aus dem Ressort Leben und der Kinderzeitung, und der Redaktionsmanager der Kleinen Zeitung, Bernhard Olbrich, sprechen über die Wichtigkeit von Medienkompetenz in unserer Gesellschaft:

Das Stichwort lautet „Media Literacy“ – zu Deutsch Medienkompetenz. Neben dem Lesen und Schreiben müssen wir unseren Jüngsten auch beibringen, wie sich im neuen Mediendschungel zurechtfinden. Der Begriff meint kritisches Denken im Umgang mit Medien zu entwickeln und deren Publikationen zu hinterfragen. Um dieses Prinzip in der Gesellschaft zu fördern, fordert Pörksen ein Schulfach, welches „an der Schnittstelle von philosophischer Ethik, Sozialpsychologie, Medienwissenschaft und Informatik“ ansetzt. Media Literacy soll anhand journalistischer Prinzipien wie detaillierter Recherche, Quellenanalyse und Faktenchecks vermittelt werden.

Ein bedeutender Bestandteil von Medienkompetenz ist zudem das Erkennen von Fake Fotos und Videos. Tagtäglich kämpfen wir uns sowohl im Internet, als auch in den Zeitungen durch eine Flut an Bildern. Schon lange können wir ihnen nicht mehr blind vertrauen. Zu einfach werden Fotos und Videos retuschiert, manipuliert und verändert. Oftmals kann nicht einmal ein geschultes Auge zwischen Wahrheit und Täuschung unterscheiden.

Roman Vilgut aus der Wirtschaftsredaktion der Kleinen Zeitung gibt Tipps und Tricks aus dem Alltag eines Journalisten, wie Sie ein Fake Bild leicht erkennen können:


Einstweilen müssen wohl die Medien das Phänomen Fake News als Chance nutzen, um zu zeigen, dass sie Informationsmüll von relevanten Informationen zu trennen vermögen und so ihre Daseinsberechtigung wiederherstellen.

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